Zeichentrickfilme − Damals und heute

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Zeichentrickfilme − Damals und heute

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(FOTOS: zVg.)

EINFLUSS. Heute sind Zeichentrickfilme voller Gewalt, Magie und Schlägereien, während sie einst echte menschliche Werte vermittelten. Oder hat sich das gar nicht so sehr verändert? Vielleicht sollten wir unseren Kindern ältere Zeichentrickfilme zeigen, denn nicht alles Moderne muss automatisch besser und lehrreicher sein.

Ich erinnere mich, wie es war, als ich klein war. Ein Zeichentrickfilm am Nachmittag oder nach der Tagesschau war ein Erlebnis, eine Freude, ein Festtag! Wir konnten es kaum erwarten, die „Ninja Turtles“ oder „Bugs Bunny“, „The Shoe People“, „die Schlümpfe“, „Care Bears“, „die Flintstones“, „Touché Turtle and Dum Dum“, „Popeye“, „Bananamen“, „Snoopy“ und viele, viele andere zu sehen. Vielleicht klingt das kindlich und naiv, aber diese Trickfilme, ihre Figuren und „Aufgaben“ haben meine Weltsicht beeinflusst, mein Gerechtigkeitsgefühl, meine Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, und irgendwie auch meine Ansätze zur Lösung verschiedener Probleme. Ich erinnere mich, dass ich geglaubt, habe, wenn ich ausdauernd genug wäre, wenn mein Herz gut und rein genug wäre und wenn ich auch solche Freunde hätte, dass wir es dann gemeinsam schaffen könnten, jedes Übel dieser Welt zu besiegen. Genau wie die Figuren aus diesen Filmen.

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Disney-Filme gehören wohl zu den schönsten Kindheitserinnerungen und selbst heute, rühren sie uns noch oft zu Tränen.

Sicher klingt das heute lächerlich, aber es war eine schöne Kindheit. Von den Langfilmen aus der Disney-Werkstätte wie „Bambie“, „Pinocchio“, „Susi und Strolch“, „König der Löwen“, „Schneewittchen und die sieben Zwerge“, aber auch dem fast 80 Jahre alten Animationsfilm „Somewhere in Dreamland“. Dieser Film entstand 1936 zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg und seine Botschaften sind universell. Weil es darin um Bruder und Schwester geht und weil auch ich einen Bruder habe, mit dem ich diesen Film zum ersten Mal gesehen habe, habe ich mich gerade mit diesem Film besonders identifiziert. Dieser Trickfilm hat mir das erste Mal gezeigt, wie schön es ist, wenn man jemanden hat, mit dem man seine Freude teilt, und auch, dass man nicht alles, was man sich wünscht, sofort bekommen muss: Es reicht, wenn man Phantasie hat. Aber auch, dass man fleißig ist und seinen Glauben bewahrt. Den Glauben, dass es besser wird und dass zumindest ein Teil der Phantasien vielleicht Wirklichkeit wird. Dieser Animationsfilm hat mich traurig gemacht, denn mir war schon als Kind bewusst, dass es Kinder gibt, die wirklich nichts haben, genau wie die Kinder in diesem Film. Und dass man darum geben und helfen muss, denn für irgendjemanden bedeutet das eine Menge. Genauso, wie es mit der großherzigen Bäckerei war, die den Kindern Süßigkeiten und Kuchen und damit enorme Freude geschenkt hat.

Im Jahr 1936 enstand der Zeichentrickfilm “Somewhere in Dreamland” inmitten zweier Weltkriege.

Einfluss auf das Bewusstsein von Kindern
Genau wie man entscheidet, welches Märchen man dem Kind erzählt oder vorliest, so muss man auch alle andere Inhalte aussuchen, die man dem Kind sozusagen serviert. Das Wort „servieren“ verwende ich hier bewusst, denn je jünger die Kinder sind, desto mehr ergreifen sie alles und es prägt sich in ihr Bewusstsein ein. Und das beeinflusst später die Ausbildung ihrer Meinungen, ihrer Werte und ihres Verhaltens. Aber Eltern haben heutzutage immer weniger Zeit, z.B. die Zeichentrickfilme, die ihre Kinder sehen, sorgfältig zu analysieren. Am einfachsten ist es für eine Mama, die das Essen kocht, dem Kind ein Kinderprogramm oder einen YouTube-Kanal mit seinen Zeichentrickfilmen einzuschalten. Wichtig ist, dass seine Aufmerksamkeit gefesselt wird und dass das Kind nicht stört. Aber ist alles, was seine Aufmerksamkeit erregt, deswegen auch gut?

Psychologen sind der Meinung, dass Zeichentrickfilme ein kreatives Ausdrucksmittel für Gefühle, Benehmen und die Identität des Kindes sind.

Tatsache ist, dass Kinder Zeichentrickfilme mögen. Eltern wissen aus Erfahrung, dass nicht alles nützlich ist, was den Kindern gefällt. Zum Beispiel stecken Kinder gerne einen Finger in die Steckdose, greifen ins Feuer, stecken sich eine Nadel ins Ohr… Vor all diesen Dingen bemühen sich Eltern, ihre Kinder zu schützen. Darum wäre es vielleicht nicht schlecht, dass sie auch ein wenig Aufmerksamkeit auf die Zeichentrickfilme verwenden, die die Kinder anschauen. Viele Eltern fürchten, dass Gewaltszenen in den Filmen einen schädlichen Einfluss auf die Kinder haben können, während Psychologen behaupten, dass Zeichentrickfilme kreative Mittel sind, um Emotionen und Verhalten auszulösen, deren Zweck eine Entlastung der Kinder ist und eine Möglichkeit, sich mit den Figuren zu identifizieren. Identifikation in dem Sinne, dass die Kinder beim Betrachten der Filme und der verschiedenen Situationen, in denen sich die Akteure befinden, lernen, wie man sich in verschiedenen Situationen verhält.

Dabei betonen die Psychologen, dass bei den Kindern negative Folgen wie aggressiveres und asozialeres Verhalten, Schlaflosigkeit und Nervosität auftreten können, wenn die Kinder zu lange vor dem Fernseher oder den Trickfilmen sitzen, wenn die Filme ihnen nicht entsprechen oder wenn sie den Inhalt der Filme nicht verstehen. Natürlich kann es auch schädlich sein, ausschließlich Zeichentrickfilme zu sehen, die direkt aggressiv sind. Und darum gibt es gewisse Empfehlungen und Richtlinien der Psychologen.

Ratschläge für Eltern

(FOTO: zVg.)

Was sollte man vermeiden?

  1. Zeichentrickfilme am frühen Morgen anzuschauen. Wenn das Erste, was das Kind am Morgen sieht, ein Zeichentrickfilm ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es nicht genügend Aufmerksamkeit aufbringen kann, um dem Unterricht oder anderen anspruchsvollen Aktivitäten, die der Tag bereithält, zu folgen.
  2. Zeichentrickfilme vor dem Schlafengehen. Diese Art adrenalingeladene „Gute-Nacht-Geschichte“ ist nicht gut, denn das heißt, dass es keine Grenzen gibt, wann das Kind schlafen gehen muss, und es wird zu erregt sein, um überhaupt ins Bett zu gehen.
  3. Zeichentrickfilme während des Essens. Mahlzeiten sind Momente, in denen die ganze Familie zusammenkommt und miteinander reden kann. Schließen Sie Ihr Kind auf diese Weise nicht aus der Familie aus und machen Sie das Filmeschauen beim Essen nicht zur Gewohnheit.
  4. Ein Fernseher im Kinderzimmer. Bis zu einem gewissen Alter würde ein solches Gerät das Kind nur wachhalten und verführen, statt es auf das Zubettgehen und einen guten Schlaf vorzubereiten.
  5. Ein Verbot von Zeichentrickfilmen als Strafe für die Kinder. Ein Verbot führt zum gegenteiligen Effekt: Der Wunsch, einen Film anzuschauen, wird stärker. Regeln und Zeiten sollten festgesetzt werden, wann ein bestimmter Zeichentrickfilm angeschaut werden darf.

 

Nach Meinung der Fachleute ist es wichtig zu wissen, dass jüngere Kinder nicht in der Lage sind, die Inhalte vollständig zu verstehen. Bis zum dritten Lebensjahr können sie Trickfilme von etwa 15 Minute Länge täglich sehen. Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren können, sofern sie den Inhalt des Films verstehen und den Film gerne sehen, bis zu einer Stunde vor dem Fernseher verbringen. Für Kinder von mehr als fünf Jahren ist jeder Aufenthalt vor dem Bildschirm von mehr als zwei Stunden Länge schädlich, betonen Psychologen. Wichtig ist auch, zwischen Inhalten zu unterscheiden, die Buben interessieren, und denen, die Mädchen begeistern. Buben sehen lieber Zeichentrickfilme, in denen es um Zerstörung und Kampf geht, so wie „Transformers“ und „Ninja Turtles“, denn das passt zum männlichen Geschlecht und bietet ihnen nicht zur Zerstreuung, sondern auch Identifikation. Dabei haben die Kinder kein Bewusstsein davon, dass im Film jemand tatsächlich getötet wird, sondern verstehen und erklären es so, dass dort irgendeine Macht ausgelebt wird. Sensiblere und jüngere Kinder wählen jedoch lieber Filme, in denen es um Sensationen, Farben und Ästhetik geht.

VORSICHTIG: Welcher Inhalt für das Kind adäquat ist und welcher nicht, muss man bedachtsam entscheiden.

Interessant ist, dass Psychologen erklären, dass auch Eltern, die in den heutigen Zeichentrickfilmen eine Bedrohung für ihre Kinder sehen, diejenigen aus ihre Kindheit glorifizieren. Wenn man genauer nachdenkt, gab es auch in den älteren Zeichentrickfilmen aggressive Momente und Motive. Ein Beispiel dafür sind die super-beliebten „Tom & Jerry“. Aber der generelle Unterschied zwischen den einstigen Zeichentrickfilmen und den heutigen ist, dass die Aggression heute mehrfach ist. Aber die Psychologen weisen darauf hin, dass das Schlechte und Böse, das in den Trickfilmen dargestellt wird, nicht das Böse ist, das in der Welt der Erwachsenen existiert. Was Psychologen betonen, ist, dass Eltern sich bewusst sein sollten, dass Zeichentrickfilme dazu da sind, Kindern zu helfen, ihre inneren Spannungen abzubauen, seien sie gut oder schlecht.

Psychologen betonen, dass es das Wichtigste ist, seinen Kindern genügen Zeit zu widmen, um ihre Persönlichkeitsentwicklung bestmöglich verfolgen zu können. Gleichzeitig sollte man mit den Kleinsten über ihre Lieblingszeichentrickfilme sprechen und am besten gemeinsam anschauen. (FOTO: iStockPhoto)

Zeichentrickfilme dienen ihnen zur Identifikation mit verschiedenen Helden und bilden über Sinneseindrücke, Gefühle oder intellektuelle Werke ihr Eingangstor in die Welt der Realität. Darum sollte man dennoch lieber pädagogisch wertvolle Filme wählen. Aber auch das reicht nicht aus. Wie Psychologen festgestellt haben, ist es am wichtigsten, dass Eltern sich Zeit für ihre Kinder nehmen, die Entwicklung ihrer Persönlichkeit beobachten und mit ihnen über die Zeichentrickfilme sprechen, die sie sehen mögen. Denn für Kinder ist es am schädlichsten, wenn sie sich selber und künstlichen Stimulatoren wie Medieninhalten überlassen werden. Ein Mangel an Kontakt und Kommunikation mit den Eltern oder Altersgenossen kann die intellektuellen und emotionalen Kapazitäten des Kindes vermindern. Darum lautet die Empfehlung an die Eltern, Zeichentrickfilme, wenn sie können, mit dem Kind gemeinsam anzuschauen und mit ihm darüber zu reden, was ihm daran gefallen hat und was nicht.

Faktor Sozialisation
Ich kann mit Sicherheit sagen, dass auch ich, wie viele andere Kinder, ein lebender Beweis dafür bin, wie stark der Einfluss von Zeichentrickfilmen auf die Ausbildung unserer Werte und Standpunkte ist, auch wenn hier die Medien hinter der Familie und dem gesellschaftlichen Umfeld erst auf dem dritten Platz stehen. Ein noch besseres Beispiel dafür sind die Kinder der heutigen Zeit. Die neueren Generationen haben immer weniger Konzentration, um etwas Lehrreiches zu sehen, alles wird ihnen schnell langweilig.

JUGENDLICHE HEUTE: Heutige Generationen bevorzugen laute, bunte und gewaltsame Inhalte.

Alles muss möglichst laut, bunt und gewaltsam sein. Sie haben weniger Achtung vor dem Alter, sie scheuen keine Autorität und darum erhalten wir auch all das, was wir auf den Straßen sehen und in den Medien hören. Ich will nicht sagen, dass Zeichentrickfilme entscheiden, wie jemand wird, wenn er erwachsen ist, denn das hängt von vielen Faktoren ab. Der Weg zur Reife ist lang, aber Trickfilme haben sicher ihren Einfluss auf die Kinder in der frühesten Phase ihres Aufwachsens, wenn sie am meisten lernen und Werte am einfachsten annehmen. Darum ist es wichtig, dass wir als zukünftige oder schon aktuelle Eltern darauf achten, was wir sie schauen lassen oder wie sie die Zeichentrickfilme, die sie sich selber ausgesucht haben, verstehen und deuten. Was steckt an Lehrreichem in z.B. „Transformers“, „Pokemons“, „Winx Club“, „Monster High“ usw.? Das sind die Zeichentrickfilme dieser neueren Zeit mit ihren – da werden Sie mir zustimmen – merkwürdigen Helden und unklaren Botschaften und Pointen. Wir wollen nicht vergessen, dass Kinder im Vorschulalter durch Imitation und Identifikation lernen.

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Das ist Grund genug, darauf zu achten, welche Inhalte man ihnen zeigt und wie sie sie verstehen können. Dank Internet, YouTube und anderen Medien können wir selbst aussuchen, wann und was wir sehen wollen. Da kann es keine Ausrede mehr geben außer der, dass die Eltern sich zu wenig um die Kinder kümmern. Gerade heute haben die Mamas und Papas sehr viel Auswahl und sehr viel sozusagen dosierte Kontrolle. Aber das Bewusstsein von der Art der Inhalte muss ebenso da sein wie Analyse und kritische Betrachtung. Wir wollen die Kinder nicht nur schützen, sondern auch ihre Phantasie und Kreativität anregen. Denn das ist eine der wichtigsten Funktionen des Zeichentrickfilms. Die Kindheit ist die schönste Zeit im Leben und das soll sie auch bleiben, und die Eltern sind in erster Linie für die Kindheit ihres Kindes verantwortlich. Darum ist es wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, dass nicht alles, was pädagogisch wertvoll ist, langweilig sein muss, und dass nicht alles, was unterhaltsam ist, sinnlos und übertrieben brutal sein muss. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn Sie nach der Lektüre dieser Zeilen einen Zeichentrickfilm aus Ihrer Kindheit auswählen und ihn mit Ihrem Kind, Enkel, Neffen oder Nachbarskind anschauen.. Es hat noch niemandem geschadet, das Kind in sich zu wecken, und das Kind neben Ihnen wird sich über Ihren Vorschlag sicher freuen!

Eine Liste des bekannten amerikanischen „Time-Magazine“

1. „Pinocchio“
2. „Dumbo“
3. „Oben“ (Up)
4. „Arielle, die Meerjungfrau“
5. „Toy Story“
6. „Schneewittchen und die sieben Zwerge“
7. „Happy Feet“
8. „König der Löwen“
9. „Kung Fu Panda“
10. „Susi und Strolch“ (Lady and the Tramp)