Hass im Netz: Wenn Höflichkeit und Moral abgelegt werden

HASS IM NETZ

Hass im Netz: Wenn Höflichkeit und Moral abgelegt werden

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Im Netz scheint es als ob man höfliches und gebildetes Verhalten verlernt hat. (Foto: iStock)

Aufgepasst! Der Verfasser dieses Textes ist ein „hirnloser Analphabet“, ein „Möchtegern Philosoph mit Pseudo-Ausbildung“, aus dem Dorf stammend, ein Serbenhasser, ein Thompsonliebhaber, ohne Humor, dummes Arschloch, niveaulos.

Das hier findet sich alles über ihn im Internet, es kann nicht gelöscht werden, es ist verewigt unter den Kommentaren. Würde man solche Sachen dem Texter auch persönlich ins Gesicht sagen? Natürlich nicht. Man prügelt sich auch nicht (zumindest in den meisten Fällen) am Arbeitsplatz mit dem Kollege, wenn er anderer Meinung ist. Aber im Netz ist man unsichtbar. Die Hemmschwellen sinken, wenn man auf seinem gemütlichen Sofa in Boxershorts sitzt und sich über andere auslässt. Egal ob es Nachrichtenmeldungen sind oder Posts von Freunden von Freunden, es wird eifrig geschimpft. Statt konstruktiver Kritik wird in die Tasten gehaut und frei von der Leber los gefetzt. Die persönlichen Aggressionen werden ausgelebt, denn mein Gegenüber hat weder Gesicht noch Gefühle. Los geht’s! Ein Freund von einem Freund dessen Nachbar postet etwas über einen Politiker den ich hasse? Kein Problem: Du Wixer, du Verräter, lauf doch zu deinen Parteifreunden!

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Die Affäre um Dodiks Sanktionen, Rechtsruck am kompletten Westbalkan, Kolindas Schokolade, der „Kosovo ist Serbien“-Zug und vieles mehr lassen einen ernsthaft darüber nachdenken, was am Balkan falsch läuft.

 

Eigentlich wie kleine Kinder, die wütend sind aber nicht wissen was sie mit ihrer Wut anfangen sollen. Was man früher am Schulhof gemacht hat, nämlich sich gegenseitig gehänselt oder gemobbt hat, macht man jetzt auf professioneller Eben im Internet. Mit Memes, Bildern, Screenshots sind die Möglichkeiten eine Person total zu entmenschlichen, beinahe unbegrenzt. Man sucht sich verbündete, die den eigenen Hass oder Verachtung bestätigen. Was macht man in solchen Situationen? Den Hass ignorieren, aushalten?

Wann hat man verlernt sich höflich und gebildet im Netz zu geben? Als Kind wird einem das Handwerkzeug für gutes Benehmen bereits im Kindergarten beigebracht. Die Kindergartentante grüßen, den anderen Kindern nichts wegnehmen und sie nicht schlagen. Es scheint als ob anständige Manieren nur eine Fassade sind, die sobald man den Facebook-Account öffnet, abgelegt werden. Einzelne werden vulgär beschimpft und kritisiert. Sie müssen schauen, wie sie mit den Reaktionen der anderen alleine fertig werden. Diese wütenden Stimmen, werden immer lauter je mehr Aufmerksamkeit ihnen geschenkt wird. Es bleibt einem nichts anders überlassen, als sich mit solchen Menschen abzufinden und ihnen den Kampf mit dem Gegenteil von Hass begegnen.