So feiert man Silvester auf dem Balkan

BLOG

So feiert man Silvester auf dem Balkan

504
FOTO: iStockphoto/zVg.

In vielen Ländern der Welt gibt es verschiedene Bräuche zu Silvester. Obwohl im ehemaligen Jugoslawien bei den Neujahrsbräuchen regional Unterschiede vorhanden sind, haben wir für euch die bekanntesten Bräuche und Modeerscheinungen der letzten Jahrzehnte zusammengefasst…

Das große Fressen
Es ist kein Geheimnis, dass am Balkan zu jeder feierlichen Gelegenheit groß aufgekocht wird. Nicht anders ist es zu Silvester, einem Feiertag an dem die meisten Kroaten und Serben Schweinefleisch essen. So findet sich in Balkan-Familien christlichen Glaubens oft ein Spannferkel am Tisch, aber auch Balkan-Spezialitäten wie Sarma oder – sehr beliebt zu Neujahr – der französische Salat. Ebenso bereiten die meisten einen oder meistens gleich mehrere Kuchen als Nachspeise vor. Da, gemäß der Gastgeber-Traditionen am Balkan, zu Neujahr nichts fehlen darf und alles im Überschuss vorhanden sein muss (“nemoj slučajno da nešto zafali”), wundert es keinen, dass nicht alles aufgegessen wird. An Essen darf es im Haus schließlich nie fehlen…

Feuerwerk ist nicht gleich Feuerwerk
Wenn Balkaneros ein Feuerwerk vorbereiten, dann wird bei der „Munition“ nicht gespart. Frei nach dem Motto: Umso lauter die Böller und umso höher die Raketen gehen, umso besser. Es entsteht eine Art Wettrennen, wer das lautere und spektakulärere Feuerwerk machen wird. Wenn man in Gegenden ist, in denen es vor zwanzig Jahren noch kriegerische Auseinandersetzungen gab, braucht man sich nicht wundern, wenn der Nachbar kurz mal die Kalasnjikov zu Mitternacht rausholt und in die Luft schießt. Schließlich bist du nicht umsonst am Balkan gelandet.

Komasaufen ist OK
Wenn es um den Alkohol-Konsum geht, so setzen die Balkanesen – wie die restliche Welt – vor allem auf Sekt und Champagner zu Mitternacht. Davor gibt es, neben den traditionellen Rakija-Schnäpsen und dem „Balkan-Alkohol-Pflichtprogramm“, immer öfter am Balkan auch coole Cocktails, die eher die moderne Zeit symbolisieren. Die große Toleranz gegenüber dem Alkohol, die sowieso am Balkan über das ganze Jahr präsent ist, erlebt zu Neujahr ihren Höhepunkt. Keiner wird es euch übel nehmen, wenn ihr zu Silvester etwas zu tief ins Glas schaut – jetzt mal abgesehen von eurem Partner oder eurer Partnerin.

LESEN SIE AUCH: 5 Alternativen zur nervigen Silvester-Party

  

Und schon wieder ist ein Jahr um und du stehst einige Tage vor Silvester erneut vor der Frage der Fragen: Was mache ich bloß an diesem einen verflixten Abend?

 

 

Zwischen Sozi-Hotels, Open-Air und VIP-Party
Auf die Frage, wo Leute am Balkan das neue Jahr begrüßen werden, gibt es keine allgemein gültige Antwort. Früher, im alten Jugoslawien, war es sehr angesagt Silvester in einem, damals noch edlen und modernen Hotel zu feiern. Heute schauen die gleichen Hotels oft wie sozialistische Abbruchhäuser aus. Meistens traten in solchen Hotels auch bekannte Musiker auf und man konnte sich, trotz der propagierten kommunistischen Werte der damaligen Zeit, als Very Important Person fühlen. So gibt es am Balkan solche Hotel-Feiern und VIP-Partys noch immer en masse, aber ebenso große Feste auf den Hauptplätzen der jeweiligen Städte. Dieses Jahr wird die bosnische Pop-Ikone Dino Merlin in Sarajevo ein Open-Air Konzert geben. Dass die Stadt Sarajevo für seine Dienste sogar 130.000 Euro übrig hat, sorgte im Vorfeld für große Diskussionen. Kein Wunder in einem Land, in dem der Durchschnittsbürger knapp 400 Euro verdient.

„Televizija“ geht immer
Wenn man zu Hause feiert, läuft meistens auf dem Bildschirm das Neujahrsprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender wie HRT, FTV, RTRS und RTS. Dabei wird nonstop live verfolgt, wie welche Stadt und Region das neue Jahr willkommen heißt. Vor allem ältere Menschen, zu deren Alltag der Dnevnik – die ZiB des Balkans – gehört, werden das Neujahrsprogramm im Fernsehen nicht verpassen. Schließlich will man morgen beim Kaffee mit Freunden darüber reden, wer das schönste Kleid hat, wer der größte Depp der Nation war und welche Stadt am meisten Gas gegeben hat.