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Absturz der Balkan-Musik: Reichtum, Protz und Kriminalität

Songtexte, die lyrisch mehr bieten, kann man mittlerweile auf eine Hand abzählen.

Dva galeba bela u crnoj noći.
Leteli morem a bura je bila
Vetar ih baci na jednu stenu
A on tu osta slomljenih krila.”

Auf deutsch übersetzt : „In einer schwarzen Nacht flogen zwei weiße Möwen das Meer entlang, doch es war stürmisch. Der Wind warf sie auf einen Felsen und er blieb mit gebrochenen Flügel dort“ (Šaban Šaulić– „dva galeba bela“, 1979). Eine bildhafte Geschichte mit viel Hintergrundmusik und Emotion in jedem gesungenen Wort entwickelte sich zu oberflächlichen, kleingeistigen Texten.

Ja, wir leben in einer Zeit, in der Prestige und Erfolg um jeden Preis an erster Stelle stehen muss. Deswegen möchte man, wenn man diese Lieder hört dem Interpreten nah kommen, alles erleben so wie er. Der Reiz ist sich gut zu fühlen.

Ist das aber der Impfstoff des Glücks? Muss man auf jemanden neidisch sein, nur weil er sich mehr leisten kann. Sollte man nicht lieber das wertschätzen, was man schon hat? Diese Fragen stelle ich mir immer wieder ohne eine Antwort zu finden.

Diese Vorstellung macht einen gebildeten, mittelschichtigen Jungen tatsächlich zu einem Verlierer, mit dem Mädchen ungern abhängen, weil er keinen Luxus anbieten kann. Diese Unsicherheit spiegelt sich auch bei Frauen wieder. Ein Mädchen, welches sich nicht dem Trend beugt, indem sie sich durch Schönheitsoperationen und heftiger Schminke umgestalten lässt, nur um den „bad boys“ zu gefallen, wird sofort als uninteressant und langweilig abgestempelt.

Da sind Erlebnisse wie cruisen mit einem überteuerten Auto oder Moët Gläschen schlürfen viel verlockender. Lange, romantische Spaziergänge sind plötzlich fremd. Und die Menschen, die kein Geld für Moët Flaschen haben, warten einfach bis Gäste vom Platz verschwinden, damit sie ein Foto mit den leeren Flaschen machen könnten. Hauptsache die Fake-Freunde auf Instagram und Co. denken, dass man das High Life lebt. Eine Anästhesie für die Armen, in der Hoffnung, dass jemand auf sie neidisch wird.

Liebe, Kummer, Herzschmerz und Melodramen sind out, denn moderne Songtexte sollen nicht unter die Haut gehen. Doch sind die Fans nicht mit schlechteren und gefährlicheren Botschaften aufgewachsen. Generationen zuvor wurden bestimmt nicht weniger in eine Nische gedrängt und beeinflusst als es heutige Vorbilder vieler Teenager und jungen Erwachsenen tun. Fairerweise muss man sagen, dass nicht die ganze Musikszene einen solchen negativen Einfluss hat. Es gibt genug Interpreten und Künstler, die noch immer wert auf gute, qualitative Musik setzen. Die Themen haben sich lediglich geändert. Es stellt sich jedoch die Frage ob die Themen die Jugend, oder die Jugend die Themen verändert hat.