Das neue Schuljahr steht vor der Tür und erneut rückt ein zentrales Problem in den Fokus: Viele Kinder in Wiens Volksschulen verfügen nicht über ausreichende Deutschkenntnisse, um dem Unterricht folgen zu können. Die aktuellen Daten zeigen, dass etwa ein Drittel der Erstklässler in Wien den Anforderungen nicht gerecht werden kann. Hauptgrund hierfür ist, dass diese Kinder die Anweisungen der Lehrer nicht verstehen, obwohl die meisten von ihnen in Österreich geboren wurden.

Ein weiteres Problem ist, dass rund 70 Prozent der Pflichtschüler im Alltag nicht Deutsch sprechen. Diese Sprachbarriere hat weitreichende Auswirkungen auf den Unterrichtsverlauf und das Lernklima in den Klassen.
Die Herausforderungen, denen sich Lehrer, Schüler und Eltern gegenübersehen, sind enorm. Evelyn Kometter, Vorsitzende des Dachverbands der Elternvereine, schilderte kürzlich in einem Gespräch, dass Lehrer teilweise bis zu zwölf Mal einen Satz wiederholen müssen, damit er verstanden wird. ‚Bis dahin sind aber schon zwei Drittel der Stunde um‘, erklärte sie.
Eine junge Lehrerin, die anonym bleiben möchte, berichtete aus ihrer Erfahrung an einer sogenannten Brennpunktschule in Wien-Margareten: „Kein einziges Kind spricht Deutsch als Muttersprache in meiner Klasse“ und fügte hinzu, dass zwei ihrer Schüler gar kein Wort Deutsch verstehen.
Diese Sprachprobleme führen dazu, dass Lehrer einen Großteil ihrer Zeit darauf verwenden, den Kindern mit Sprachdefiziten zu helfen. Dadurch kommen Schüler, die gut Deutsch sprechen, oft zu kurz.
Späte Erkennung von Sprachdefiziten
Der liberale Think Tank Agenda Austria kritisiert das Bildungssystem und dessen Umgang mit Sprachdefiziten. Laut einer Analyse wird erst bei der Schuleinschreibung im Rahmen eines verpflichtenden Tests festgestellt, ob ein Kind ausreichende Deutschkenntnisse besitzt. Kinder, die den Test nicht bestehen, werden als außerordentliche Schüler eingestuft und müssen Deutschförderkurse besuchen oder werden in gesonderte Deutschförderklassen eingeteilt.
Experten sind sich einig, dass dieser Ansatz zu spät greift. Agenda Austria fordert eine frühere Intervention: „Bereits im Rahmen der Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen sollte ab einem Alter von drei Jahren eine Sprachstandserhebung durchgeführt werden.“
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Konsequenzen bei mangelndem Fortschritt
Sollten Kinder Sprachdefizite aufweisen, müssten die Eltern verpflichtet werden, ihre Kinder in entsprechende Förderprogramme zu schicken und die Fortschritte zu dokumentieren. Bleiben diese Maßnahmen erfolglos, könnten Verwarnungen und verpflichtende Beratungsgespräche folgen. Auch finanzielle Sanktionen wie Bußgelder oder Kürzungen von Sozialleistungen werden als mögliche Maßnahmen diskutiert.