Aus dem Leben eines Uber-Fahrers

AUTO-MOTO

Aus dem Leben eines Uber-Fahrers

466
FOTO: iStockphoto/Radule Bozinovic

BEICHTE. Die App Uber ist Anlass für immer heftigere Debatten in der Öffentlichkeit. Was sich wirklich hinter Uber verbirgt, verrät uns der Fahrer Dragan N. (29) in einer anonymen Beichte.

Als die Plattform Uber auf den Markt kam und Taxifahrten zu sehr viel günstigeren Preisen anbot, konnten die meisten Nutzer dieser Dienste ihre Begeisterung über die bis dahin undenkbar günstigen Preise nicht verbergen. Und während die Konkurrenz sich einhellig über die vollkommene Destabilisierung des Marktes durch Uber beschwerte, wurde wenig über die Bedingungen geschrieben, unter denen die Fahrer dort arbeiten…

Dragan N. (29) arbeitet seit acht Monaten für Uber. Dazu hat er sich entschlossen, nachdem er im vergangenen Jahr seine Arbeit als Verkäufer nach der Zielpunkt-Pleite verloren hatte. Sehr schnell tauschte er den Kassasessel bei Zielpunkt gegen den Fahrersitz eines Uber-Wagens, indem er bei einem Taxiunternehmen anfing, das mit der Uber-App arbeitete. Auch wenn er wegen seiner, wie er es nennt, existentiellen Abhängigkeit von seinem Arbeitgeber anonym belieben will (sein wahrer Name ist der Redaktion bekannt), entschied er sich, mit uns über sein Leiden als Fahrer zu sprechen.

LESEN SIE AUCH: Taxiservice Uber startete in Zagreb

Seit gestern ist das weltweite alternative Taxi-Service Uber auch in der kroatischen Hauptstadt aktiv. Seit Donnerstag um 12 Uhr können die Zagreber mittels einer Uber-App die Dienstleistungen von lizenzierten Taxifahrer in Anspruch nehmen.

 

4 Euro pro Stunde

„Ich war froh, als ich diesen Job bekommen habe, aber schnell habe ich begriffen, dass die Dinge nicht so waren, wie sie am Anfang schienen. Im Durchschnitt verdiene ich 4 Euro pro Stunde, und es gibt immer häufiger Tage, an denen ich am Ende nur auf ein oder zwei Euro Stundenlohn komme. Manchmal denke ich, es wäre mir besser gegangen, wenn ich beim AMS geblieben wäre. Im Endeffekt wäre ich besser davongekommen“, sagt Dragan, der am Tag unseres Besuchs in zehn Arbeitsstunden 150 Euro eingenommen hat. Von diesen 150 Euro bekommt Uber 30 Euro und vom Rest erhält der Kooperationspartner von Uber, Dragans Arbeitgeber, 65 Prozent. Das heißt letztendlich, dass er für 4,2 Euro pro Stunde gearbeitet hat. „Der Verdienst wird immer weniger, und um zu überleben, muss ich 60 bis 80 Stunden pro Woche arbeiten. Aber auch bei so viel Arbeit, komme ich kaum über die Runden“, fügt der sichtlich müde Fahrer hinzu.

FOTO: Radule Bozinovic
FOTO: Radule Bozinovic

Chronisch übermüdet

„Wenn du für Uber arbeitest, bist du chronisch übermüdet. Denn wenn du willst, dass deine Arbeit wirklich Sinn hat, musst du bereit sein, auch 16 Stunden pro Tag zu fahren. Das ist verrückt, aber im Moment habe ich, genau wie die meisten anderen Kollegen, die über Uber arbeiten, keine andere Wahl, sagt uns Dragan, der, während er auf die nächste Fahrt wartet, die Job-Anzeigen in der Kronen Zeitung durchblättert. „Auf der einen Seite ist Uber für die Fahrgäste gut, denn es ist viel billiger. Aber die Qualität der Fahrten wird im Verhältnis zur Konkurrenz immer schlechter. Viele Fahrer haben keine entsprechende Fahrpraxis, und es gibt immer mehr Tschechen und Slowaken, die über das Wochenende zum Arbeiten nach Wien kommen. Sie kennen die Stadt nicht und verlassen sich ausschließlich auf das Navi. Außerdem sind die meisten Fahrer, wie schon gesagt, chronisch übermüdet und die Unfallgefahr ist erheblich höher“, erklärt uns Dragan.

Wie schwer die Arbeitsbedingungen für die Uber-Fahrer sind, hat kürzlich auch die amerikanische Journalistin Emily Guendelsberger in der Zeitschrift Philadelphia Citypaper beschrieben. Sie hat als Undercover-Reporterin in ihrer Stadt bei Uber gearbeitet und außer den geringen Löhnen auch die schlechte Kommunikation dieses Unternehmens mit den Fahrern kritisiert. „Wenn die App einen Fehler hat oder irgendetwas nicht funktioniert, erreichen Sie niemanden. Die einzige Möglichkeit ist über E-Mail“, schrieb die amerikanische Journalistin in ihrem Artikel.

Und während Guendelsberger nach 100 Fahrten für Uber an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt ist, hofft Dragan, bald einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Und natürlich einen besseren Arbeitgeber…