MC Yankoo: “Den Balkan im Herzen”

INTERVIEW MC YANKOO

MC Yankoo: “Den Balkan im Herzen”

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FOTO: Miodrag Ignjatović

MC Yankoo a.k.a. Aleksandar Janković ist gebürtiger Wiener. Den Balkan trägt er im Herzen und die Tätowierungen sind seine Visitenkarte. Adrenalin fließt in seinen Venen, aber die Energiequelle ist seine kleine Tochter. KOSMO besuchte ihn in seinem Studio.

KOSMO: Viele wissen nicht, dass du ein gebürtiger Wiener bist und dass Deutsch deine zweite Muttersprache ist…

MC Yankoo: Ich bin in Wien geboren, weil mein Vater hier gearbeitet hat, aber bis zu meinem achten Lebensjahr war ich mit meiner Mutter und meinem Bruder in Niš. Ich bin wahrscheinlich der einzige unserer Sänger, der es über die Grenze hinweg geschafft hat.

Du hast mit internationalen Musikern Hip-Hop und elektronische Musik gemacht, aber dann hattest du vor vier Jahren mit dem Lied „Ne zovi me“ (vs. DJ Mladja) den Durchbruch?

Genau. Das Lied hat mir die Tore zur Balkanszene geöffnet. Aber leider wissen viele nicht, dass ich viel Hip-Hop und House-Musik gemacht habe und in ganz Europa mit großen Namen wie z.B. DJ Antoine aufgetreten bin. Worauf ich noch stolz bin, ist die Arbeit für den Film „Poltergeist“, für den ich die Soundtracks gemacht habe.

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Wir müssen einfach den aktuellen Hit „Moje zlato“ erwähnen. Wer oder was ist für dich dieser Schatz?

Na, meine Tochter. Sie ist definitiv mein Schatz, meine Energie…

Und weil ein Schatz ja auch eine materielle Assoziation hat: Wofür gibst du gerne Geld aus?

Am meisten investiere ich in meine Karriere. Vor allem in Studioausrüstung, und dann auch in Spots, denn ich mache auch Videoproduktionen. Ich fahre kein protziges Auto, sondern lebe bescheiden.

Und wieviel investierst du in deinen Stil, der ja in deinem Geschäft sehr wichtig ist?

Naja, ich kaufe sehr oft und gerne Sportschuhe (lacht). Und zwar am häufigsten am Flughafen. Das heißt, wenn ich zählen würde, glaube ich, ich hätte etwa 100 Paar Sportschuhe (lacht)…

Du hast viele weibliche Fans. Wie hast du in diesem Meer von Möglichkeiten die Richtige kennengelernt – deine Freundin?

Als wir uns trafen, war ich noch nichts und niemand. Darum weiß ich, dass sie nicht nur mit mir zusammen ist, weil ich MC Yankoo bin. Sie ist mir eine echte Stütze und die kann niemand ersetzen.

Du führst neben deinem öffentlichen Glamour-Leben auch ein privates Familienleben. Wie bringst du das unter einen Hut?

Es ist wirklich schwierig. Zu Hause bin ich nur selten, da sitze ich schon mehr im Flugzeug… Und wenn ich meine kleine Tochter anschaue, die jetzt schon sieben Jahre alt ist, kann ich nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht… Darum bemühe ich mich immer, wenn ich zu Hause bin, ihr jede einzelne Minute zu widmen.

Wie erholst und entspannst du dich?

Das gibt es bei mir nicht, ich entspanne mich nie. Ich bin immer irgendwie in Action. Mein Ziel ist es, Neues zu schaffen, etwas weiterzubringen… So ist das, wenn du das machst, was du liebst.

Einer deiner großen Hits ist auch “Ja volim Balkan” mit Dado Polumenta und MC Stojan. Was magst du so am Balkan?

Ich freue mich, dass du gerade dieses Lied erwähnst, denn ich habe den Refrain dafür geschrieben. Am Balkan mag ich einfach alles. Dieses Gefühl, wenn ich nach Hause komme, unsere Menschen, unser Essen… Am liebsten mag ich die Bohnensuppe, die mir mein Vater zubereitet!

Und weil Wien ein Mini-Balkan ist: Welches sind deine Lieblingsplätze in dieser Stadt?

Naja, der 1. Bezirk ist wunderschön, dort treffe ich mich mit Freunden. Sonst habe ich keine bestimmten Lieblingsplätze, obwohl ich immer noch gerne in unsere Clubs gehe, wie zum Beispiel ins „Village“.

Du hast in österreichischen und in unseren Clubs als DJ gearbeitet. Wo ist das Publikum besser?

Das ist nicht so einfach zu sagen. Das österreichische Publikum ist entspannter. Unsere Leute warten nur auf die Narodnjaci, um abzutanzen. Ich mag jede Musik. Darum würde ich sagen, dass jedes Publikum auf seine Art gut ist… (lacht)

Würdest aus Wien wegziehen?

Im Moment nicht, vor allem wegen meiner Tochter. Aber wenn, wäre meine Wahl auf jeden Fall Amerika. Wahrscheinlich, weil ich Hip-Hop mag. Dort sind die Chancen einfach größer und die Leute sind irgendwie freundlicher. Das einzige, was mir dort nicht gefällt, ist das Essen. Ich glaube, das ist zu 100 Prozent künstlich.

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