BALKAN 07.07.2012

Serbien & Kosovo: "schmutzige" Geschäfte

40 Prozent des Handels werden nicht verzollt und sind somit illegal.Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat jetzt aufgezeigt, dass 40 Prozent des Handels zwischen Serbien und dem Kosovo in einer Grauzone verlaufen, da sie nicht verzollt werden.

Weil es im Nordkosovo praktisch keine Produktion gibt, ist die Region von Importen abhängig. Der serbische Export in den Kosovo liegt bei knapp 500 Mio. Euro jährlich, es werden jedoch nur rund 300 Mio. Euro dabei von den serbischen Zollbehörden auch registriert. Der Rest wird somit illegal ins Land eingeführt. Die Studie wurde von einer serbischen und einer kosovarischen nichtstaatlichen Organisation gemeinsam durchgeführt.

Weiters wurde belegt, dass Kosovo zu einem der fünf wichtigsten Exportmärkte Serbiens gehört, wie die Tageszeitung "Danas" unter Hinweis auf die Studie des serbischen Zentrums für Regionalismus und der Organisation "Mutter Teresa" aus Priština feststellt. Serbien importiert wiederum jährlich Waren im Wert von etwa zehn Mio. Euro aus dem Kosovo, wobei der Großteil des Imports nicht registriert und verzollt wird. Nur etwa drei bis vier Millionen Euro der Ausfuhren nach Serbien finden demnach auf legalem Wege statt.

In der Studie wurde auch festgehalten, dass der nicht registrierte Handel über den Norden des Kosovo verläuft. Dies biete einen riesigen Raum für Machenschaften und die Bereicherung von mit Politikern verknüpften Geschäftsleuten, stellte Aleksandar Popov vom Zentrum für Regionalismus fest. Die serbische Regierung musste in den Jahren von 2008 bis Juni 2011 große finanzielle Einbußen verzeichnen, da im Nordkosovo die Mehrwertsteuer für geliefertes Erdöl und Fahrzeuge nicht berechnet wurde. Schätzungen der Studie zufolge beläuft sich der Wert der entgangenen Steuer auf über 200 Mio.
Euro. Es leben an die 55.000 Serben und 10.000 Albaner im Nordkosovo. Es erweist sich als schwierig, wieder Recht und Ordnung in diese Region zu bringen, da sich kriminelle Netzwerke gebildet haben, die von diesem Schmuggel profitieren. Gehandelt wird vor allem mit Treibstoff, Baumaterial, Medikamenten, Drogen und Waffen. Eine der Ursache für die kriminellen Machenschaften sind auf die Parallelstrukturen zurückzuführen, die dort herrschen: Weder die Kosovo-Regierung in Pristina noch die serbische Regierung haben dort den ausschließlichen Einfluss, so dass eine politische Grauzone entstanden ist. Auch die von der EU entsandte Rechtsstaatsmission EULEX konnte in den letzten Jahren nicht dazu beitragen, die Situation zu entkriminalisieren. 



Danijela Stevanović

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