Wenn es Bosnisch nicht gibt, dann gibt es Kroatisch und Serbisch auch...

KOMMENTAR

Wenn es Bosnisch nicht gibt, dann gibt es Kroatisch und Serbisch auch nicht!

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Heute existieren zahlreiche Wörterbücher der kroatischen, bosnischen und serbischen Sprache. (FOTO: zVg./KOSMO)

Der RS-Präsident Milorad Dodik verlautbarte kürzlich, dass die bosnische Sprache nicht existieren würde. Ähnliche Ansichten vertritt auch die SANU, sowie weitere hochrangige Institutionen der Region.

Für große Aufregung sorgte Dodik kürzlich mit seiner Aussage, dass das bosniakische Volk nicht allen in Bosnien-Herzegowina die bosnische Sprache auferlegen könnte –  Erstens gebe es diese seiner Meinung nicht, zweitens handle es sich um eine Majorisierung, welche nicht tragbar wäre.

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Viele verbinden mit Ekavica Serbisch, Ijekavica mit Bosnisch bzw. Kroatisch und mit der Ikavica Dalmatien. Diese Definition stimmt per se nicht, denn der Grund für die Trennung der Aussprachen geht auf das Altkirchenslawische zurück.

 

Vergleichbares war auch voriges Jahr aus der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SANU) zu hören. Diese verneinte ebenso die Existenz der bosnischen Sprache. Woraufhin sich die Akademie Bosnien-Herzegowinas mehr als erzürnt zeigte.

Auch der bekannte serbische Linguist Ivan Klajn äußerte sich zu diesem Thema: „Wir [die SANU Anm.d.Red.] haben uns bereits dazu geäußert, dem gibt es nichts hinzuzufügen. Die Sprache kann Bosniakisch heißen, allerdings unterscheidet sie nichts von der kroatischen und serbischen Sprache. Sie kann nur nach dem Volk benannt werden, welche sie spricht und nicht nach dem Land.“

Vor allem im Bildungswesen, in den Medien und der Politik sind diese sprachpolitischen Fragen seit Jahren ein Pulverfass.

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Das serbokroatische Sprachgebiet unterteilt nach den unterschiedlichen Jat-Reflexen: Jekavica (gelb),Ekavica (blau) und Ikavica(rot). (FOTO: Wikimedia Commons/Ђорђе Божовић)

Trotzdem nur eine Sprache!
Diese Beispiele bei sind Weitem keine Einzelfälle im Sprachgebiet des Serbokroatischen, wie die Sprache noch zur Zeit Jugoslawiens genannt wurde. Auch andere Institutionen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien vertreten ähnliche Meinungen, dass es sich um unterschiedliche Sprachen handelt.

Eine Meinung, die die meisten Universitäten und Gelehrten außerhalb des Sprachgebietes nicht vertreten. In Österreich zum Beispiel, kann man Bosnisch/Kroatisch/Serbisch nur zusammen studieren, da der Großteils der Professoren die Ansichten vertritt, dass es sich um eine sogenannte plurizentrische Sprache handelt.

Unter diesem Begriff versteht man eine Sprache, welche über verschiedene Varietäten und verschiedene Zentren verfügt, welche sich mit der Sprache beschäftigt – dennoch handelt es sich um eine Sprache. Ein gutes Beispiel hierfür ist zum Beispiel das Deutsche in Österreich, Deutschland, der Schweiz usw. oder aber Englisch in Amerika, Großbritannien usw. Diese Liste kann man noch lange fortführen.

„Dass es sich um eine Sprache handelt, zeigt allein die Tatsache, dass die Sprecher sich ohne Probleme untereinander verständigen können und keine Übersetzer notwendig sind“, so die anerkannte kroatische Linguistin Snježana Kordić. – Eine Meinung, die ich nur so unterschreiben kann.

Diese Teilung der Sprache bringt nur nationalistischen Zielen etwas, welche neben der Sprache auch vor allem durch diverse Schulfächer, wie Literatur, Geschichte und Religion erreicht werden sollen.

„Reinheit der Sprache“ = „Reinheit des Volks“
Eine Manipulation des Volkes auf höchstem Niveau, da kein Sprecher der Länder „reines“ Kroatisch/Bosnisch/Serbisch spricht. Eine puristisch d.h. reine Sprache existiert einfach nicht. Den Anspruch auf ein reines Bosnisch/Kroatisch/Serbisch können nur jene stellen, welche nationalistische, manipulative oder ähnliche Ziele verfolgen und gleichzeitig keine Ahnung von der grundlegenden Funktion von Sprache, bzw. Linguistik in Allgemeinen haben.

All jene Vertreter der „Reinheit“ verkaufen sich nur als Beschützer und Retter des Volkes und schüren Ängste, welche eigentlich gar nicht vorhanden sind – zumindest nicht, was die Sprache angeht.

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Vuk Stefanović Karadžić und eine Ausgabe seiner ersten “serbischen Grammatik”. (FOTO: zVg.)

Und noch etwas: Der bekannte Sprachreformator und Gründervater des Bosnischen/Kroatischen/Serbischen Vuk Stefanović Karadžić verwendete für die Erstellung der “Pismenica serbskoga jezika po govoru prostoga naroda pisana ” (1914)  die ostherzegowinischen (istočnohercegovački) ijekavischen und ekavischen Dialekte der Šumadija und Vojvodina (šumadijsko-vojvođanski). Hierbei handelt es sich erste serbische Grammatik auf Basis der Volkssprache und wird als Grundlage für die heutige serbische, kroatische und bosnische Standardsprache betrachtet.

Alle oder keine!
Und um nochmal auf meine Aussage im Titel einzugehen, finde ich es eine Frechheit, dass Bosnien eine eigene Sprache abgesprochen wird. All jene die meinen, dass es im Namen Serbo-Kroatisch/Kroato-Serbisch schon kein Bosnisch gab und heute auch nicht, möchte ich sagen, dass diese Bezeichnung eine typisch linguistische ist:

Wenn für eine Sprache kein einheitlicher Name besteht, so nimmt man die geographischen Grenzen der Sprache, in diesem Fall Kroatien und Serbien – ergo gehört Bosnien auch zu diesem Sprachgebiet.

Zweitens „durften“ nach dem Zerfall Jugoslawiens die Nachfolgestaaten Kroatien und Serbien ihre eigenen Sprachen via politischer Entscheidungen „errichten“.

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Wieso wird dieses Recht allerdings dann Bosnien-Herzegowina abgesprochen? Die Argumentation, dass die Sprache nach dem Volk heißen soll ist einfach nur bullshit. Ich selbst bin Österreicher und meine Muttersprach ist Deutsch – merkt ihr etwas? Daher kann, muss und sollte Bosnisch als Sprache akzeptiert werden, denn das „neue Kroatische“ und „neue Serbische“ nach Jugoslawien wurde doch auch akzeptiert.

Auch wenn es sich linguistisch gesehen um nur eine Sprache handelt, kann man den Ländern das Recht nicht absprechen, diese zu benennen, wie sie dies wünschen. Wenn man die bosnische Sprache jedoch auf „Bosniakisch“ hinunterbricht, so unterstützt man damit nur die politischen Interessen Kroatiens und Serbiens am „eigenen Volk“ in B&H und verhindert auf einer sprachpolitischen Ebene eine konfessionsübergreifende gesellschaftliche Zugehörigkeit aller in Bosnien lebenden Menschen – ergo als ein Volk, die Bosnier.

  • Jasmina

    Demnach sollte in Österreich also Österreichisch gesprochen werden und die Deutschen sprechen Deutsch. Oder wie?
    Gut das die Menschen solche Probleme haben und sich wieder einmal in Sachen einmischen die uns wieder vorschreibt wie wir zusprechen haben und wie unsere Sprache heißen soll.
    Rettet lieber die Deutsche Sprache, da ich beruflich mit Schulkindern zu tun habe wird es immer deutlicher das die Sprachkenntnisse der Kinder verkümmern.
    Rettet lieber eure Muttersprache!!
    I Love Jugoslavia.pozdrav

  • Lilo

    Das macht teilweise keinen Sinn was da oben steht. Also klar im Endeffekt ist es, wenn wir es genau nehmen wollen, die eine und die selbe Sprache. Aber dennoch ist die bosnische Sprache die Älteste. Bosanski rijecnik, die so genannte Bosancica gibt es schon seit 1630. Damit also 200 Jahre früher als die serbische Sprache bzw Srpski Rijecnik. Und was ich oben auch noch falsches entdeckt hab. Vuk Karadzic hatte nicht geschrieben Srpski Recnik sondern Rijecnik. Es wurde vom bosnischen übernommen. Im Prinzip kann man sagen, dass wir ex-Jugoslawen eigentlich alle bosnisch reden mit kleinen Änderungen in vereinzelten Wörtern. Ich generell sage bis heute noch, dass ich jugoslawisch spreche. Ich wurde in der Zeit geboren als es Jugoslawien gab und für mich ist es die jugoslawische Sprache. Da sind alle Sprachen in einem vereint. Dann muss auch keiner behaupten nein ich spreche nur kroatisch, serbisch, bosnisch, montenegrinisch, slowenisch und mazedonisch. Im Endeffekt verstehen wir uns alle ohne Probleme. Ich meine, bis heute ist es noch nie vorgekommen, dass z.B. ein Kroate zum Serben sagt ja ich versteh deine Sprache nicht. Das wäre ja auch absurd.