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SEX, DRUGS & JUGO BEATS

Absturz der Balkan-Musik: Reichtum, Protz und Kriminalität

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(FOTO: Youtube-Screenshot)

Es gibt kaum einen Menschen, der einen Tag lang ohne Musik verbringen kann. Auch wenn die eigene Playlist nicht angemacht wird, so hört man Musik überall. Im Fernsehen, Radio, Internet und sogar beim Einkaufen. Musik hat also einen enorm wichtigen Stellenwert in unseren Kreisen. Es verbindet Emotionen, Kulturen und Kunst und bietet allen Zuhörern eine Ekstase und flow-feeling. Musik ist so vielfältig, wie wir Menschen und eines steht fest: Musik hat Einfluss und Macht. Macht, die uns aktiv und passiv manipuliert.

Drogen, Sex und Prestige. Sind das die neuen Trends der Jugend? Wir leben in einer hochliberalen Zeit, die es in dem Sinne noch nie gegeben hat. Kaum ein Thema ist als tabu abgestempelt. Von Scham und Sensibilität keine Spur.

Junge Männer müssen im Kokain-Rausch Frauen klären, Millionen machen, die sie in teuren Clubs und Privatsuiten ausgeben und im kriminellen Milieu samt Waffen und Machtausübung ihren Ego beweisen. Bei so viel Geld, weiß man gar nicht mehr, was man damit machen soll. Man verprasst es, schmeißt Geldbatzen in die Höhe oder streut die bunten Scheinchen auf Frauen, die vor einem twerken. Ganz nach dem Motto „Ima se, može se“, auf Deutsch „Wer hat, der kann“.

Mili rappt als Feature in Cobys Lied „Južni vetar“ (dt. Südlicher Wind):

„Otkad sam se rodio, ništa nisam imao
Na ulici se cimao, krao kola i dilov’o
Hoćemo da imamo, moramo da mafijamo”

Übersetzt heißt es: „Seitdem ich geboren wurde, hatte ich nichts. Auf Straßen aufgehalten, hab ich Autos geklaut und gedealt. Wollen wir es haben, müssen wir auf Mafia spielen.“

„Ostavi nam fin sto, noćas pravimo ceh
To dupe pod tim džinsom navodi me na grijeh
Niko ne gleda isto od kad imam pun sef
Ona gleda me pristojno, a želimo isto“

„Lass uns einen feinen Tisch, heute Nacht machen wir Verluste; Der Hintern unter den Jeans verleitet mich zur Sünde; Keiner schaut mehr gleich, seitdem ich einen vollen Safe habe; Sie sieht mich anständig an, aber wir wollen dasselbe“, heißt es in „O.D.D.D“ von Jala Brat, Buba Corelli und Coby.

Junge Männer werden darüber aufgeklärt, dass ein Wertmaßstab in ihren Zwanzigern ein teures Auto, Champagner und Markenkleidung im Wert von Hunderten von Euros sind.

Auch Frauen bleiben nicht verschont. Unschuldige Mädchen werden zu Silikon- und Filler ausgestopften Püppchen, eingepackt in Markenkleidung, sollen eine „bad bitch“ und trotzdem exklusiv sein. Jeder soll sie haben wollen, doch nur dem Sänger den Kopf verdrehen und um den kleinen Finger wickeln. Natürlich soll die Frau Sexgelüste erfüllen und brav alle Wünsche von den Lippen lesen.

Sängerin Maya Berović vertritt die verkorkste Musiksparte perfekt mit ihrem Text aus „Mala lomi“ (dt. die Kleine zerfetzt):

“Gola tela
Po sobama hotela
Iako nisam htela
Opet te takvog tražim“

Übersetzt heißt es: „Nackte Körper in Hotelzimmern. Auch wenn ich es nicht wollte, suche ich dich so wieder.“

„Malo silikoni
i drugi fazoni
imam šta da pokažem
Doktor iz Brazila
da bi ljepša bila
ja u sebe ulažem“

„Ein bisschen Silikon und ähnliches, ich hab was zu zeigen; Doktor aus Brasilien damit ich schöner bin, ich investiere in mich“, heißt es in Severinas und MC Sajsis Duett „Silikoni“.

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