Mima Karadžić: „Es gibt immer weniger Romantik hier bei uns.“

INTERVIEW

Mima Karadžić: „Es gibt immer weniger Romantik hier bei uns.“

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Mima Karadzic 1
(FOTO: Goran Đukanović)

Wien macht sich bereit für die Premiere des neuen Films „Biser Bojane“ („Die Perle der Bojana“) die von Adria Film organisiert wird und zu der neben anderen bekannten Gesichtern auch einer der größten Schauspieler unserer Szene und ein echter Frauenschwarm erwartet wird – Milutin Mima Karadžić. Mit KOSMO sprach Mima über das Meer, die Romantik, die Komödie, aber auch über die konkreten Gründe, aus denen dieser Film gerade unserem Wiener Publikum gefallen wird, das so viel und so fleißig arbeitet.

KOSMO: Ihre Schauspielerkarriere dauert bereits seit über 30 Jahren an und in der letzten Zeit waren Sie auch als Produzent erfolgreich. Was ist leichter und was ist schöner – als Schauspieler vor der Kamera zu stehen oder als Regisseur und Produzent dahinter?

Mima Karadžić: Ich habe für meinen Bruder Milan begonnen, als Produzent zu arbeiten, d.h. gemeinsam wollten wir gute Arbeitsbedingungen schaffen. Denn wenn dich irgendwelche Bedingungen stören, ist es am besten, du nimmst die Dinge in die Hand und machst sie besser und passender. Es ist auf jeden Fall schöner, Schauspieler zu sein, aber manchmal muss man für ein schönes Ziel auch etwas anderes, weniger Schönes machen. Das ist, als wenn Sie gerne gut essen: Dann zahlt es sich auch aus, die Mühe auf sich zu nehmen, das gut zuzubereiten.

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Was war in all den vielen Jahren Ihrer Karriere die größte Herausforderung? Gab es da etwas Besonderes?

Im geschäftlichen Sinne war das mit Sicherheit die Serie „Budva na pjenu od mora“, denn es war anspruchsvoll, gleichzeitig Produzent und Hauptdarsteller zu sein. Aber der Erfolg hat uns Recht gegeben, die Anstrengung, die Investitionen und die Mühe haben sich auf jeden Fall ausgezahlt, denn es gibt kein schöneres Gefühl, als wenn man sein eigenes Werk mit dem Publikum teilt. Wenn man etwas nur für sich selber machen würde, wäre man egoistisch, aber wenn man es teilt, dann bekommt man das richtige Gefühl!

Nach Wien kommen Sie mit Ihrem neuesten Film „Biser Bojane“, bei dem Sie Produzent und einer der Hauptdarsteller sind. Warum würden Sie dem Wiener Publikum diesen Film empfehlen?

(FOTO: Goran Đukanović)

Aus dem einfachen Grunde, dass der Film eine heiße Geschichte ist: auf der einen Seite eine Familiengeschichte über eine Vater-Sohn-Beziehung, auf der anderen Seite eine Liebesgeschichte über die Beziehung zweier junger Menschen. Außerdem ist dieser Film an wunderschönen Orten gedreht worden, von Triest über Belgrad bis hin zur Ada Bojana. Wegen dieser lebendigen Kulissen in Kombination mit der Thematik, den glänzenden Schauspielern, einer hervorragenden Regie und seinem Humor schaut man während der gesamten Dauer des Films von 1,45 Stunden nicht ein einziges Mal auf die Uhr. Da ist Genuss garantiert. Ich bin überzeugt, dass dieser Film beim Wiener Publikum besonders gut ankommen wird, denn ich weiß, dass die Leute dort viel arbeiten, und gerade dann wird ein solcher Sommerfilm voller schöner Gefühle und Humor für sie wie ein angenehmer Ausflug sein.

Im Film zeigen Sie uns durch fantastische Aufnahmen, was die „Biser Bojane“ („Die Perle der Bojana“) ist, aber was ist die Perle im Leben des Mima Karadžić?

Hmmm… Das ist eine sehr schwere Frage, denn da kann man nicht so einfach eines herausgreifen. Aber eine Perle im Leben des Mima Karadžić ist auf jeden Fall der Hedonismus. Alles, was ich tue, tue ich für irgendeinen Genuss. Und Genuss findet man, wenn man das tut, was man liebt, wenn man mit den Menschen zusammenlebt, die man liebt, und wenn man aufgrund all dessen Lust hat, auszugehen, Kontakte zu pflegen, neue Menschen und Orte kennenzulernen und neue Weine zu probieren. Dann bekommt man diese Perle. Ich finde zum Beispiel meine Perle auch jedes Mal, wenn ich nach Wien komme. Mit dieser Stadt verbinden mich wunderschöne Erinnerungen, nicht nur aufgrund der Gastspiele und des Wiener Publikums, sondern auch wegen der Freunde, die ich da habe, aber auch wegen der Orte, die wir besuchen. Aber man muss auch die richtige Art finden, nach Wien zu kommen und sich in vollem Glanz zu präsentieren. Und das machen wir jetzt mit dem Film „Biser Bojane“.

(FOTO: Goran Đukanović)

Das Genre dieses Films ist Action-Drama und romantische Komödie. Wovon gibt es bei uns weniger, Romantik oder Komödie?

Sie wissen es selber, uns fehlt beides. Sie sehen ja selbst, dass in ganz Europa eine Politik um sich greift, der wir uns nicht entziehen können. Hier bei uns Stück um Stück, also kämpf… Wir leben keine Komödie, selten sieht man lachende Gesichter… Aber das alles ist nötig, um Romantik zu erleben. In einer Zeit wie heute kann man sie auch kaum noch erleben. Darum gibt es solche Dinge auf der Leinwand. Und das ist noch ein weiterer Grund, warum man diesen Film sehen sollte (lacht)!

Für Sie als Mensch aus der Küstenregion und als Produzent der sehr erfolgreichen Fernsehserie „Budva na pjenu od mora“ und jetzt auch dieses Films ist das Meer sehr wichtig… Was inspiriert Sie sonst noch, außer dem Meer?

Das Meer ist nicht nur Meer. Jetzt hat zum Beispiel die Tourismusmesse begonnen, egal ob bei uns oder anderswo. Und da herrscht eine tolle Energie, denn verkauft werden Freizeit und Unterhaltung. Und daran erinnert mich das Meer. Sicher ist das für die, die vor dem Morgengrauen zum Fischen hinausfahren oder die Strände säubern müssen, nicht gerade ein Genuss, oder für die Gastronomen, die das ganze Jahr warten, um in einem Monat ihr Geld zu verdienen… aber mir bringt das Meer immer irgendeine schöne Geschichte und die Romantik, über die wir vorhin gesprochen haben.

Inspiriert Sie auch Wien irgendwie?

Wien ist eine fantastische Geschichte. Mit jeder Straße, auf der du dich bewegst, spazierst du durch die reichhaltige Geschichte. Aber Wien ist auch eine Stadt der Unterhaltung. Sie hat wirklich viel zu bieten, vor allem für Hedonisten wie mich (lacht)! Ich persönlich glaube, dass es für alle, die in Wien leben, ein Privileg ist, in einer solchen Stadt zu wohnen… Wenn Sie Ihre Wohnung verlassen oder von der Arbeit kommen, haben Sie etwas zu sehen, und das sollte man genießen. Ich habe mit meiner Theatergruppe immer am liebsten in Wien gastiert, nicht nur wegen der inspirierenden Stadt, sondern auch darum, weil das Wiener Publikum wirklich super ist. Was ich nie auslasse, wenn ich nach Wien komme, ist die Albertina, aber ich schaue mir auch gerne an, was im Burgtheater und in der Oper gespielt wird. Mit meinen Freunden gehe ich immer gerne in unser Restaurant Kornat oder in irgendein Café auf der Mariahilferstraße, aber auch im Zentrum gibt es besondere Bars und Weinstuben. Und wenn Sie dann noch mit den richtigen Leuten in einer solchen Stadt sind, dann ist der Genuss vollkommen und Ihnen geht das Herz auf.

(FOTO: Goran Đukanović)

Kurz & knapp

Wenn ich nicht Schauspieler wäre, wäre ich… Seemann oder Önologe oder auch Koch.

Die Arbeit des Künstlers ist es,… sein Talent und sein Können an das Publikum weiterzugeben.

Das beste Antidepressivum ist… ein guter Wein und schöne Augen auf der anderen Seite der Flasche oder des Tischs.

Mein unerfüllter Traum ist… Ich habe kaum unerfüllte Träume, denn ich habe versucht, mir möglichst viele zu erfüllen. Auch wenn ich es nicht geschafft habe, alle wahrzumachen, bedaure ich nichts, denn ich habe es jedenfalls versucht.

Der Moment des größten Glücks… da könnte ich jetzt keinen einzelnen Moment nennen, denn es gab viele Momente, die mich glücklich gemacht haben, und meistens haben sie etwas mit der Gesundheit von jemandem zu tun, der mir nahesteht, oder Momente, wenn du die Bühne betrittst, wenn du nach harter Arbeit und viel investierter Mühe den Applaus hörst.

Der traurigste Moment… definitiv, als ich meine Mutter verloren habe. Auch wenn du weißt, dass das eines Tages passieren wird, und wenn du diesen Verlust erwartest, ist dieser Moment dennoch schmerzhaft und die Trauer unermesslich.