Gay ist OK!
Nur wenige Tage, nachdem der amerikanische Präsident Obama die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften unterstützt hat, stellte auch der Premierminister der Republik Kroatien, Zoran Milanovic, eine ähnliche Initiative vor. Der Regierungschef kündigte einen Gesetzentwurf an, mit dem Kroatien homosexuelle Ehegemeinschaften nach dem Vorbild der Staaten Westeuropas legalisieren will. 2010 wurden erste Urteile des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs gesprochen, in denen definiert wurde, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften nach der Europäischen Menschenrechtskonvention als Familien gelten müssten. Weiterhin ist eine Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Personen in fünf der 27 EU-Länder (Belgien, Spanien, die Niederlande, Portugal und Schweden) erlaubt, während in anderen Ländern der Gemeinschaft, darunter auch Frankreich, zivile Gemeinschaften gleichgeschlechtlicher Partner zugelassen sind.
Die kroatische Regierung will mit dieser Politik Freiräume erweitern, damit sich niemand als Bürger zweiter Klasse fühlen muss. Der Premierminister drückte sein Bedauern darüber aus, dass sich Mitglieder der homosexuellen Minderheit von Seiten der Gesellschaft in verschiedenen Lebensbereichen diskriminiert fühlten, und erklärte, dass die Regierung große Anstrengungen unternehmen werde, damit das Gesetz möglichst bald verabschiedet und damit zur Bekämpfung der Homophobie in Kroatien beitragen werde. Eine offene Frage bleibt, ob es einem gleichgeschlechtlichen Partner mit diesem Gesetz erlaubt werden wird, ein biologisches Kind des andern Partners zu adoptieren, während es fast sicher scheint, dass eine klassische Adoption eines elternlosen Kindes nicht zugelassen werden wird. "Die Adoptionsproblematik stellt die Fähigkeit der Partner nicht in Frage, einem Kind ein gutes Zuhause, Fürsorge und Liebe zu bieten, sondern hier geht es um die mögliche negative Reaktion und Diskriminierung gegenüber dem Kind seitens der Gesellschaft, die dauerhafte Schäden verursachen kann."
Die kroatische Öffentlichkeit ist in ihrer Meinung zu dieser Initiative gespalten. Der wichtigste Gegner dieser gesetzlichen Regelung ist die politische Opposition um den rechten Block, die gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ein klares "Nein" entgegenstellt. Obwohl auch die Haltung der Kirche sehr starr ist, erklärte Don Ivan Grubišic, Doktor der Wissenschaften und Vorsitzender des "Rates für ein bürgerliches und ethisches Kroatien", der aufgrund seiner "zu liberalen" Vorstöße kürzlich in die Pension geschickt wurde: "Meine Meinung und mein Motto sind: Der Mensch steht über allem. Unabhängig von seiner natürlichen und genetischen Orientierung muss jeder Mensch die grundlegenden Menschenrechte genießen." Hier ist zu erwähnen, dass die Ehe in der kroatischen Verfassung als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau definiert ist. Deswegen werden die Rechte von Gay-Paaren nicht im Familiengesetz geregelt und ihre gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften müssen auch einen anderen Namen erhalten, um dieser Bevölkerungsgruppe die Möglichkeit registrierter Partnerschaften zu eröffnen. "Die Regelung der homosexuellen Partnerschaft im Familiengesetz würde heftigen Widerstand bei der katholischen Kirche hervorrufen, aber auch in Teilen der Gesellschaft. Daher erhalten gleichgeschlechtliche Gemeinschaften größere Rechte, die dem Ehegesetz gleichgestellt sind, müssen aber einen anderen Namen tragen."
Eine sympathische Nachricht zu dieser Thematik kommt aus dem Disneyland in Tokio, das Anfang Mai eine Neuheit in sein Angebot aufgenommen hat: eine spektakuläre Eheschließungszeremonie für gleichgeschlechtliche Paare. Das einzige Ehehindernis im Aschenbrödel-Schloss könnte finanzieller Natur sein: Der Preis der Zeremonie beträgt nämlich 70.000 Euro.
© Tamara Levi









