Kirche am Hof: Wenn ein heiliger Ort als Singlebörse dient

BLOG

Kirche am Hof: Wenn ein heiliger Ort als Singlebörse dient

302
Symbolfoto (FOTO: iStockphoto)

Unsere Bloggerin Jelena (24) – ein modernes Gastarbeiterkind – schilderte uns bereits vor einigen Wochen den gewöhnlichen Samstagabendlichen Wahnsinn im Hause Mustermanić! Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit hat sie weitere passende Anekdoten für euch parat und trifft mal wieder den Nagel auf den Kopf.

Gottesfürchtig wie eh und je, zwingt mich meine Mutter kurz vor Weihnachten mal wieder zur Beichte. “Sine, wehe du gehst heuer schon wieder nicht beichten”, sagt sie mir bestimmend und insgeheim fürchtend, ihr Umfeld würde mich für den Antichristen halten, wenn ich mich auch in diesem Jahr gegen die Beichte sträube.

Lasst mich eines klarstellen, ich glaube an Gott und respektiere meine Religion – das steht außer Frage. Dennoch habe ich so meine Schwierigkeiten mit dem Konzept der Kirche bzw. vielmehr mit einigen Kirchgängern der Glaubenseinrichtung am Hof, zu denen bekanntlich vorwiegend Kroaten und katholische Bosnier zählen.

LESEN SIE AUCH: Was Gastarbeiter-Eltern von ihren Kindern erwarten

  

Unsere Bloggerin Jelena (24) – ein modernes Gastarbeiterkind – schilderte uns vom gewöhnlichen Samstagabendlichen Wahnsinn im Hause Mustermanić! Eins ist sicher: In den nächsten Zeilen werden sich viele von euch Ladies wieder erkennen!

 

Pünktlich zur abendlichen Sonntagsmesse strömen sie nämlich in Scharen in die heiligen Hallen der wunderschönen, altertümlichen Kirche in der Innenstadt. Sehen und gesehen werden lautet hier die Devise – Das Who is Who der katholischen Elite versammelt sich und die Kirche am Hof verwandelt sich im Nu in eine potentielle Singlebörse. Zahlreiche Balkan-Beautys nutzen die langen und breiten Gänge fast schon als Catwalk und die Poser profilieren sich durch ihre verschiedenen Statussymbole.

Das schöne aber scheinheilige Geschlecht

Das beginnt allein schon bei der Garderoben-Wahl der schicken Ladies. Stylish muss es sein, aber auch nicht zu gewagt. Schließlich möchte man auf die Verwandten und Schwiegereltern in spe einen braven und frommen Eindruck machen. Dass so manch eine der engelsgleichen Geschöpfe einige Stunden zuvor noch sturzbetrunken, mehr als knapp bekleidet und in Stripper-Manier auf irgendeiner Bar zu JK-Hits tanzte und sich wie am Silbertablett anbot, merkt man ihr nun gar nicht mehr an.

Die Haare unschuldig zum Pferdeschwanz gebunden, ein süßer Pulli bei dem der Kragen eines Hemdes hervor blitzt, ein hübscher Mantel und fertig ist das Unschuldsoutfit der Blenderin von heute. Schließlich muss Mr.-Halbwegs-Right doch auf sie aufmerksam werden und sie als ernstzunehmende Heirats-Kandidatin in Erwägung ziehen.

Der durchgestylte Checker 

Er – der Balkan-Vorzeige-Schwiegersohn von heute – fährt stilsicher wie eh und je, entweder mit dem BMW, Audi oder Mercedes vor – in Begleitung seiner ultracoolen Entourage versteht sich. Und dann geht es auch schon los: Ein Hallo hier eine Umarmung da. Er fühlt sich wie der Boss während er eine flüchtige Bekanntschaft nach der anderen begrüßt bzw. abbusselt. Markenklamotten von Kopf bis Fuß schmücken seinen durchtrainierten Körper, die er sich vorwiegend durchs “Gambeln” oder seine Eltern finanziert.

Happy End

Und so schließt sich der Kreis. Er sieht sie, sie sieht ihn. Ansprechen kommt zwar nicht in Frage, zu cool sind die Herrschaften dafür nämlich, aber zum Glück gibt es Facebook und die unzähligen Lokale auf der Ottakringer bzw. Märzstraße, in die sie sich nach der abendlichen Messe begeben und letztendlich alles “besiegeln” können. Zuvor holt man sich nämlich Appetit und dort wird zu guter Letzt gegessen!

Fazit

Mit meinem Blog möchte ich weder die besagte Kirche an sich kritisieren, noch die zahlreichen Besucher dieser. Vielmehr wollte ich die Probleme aufzeigen, die unsere Community umschleiern. Denn im Grunde sollten wir uns vor allem in dieser wunderschönen besinnlichen Vorweihnachtszeit auf das Wesentliche besinnen. Es sollte um unsere Gebete und um einen Moment der Ruhe und des Friedens gehen, nicht ums Sehen und gesehen werden. Schon gar nicht sollte dieser Ort als Speed-Dating-Location dienen! Also reißt euch endlich mal am Riemen, ihr Blender und Blenderinnen da draußen!