Kontinente des Mülls: eine riesige Bedrohung für unsere Umwelt

RECYCLING

Kontinente des Mülls: eine riesige Bedrohung für unsere Umwelt

240
Kontinente des Mülls - Beitragsbild
Die Müllinsel zwischen der Küste Kaliforniens und Hawaii ist siebenmal so groß wie Frankreich und misst ca. 3,5 Millionen Quadratkilometer. (FOTO: iStockphoto)

Bis zum Jahr 2050 könnte es mehr Müll in den Ozeanen geben als Fische. Schon heute schwimmen dort 25 Trillionen Stücke Plastikmüll herum. Ein verantwortungsvolleres Verhältnis zum Müll ist jetzt wichtiger denn je.

Eineinhalb Millionen Tiere werden jährlich Opfer des Plastikmülls, der für die Weltmeere eine immer größere Bedrohung darstellt. Einige Prognosen gehen bereits davon aus, dass es bis 2050 mehr Müll im Meer geben könnte als Fische, was drastisch verdeutlicht, wie sehr das Leben der Meerestiere durch die enormen Mengen an Plastikmüll gefährdet ist. Das sind schockierende Zahlen, die das französische Forschungszentrum für Entwicklung IRD nicht als Erster und auch nicht als Letzter vorgestellt hat, dessen Forschungen aber eine weitere Warnung vor der Gefahr namens „siebter Kontinent“ darstellen.

LESEN SIE AUCH: Offiziell: Wien wurde zur saubersten Region Österreichs gewählt

Die Bundeshauptstadt hat nicht nur die beste Lebensqualität weltweit, sie zählt nun zur saubersten Region Österreichs. Trotz Millioneneinwohner liefert die Stadt hervorragende Ergebnisse.

 

Inseln aus Plastikmüll
Das sind Inseln aus Plastikmüll im Stillen, Atlantischen und Indischen Ozean. „30 Prozent der Fische im Nordpazifik schlucken im Laufe ihres Lebens Plastik“, warnt Laurence Maurice, Wissenschaftlerin des französischen Instituts. In diesem Ozean liegt gleichzeitig auch die größte je beobachtete Müllinsel. Sie wurde 1977 zwischen der Küste Kaliforniens und Hawaii entdeckt. Seit 1977 hat sich die Größe dieser Insel verdreifacht, sie ist siebenmal so groß wie Frankreich und misst ca. 3,5 Millionen Quadratkilometer.

Die Insel wächst nach den Schätzungen der Forscher jährlich um 80 Quadratkilometer Müll, und man muss nicht Wissen-schaftler oder Experte sein, um zu erkennen, welche Folgen dieses Phänomen für die Natur haben kann. Schon 2011 warnte die Gesellschaft zum Schutz der Wale und Delphine die Öffentlichkeit, dass der Plastikmüll heutzutage Lebensgefahr für viele Tiere birgt, die den Plastikmüll verschlucken oder sich in Plastikgegenständen verfangen. Bei dem größten Teil des Plastikmülls handelt es sich um Müll aus Polyethylen, einem einfachen und billigen Polymer, das für seine hohe Widerstandsfähigkeit bekannt ist. Wie bedrohlich die Situation nicht nur für Umwelt und Natur, sondern vor allem auch für die Tiere ist, zeigt auch die Tatsache, dass viele Meerestiere den Plastikmüll mit Nahrung verwechseln.

Daher ist es kein Wunder, dass im Körper eines Wals aus der betroffenen Meeresregion ganze 20 Kilogramm Plastik gefunden wurden. „Die Meeresvögel werden ebenfalls Opfer des Plastikmülls. Ein junger Albatros wurde tot aufgefunden und sein Magen war voll mit Plastik, von dem seine Eltern dachten, dass es Nahrung sei“, erklärt die französische Wissenschaftlerin Laurence Maurice, deren Institut die Folgen des Plastikmülls für das Meer im Detail erforscht hat.

Was passiert mit dem Plastik?

(FOTO: iStockphoto)

– Durch Wind, Wellen und Strömungen verteilt sich der Müll im gesamten Meer.
– Der meiste Müll sammelt sich in den subtropischen Regionen der Meere.
– Durch den Wind, das Salz im Wasser und den Einfluss der Sonne kommt es zur Transformation in Mikropartikel, die für das Leben von Krebsen, Fischen und anderen Meerestieren lebensgefährlich sind.
Eine besonders hohe Konzentration an Plastikmüll („garbage patches“) befindet sich im Nordpazifik.

 

Plastik: wichtig, aber verheerend
Aber wie kann diesem negative Phänomen und den wachsenden Mengen an Plastikmüll begegnet werden? Einerseits ist Plastik als Material heute nicht mehr wegzudenken und spielt in vielen Segmenten unseres Lebens eine wichtige Rolle: Es ist nicht nur als Verpackungsmaterial wichtig, sondern auch im Transport- und Bauwesen, in der Medizin und in der Elektronik. Als Verpackungsmaterial ist es viel günstiger als Konkurrenzmaterialien, es ist leicht und verlängert sogar die Lebensdauer von Nahrungsmitteln.

Auf der anderen Seite machen es die negativen Folgen für die Umwelt zu einem der gefährlichsten „Totengräber“ der Natur, weshalb man bei dem Wort Plastik meistens auch zuerst an Umweltverschmutzung denkt. Jährlich werden weltweit ca. 300 bis 400 Millionen Tonnen Plastik produziert, der Anteil Europas daran beträgt 59 Millionen Tonnen. Insgesamt hat die Menschheit seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts acht Milliarden Tonnen Plastikmüll produziert. Die meisten Plastikmaterialien werden dabei für Verpackungen eingesetzt (39,5 %), ein Gutteil endet im Bau-wesen (20,1 %), in der Automobilindustrie (8,6 %), in Elektro- und Elektronikprodukten (5,7 %), in der Landwirtschaft (3,4 %) usw. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Plastik immer weiter.

LESEN SIE AUCH:

 

Laut einem Bericht der angesehenen deutschen Zeitschrift „Die Zeit“ hat der Plastik-müll in der Europäischen Union zwischen 2005 und 2015 um 12 Prozent zugenommen und besonders kritisch ist die Situation in Irland, Deutschland, Luxemburg und Estland. Der durchschnittliche Ire produziert pro Jahr 61 Kilogramm Plastikmüll, während der durch-schnittliche Deutsche im selben Zeitraum 37 Kilogramm Plastikmüll zurücklässt. Interessant ist an den Statistiken der Europäischen Union, dass Kroatien unter allen EU-Mitgliedern am wenigsten Plastikmüll produziert: Der durchschnittliche Kroate verursacht nur 12,4 Kilo-gramm Plastikmüll im Jahr. Unabhängig davon, dass der Hauptschuldige an den Verunreini-gungen nicht das Plastik selber ist, sondern vor allem der Mensch, sein unverantwortlicher Umgang mit dem Plastikmüll, macht die unzureichende Infrastruktur in der Müllentsorgung die Situation noch schlimmer. „Während das Land 1950 praktisch frei war von Plastik, ist die Situation heute bedrohlich. Allein 2015 wurden 380 Millionen Plastik produziert, was unser Natur, die Gewässer und das Meer bedroht“, sagt Matthias Heiss, Sprecher Niederösterreichi-schen Umweltverbände. Auch er erinnert wie viele andere an die Tatsache, dass dem Plastik-müll bis vor kurzem zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Jährlich werden weltweit ca. 300 bis 400 Millionen Tonnen Plastik produziert, davon 59 Millionen Tonnen in Europa. (FOTO: iStockphoto)

Recycling als beste Option
Das Verhältnis zum Plastikmüll erhält in der Gesellschaft zu Recht eine immer größere Bedeu-tung, und weltweit bestehen verschiedene Konzepte und Strategien, wie diesem Problem begegnet wird. In Europa werden so 30 Prozent des Plastikmülls recycelt, während 40 Prozent verbrannt werden. Ähnlich ist es auch in China, wo 25 Prozent im Recycling landen und 40 Pro-zent in den Müllverbrennungsanlagen. Am schlimmsten ist die Situation in den USA, wo der Recycling-Anteil am Gesamtaufkommen des Plastikmülls nur 9 Prozent beträgt. Obwohl viele meinen werden, dass Europa den besten Umgang mit dem Plastikmüll pflegt, haben doch einige afrikanische Länder wie Ruanda oder Kenia in dieser Hinsicht die strengsten Maßnahmen ergriffen. In Ruanda sind der Import von Plastiksackerln und ihre Produktion zum Zwecke der Produktverpackung verboten und in der Hauptstadt Kigali finden Sie kaum eine Plastiktüte in den Mülleimern.

In Kenia beträgt die Strafe für den Import von Plastiksackerln so-gar 19.000 Dollar. Dass das Bewusstsein für die verheerenden Folgen des Plastikmülls welt-weit steigt, obwohl gleichzeitig immer mehr Plastik produziert wird, zeigt auch eine Aktion der Vereinten Nationen dieses Jahr auf der indonesischen Insel Bali. Dort wurde ein neues Programm zur Vermeidung von Plastikmüll ins Leben gerufen und eine „Kampagne für ein sauberes Meer“ gestartet. Eines der Ziele der Kampagne, die sich an alle Länder der Welt richtet, ist, dass die Regierungen der UN-Mitgliedsländer die Menge des Plastikmülls allmählich aktiv verringern. Klar ist, dass es mehr derartige Initiativen braucht, sowohl international als auch auf staatlicher, regionaler und lokaler Ebene.

(FOTO: zVg.)

“Heute wissen wir, dass der Großteil des Mülls eine Quelle für neue Produkte darstellt. Unsere wichtigste Aufgabe ist es, dies der Bevölkerung bewusst zu machen. Die Ressourcen der ERde sind nicht unendlich”, erklärt der niederösterreichische Landtagsabgeordneter Anton Kasser.

Österreich auf einem guten Weg
Dass Österreich, ein traditionell umweltbewusstes Land, entschieden hat, diesem Problem ernsthaft zu Leibe zu rücken, zeigt die Tatsache, dass im Juli 2016 ein ganzes Maßnahmenpaket zur Reduktion der Plastiksackerl verabschiedet wurde. Seitdem ist ihre Zahl um 89 Millio-nen Plastiktüten gesunken und das deklarierte Ziel ist, dass der durchschnittliche Österreicher pro Jahr nur mehr 25 Plastiksackerl verbraucht. Unter den Maßnahmen ist auch die, dass es in Österreich ab Anfang 2018 offiziell verboten sein wird, Plastiksackerl kostenlos zu verteilen.

Ziel der Europäischen Union ist es, dass der durchschnittliche EU-Bürger bis 2025 maximal 40 Plastiksackerl im Jahr in Anspruch nimmt. Aber auch Österreich ist in der Umsetzung seiner Entscheidung nicht konsequent, denn es hat das Verbot der kostenlosen Plastiktüten auf die Kassen der Geschäfte beschränkt. Die Obst-, Fleisch- und Brotabteilungen, in denen ebenfalls täglich Tausende und Abertausende Sackerl ausgegeben werden, sind davon ausge-nommen. Während Experten warnen, dass die Situation alarmierender ist denn je, bleibt deutlich, dass jeder von uns etwas tun kann und bei sich selber anfangen sollte. Die Menschheit hat noch die Chance, die Lawine des Plastikmülls, die sie selber losgetreten hat, zu stoppen…

LESEN SIE AUCH: Was fairer Handel bedeutet: Produkte, die man ohne schlechtes Gewissen kaufen kann

Das eckige Siegel das man auf Bananen, Kaffee oder Schokolade finden kann, soll den Konsumenten ein gutes Gefühl beim Konsumieren vermitteln.

 

Die Slowenen sind Weltmeister des Recycling
Beim Abfallrecycling ist Slowenien ein Mitgliedsland, das mehr als die Hälfte des Abfalls für die Wiederverwertung nutzt. 55 % des gesamten Mülls endet in Slowenien in Recyclinganlagen, gefolgt von Deutschland (47 %), Belgien und Irland (34 %) und Schweden (33 %). Österreich führt das Ranking bei der Kompostierung von Abfällen an (35 %), gefolgt von den Niederlanden (26 %), Belgien (21 %) und Luxemburg (20 %).

Fakten zum Plastikmüll:

– 1950 begann die Plastikproduktion mit damals noch 1,5 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit.

– Heute werden weltweit 300 bis 400 Millionen Tonnen Plastik produziert.

– Davon landen 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen als Plastikmüll in den Meeren.

– 62 % des Plastikmülls in Europa stammt aus Einwegverpackungen (wie Plastiksackerln).

– Der Plastikmüll kostet eine Million Meeresvögel sowie 100.000 anderer Meerestiere das Leben.

– In Europa landen 30 Prozent des gesamten Plastikmülls im Recycling.