Vom Švabo-Gast zum „švapski Kum“ auf der Slava

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Vom Švabo-Gast zum „švapski Kum“ auf der Slava

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(FOTO: zVg.)

Ich kann mich nur zu gut daran erinnern, wie es für mich war, als ich das erste Mal auf eine Slava ging. Heute, rund 10 Jahre später, bin ich nicht nur Gast, sondern sogar Kum.

Die serbisch-orthodoxe Kirche feiert am 19. Dezember Sveti Nikola (Heiliger Nikolaus), welcher für viele serbische Familien der Schutzheilige ist. Und ganz nach der typischen Redewendung „Ili slaviš ili si na slavi“ (frei übersetzt: „Entweder richtest du aus, oder bist auf einer Slava“) ist so gut wie jeder Serbe heute irgendwie an einer Slava beteiligt, sei es nun als Gastgeber oder Gast.

Es ist nun schon fast zehn Jahre her, dass ich das erste Mal zu einem meiner Freunde zur Slava des Hl. Nikolaus „eigeladen“ wurde. Ich schreibe „eingeladen“, da man auf die Slava niemanden einlädt, sondern ganz nach altem Brauch jeder Freund der Familie immer herzlich willkommen ist.

Als ich meine erste Slava besuchte, war ich ziemlich nervös. Ich wusste nicht so ganz, was mich erwarten wird. Ich kannte zwar den Ablauf aus einigen Erzählungen, aber selbst dabei war ich noch nie. Selbstverständlich wollte ich auch gleichzeitig nicht unhöflich sein, weil ich womöglich einen der Bräuche nicht kenne…

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Der Winter naht, und mit ihm auch die Zeit der Slava, der traditionellen serbisch-orthodoxen Familienfeier. Wir sagen euch, was ihr auf der Slava beachten solltet.

Ich läutete also an und der Hausherr machte mir die Tür auf: „Srećna slava, domaćine, tebi i tvom domu!“. Er grinste mich an, bedankte sich und war sichtlich davon angetan, dass ich mir im Vorhinein noch eine standesgemäße Begrüßungsformel im Internet herausgesucht habe.

Alles festlich von A bis Z
Die Wohnung war blitzblank geputzt, alles war sehr festlich dekoriert und als ich in das Wohnzimmer betrat, war ich von dem reich gedeckten Tisch und den traditionellen Bestandteilen („slavski kolač“, „žito“, „slavska sveća“ usw.) regelrecht überwältigt. Jugos sind für ihre Gastfreundschaft ja weit über ihre Landesgrenzen bekannt, aber so viel Essen und Trinken hab ich sonst nur auf Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten gesehen.

Dann durfte ich auch zum ersten Mal die „Dizanje slave“ (Eröffnung der Slava)erleben. Zum Glück hatte ich noch davor mit meinem Freund darüber gesprochen, wie man sich orthodox bekreuzigt. Während gebetet wurde, waren meine Augen eigentlich nur darauf gerichtet, wann ich mich bekreuzigen muss und durch meinen Kopf schoss nur „erst Rechts dann Links“ – ich wollte doch auf keinen Fall unhöflich gegenüber den Gastgebern sein.

Am Ende des Gebets nahmen der Gastgeber und seine Familie einen Löffel, um das traditionelle „žito“ zu Essen. Danach wurde es den Gästen weitergereicht. Den Teil hatte mir mein Freund vorenthalten, ich wusste gar nicht so recht, was ich tun sollte. Also bekreuzigte ich mich, gratulierte noch einmal zur Slava, nahm einen Löffel, bekreuzigte mich und setzte mich – alles richtig – „Gute Beobachtungsgabe, Manuel.“

Als der zeremonielle Teil vorbei war, konnte ich etwas durchatmen. Ich war ganz schön verkrampft, was wohl einfach daran lag, dass ich dort nicht sofort als „der Österreicher“ abgestempelt werden wollte oder gar unbeabsichtigt etwas Unhöfliches tue. Komplett unnötiger Stress, denn es kannten mich doch alle auf der Slava und niemand würde mir etwas übel nehmen!

„Danas sam švapski kum“
Heute, mehrere Slavas später, bin ich mit dem offiziellen Teil der Slava bereits bestens vertraut. Und noch eine Sache hat sich geändert: der Freund, bei dem ich das erste Mal auf einer Slava war, ist mittlerweile nicht nur mein bester Kumpel, sondern mein „Kum“ (Trauzeuge). Eine, wie jeder weiß, besonders wichtige Person im Leben der Menschen vom Balkan. Nicht nur, dass ich bereits seit Jahren als vollwertiges Familienmitglied gelte, nun bin ich, wie beschreibe ich das am besten, sogar schon „Ehrengast“, egal wann ich meinen Kumpel besuche.

Hierzu gibt es einige witzige Anekdoten, die es mir besonders angetan hat: Als es „amtlich“ war, dass wir „Kumovi“ sind und ich die nächste Slava besuchte, wollte ich mich, wie schon die Jahre davor, auf einen der freien Plätze zu Tisch setzten. Als jedoch die Oma sah, dass ich den Raum betrat, sprang sie auf und sagte ganz energisch „Kume, das ist dein Platz, du musst am Kopf der Tafel sitzen“, ich war peinlich berührt und sagte, dass es schon OK sei und mich woanders hinsetzten werde. „Nein, du sitzt hier und Schluss aus, du bist doch der Kum“, ein Satz, dem ich nichts mehr entgegenzusetzen hatte.

Meine Nervosität von meinem ersten Slava-Besuch ist über die Jahre komplett verflogen und jetzt freue ich mich jedes Jahr, zusammen mit meinen „Kumovi“ ihren Schutzheiligen zu feiern.

Und in diesem Sinne: „Srecna slava, kume, tebi i tvojoj porodici! Zdravi bili i u zdravlju je proslavili još mnogo, mnogo godina!