Wirtschaftspatriotismus: Bosnien setzt auf heimische Produkte

WIRTSCHAFT

Wirtschaftspatriotismus: Bosnien setzt auf heimische Produkte

49
(Foto: twitter/Nedim Sijercic)

Ob Waschmittel, Säfte oder Kaffee: Das bosnische Fernsehen und die Werbeindustrie setzen auf den Slogan: Kauf heimisch! 

Seit einigen Jahren versucht sich die bosnische Wirtschaft gegen Produkte aus dem Ausland zu wehren. Man fürchte, dass die eigenen Erzeugnisse aus den Regalen verdrängt werden. Schauspieler und Sänger des Landes sind auf den Zug gesprungen und bieten ihr Gesicht für die Werbeindustrie. 2014 hat die größte Einkaufskette Bingo, mit 25 Zentren landesweit, die Supermärkte der französische Handelsunternehmen “Intermarche”, Inhaber der Supermarktkette “Interrex”, übernommen.

LESEN SIE AUCH:BOSNIEN SETZT BEI WIRTSCHAFT AUF HALAL-STANDARDS

Banken, Lebensmittelhersteller und Hoteliers führen Halal-Standards ein, um Touristen aus dem arabischen Raum anzuziehen und die eigene Wirtschaft anzukurbeln.

 

Nun möchte das Unternehmen Bingo drei weitere Shopping-Zentren in Sarajevo aufkaufen. Als umsatzstärkste Kette des Landes setzt Bingo ebenso auf Produkte die in Bosnien-Herzegowina hergestellt werden. So achte man auf den Kauf von regionalem Obst und Gemüse, um der hohen Arbeitslosigkeit des Landes entgegen zu wirken.

Am Beispiel der bosnischen Waschmittelfabrik Dita, deren Erzeugnisse ebenso in Bingo verkauft werden, schlägt sich der Patriotismus am deutlichsten nieder. Als die Fabrik vor wenigen Tagen verkündete, dass man kein Budget für Werbeeinschaltungen habe, ergriffen die Konsumenten die Initiative. Auf sozialen Netzwerken kursierten die schrägsten und kreativsten Bilder. Eigentlich das beste, dass einem Unternehmen passieren kann. Anscheinend braucht Dita keine Werbung, denn die Konsumenten greifen ohnehin zu.

Derzeit sind 75 Mitarbeiter bei Dita angestellt und verdienen gerade genügend, um die Kosten für die Produktion zu decken. 2012 haben die ehemaligen Arbeiter von Dita die Produktion des Waschmittels Ida wieder aufgenommen. Mit der Privatisierung der Dita-Fabrik in Tuzla wurde das Unternehmen zum Symbol für Korruption und Misswirtschaft in Bosnien-Herzegowina. 2014 besetzten Arbeiter die Fabrik und produzieren seit dem auf eigene Faust.

Auch 20 Jahre nach dem Krieg hat sich Bosnien-Herzegowina wirtschaftlich nicht erholt. 2015 lag die Arbeitslosenquote bei 551.187, die Zahl der Beschäftigten ist knapp über 700.000  laut dem Statistikamt des Landes. Das Durchschnittseinkommen liegt bei rund 400 €. Der Braindrain ist einer der höchsten der Welt. Mittlerweile haben, seit dem Ende des Krieges, rund 150.000 junge Menschen Bosnien und Herzegowina verlassen, wie bosnische Medien berichteten.