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Elite-Universitäten in Deutschland

(FOTO: iStockPhoto)

Als im Jahr 2006 die sogenannte “Exzellenzinitiative” der deutschen Bundesregierung und der 16 Länder ausgerufen wurde, wurde viel darüber diskutiert, was sich damit an den einzelnen Universitäten verändern würde und ob eine “Elite”-Förderung nicht per se fragwürdig ist. Schließlich hatte die Initiative einen Zweck: Sie sollte den Wettbewerb unter den Unis in Deutschland fördern, um so mit den sogenannten “Elite-Universitäten” in Yale, Stanford, Oxford und Co. mithalten können. Doch was ist seit 2006 mit diesem Wettbewerb passiert und was hat die Förderung den Universitäten in Deutschland wirklich gebracht?

Die Kontroverse über den Namen
Als die Initiative 2005 als Idee in der SPD das erste Mal an die Öffentlichkeit getragen wurde, stand zunächst noch der Begriff Elite im Raum. Doch diese Wortwahl stieß bei vielen Menschen auf Kritik. Schließlich ist eine Elite die Auslese einer bestimmten Gruppe von Menschen, die sich in einem Wettbewerb welcher Art auch immer durchsetzen kann. Eine Elite zu fördern und damit die breite Masse abgeschlagen hinter sich zu lassen, stand gegen die Grundprinzipien von Chancengleichheit, die ausgerechnet die SPD immer proklamierte.

Nicht zuletzt kam auch aus dem Ausland Kritik zu einem deutschen Vorhaben, nur bestimmte Menschen und Institutionen fördern zu wollen. Erinnerungen an NS-Politik wurde laut, die besonders mit dem Elite-Begriff verknüpft wurden. Ein neuer Name musste gefunden werden und die “Exzellenzinitiative” entstand, bei der “Exzellenzuniversitäten” gekürt werden. Ironischerweise wird trotzdem noch immer mehrheitlich von Elite-Unis gesprochen.

Elite-Unis im Ausland im Vergleich zu Deutschland
Elite-Universitäten wie Yale, Stanford, Oxford oder Cambridge sind dafür bekannt, tatsächlich Eliten zu fördern. Sie wählen ihre Studentinnen und Studenten nach dem Notenschnitt, dem sozialen Engagement und verschiedenen Prüfungsinstitutionen aus. Wenn man diese Hürden geschafft hat, muss man allerdings einiges an Geld bereithalten. Das Studieren an einer Elite-Universität in Amerika oder England kostet Studiengebühren. Diese Gebühren liegen für Studierende aus der EU zum Beispiel in Oxford bei umgerechnet 12.000€ im Jahr.

Studiert man zum Beispiel Medizin, was sechs Jahre dauert, muss man knapp 72.000€ allein für Studiengebühren einrechnen. Hierbei sind Unterkunft und Verpflegung im teuren Oxford noch nicht mit eingerechnet. Natürlich gibt es die Möglichkeit, ein Stipendium zu ergattern und somit die Gebühren erstattet zu bekommen, doch das ist nur wenigen Glücklichen vorbehalten. Dennoch ist es für Studierende noch immer sehr attraktiv, an einer Elite-Universität zu studieren.

Diese verfügen über herausragende Forschungszentren und die besten Bedingungen für das Studium, von der Ausstattung der Bibliotheken bis hin zu den Professoren bei den Vorlesungen, hauptsächlich bezahlt von den Studiengebühren.

Wer sich hierzulande ein Studium an einer ausländischen Hochschule leisten will, könnte Glücksspiele ins Auge fassen. Mit etwas Glück kann man in einer Spielhalle nicht nur einen 50 Euro Casino Bonus ohne Einzahlung erhalten, sondern vielleicht sogar einen Jackpot knacken, der ein Studium an einer Elite-Uni möglich macht.

Die deutschen Universitäten im Vergleich
Deutschland hingegen geht nach einem ganz anderen Prinzip vor. Obwohl gerade zu Beginn der Exzellenzinitiative 2005 Studiengebühren verlangt wurden, konnten die sich langfristig nicht durchsetzen. Sie wurden aufgrund der massenhaften Proteste von Studierenden für das Recht auf kostenfreie Bildung wieder gekippt. Deutsche Universitäten beziehen ihr Geld daher seit eh und je durch Fördermittel aus der öffentlichen Hand, vor allem der Länder. Und die sind immer chronisch pleite. Wer in Deutschland in den 1990ern groß wurde, wird das zumindest in Ost und West gleichermaßen gehört haben.

Die Exzellenzinitiative sollte das jedoch ändern. Parallel mit der Entwicklung eines Wettbewerbs, der ausgewählten deutschen Hochschulen zusätzliche Fördermittel für ihre Forschung bringen sollte, wurde der Bachelor/Master eingeführt und die Universitäten wurden in ein Punkte-Programm umgebaut. Die Bologna-Reform ist bis heute umstritten, wurde jedoch umgesetzt. Und auch die Exzellenzinitiative, die einigen Universitäten den Stempel der Elite-Universität brachte, war heftig kritisiert worden, ist jedoch bis heute aktiv.

2019 fand die Neuvergabe der Exzellenzinitiative statt, in der sich elf Universitäten durchsetzen konnten. Diese Universitäten dürfen sich in den nächsten sieben Jahren als “Exzellenzuniversität” bezeichnen und erhalten Fördermittel von 10 bis 28 Millionen Euro im Jahr. Das Geld fließt vor allem in die Forschungseinrichtungen der Universitäten, die damit gefördert werden sollen.

Kritik an dem Konzept
Da der Wettbewerb um die Exzellenzinitiative ab 2019 von einem siebenjährigen Turnus auf eine langfristige Förderung umgewandelt wurde, hört man vielerorts Kritik an der Strategie. Diese kommt aus ganz unterschiedlichen Lagern. So sind ostdeutsche Hochschulen bei dem letzten Wettbewerb mehrheitlich leer ausgegangen. Stattdessen wurden alteingesessene Universitäten wie Heidelberg oder Tübingen ausgewählt. Der Jury, ein ausschließlich aus ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammengesetztes Gremium, kann man dabei keinen Vorwurf machen, schließlich hat sie sich nur das Ergebnis anschauen können.

Doch Kritikerinnen und Kritiker verlangen eben, auch die historische Dimension einer Hochschule zu beurteilen. Alteingesessene Universitäten wie Heidelberg werden sonst immer wieder durch den Vorteil von viel Geld gewinnen und kleine oder finanzschwache Unis werden leer ausgehen. Das Resultat: ostdeutsche Universitäten, Universitäten in Ballungszentren von finanzschwachen Ländern oder Ländern mit generell wenig Einwohnerinnen und Einwohnern, die unter Studierendenmangel leiden, werden in Zukunft weiter leer ausgehen, wenn die Forschungsgelder fehlen.

Da die bereits gut ausgestatteten Universitäten in Zukunft mit einer dauerhaften Förderung begünstigt werden, verstärkt sich das Auseinanderdriften der Universitäten noch und damit auch das Gefälle zwischen den einzelnen Ländern, Gemeinden und Städten. Leistungsstarke Studierende, die es sich aussuchen können, werden versuchen, an die Universitäten zu gehen, die den besten Ruf haben. So verstärkt sich die Kluft nur noch und schafft am Ende amerikanische Verhältnisse. Dort nämlich verarmen Universitäten, die nicht mit dem Elite-Universitäten-Stempel ausgezeichnet sind, da ihnen die Gelder gestrichen werden.

Ausblick auf die zukünftige Situation in Deutschland
Die Perspektive, dass wie im Ausland nur Wohlhabende an Elite-Universitäten studieren können, ist durch die Abschaffung der Studiengebühren in Deutschland vorerst verhindert worden. Auch die Qualität der Universitäten in Deutschland ist im Vergleich zum Ausland bei allen Institutionen sehr hoch. Doch die Idee, nur bestimmte Universitäten in Deutschland zusätzlich zu fördern, die ausgerechnet mehrheitlich in reichen Ländern zu finden sind, wird auf Dauer für Unmut sorgen, da es ganze Regionen in Mitleidenschaft ziehen kann.

Schließlich schaffen Universitäten Arbeitsplätze, bilden Fachkräfte aus, die wiederum Firmen anziehen, und sind wirtschaftliche Motoren für besonders strukturschwache Regionen, die nicht zu unterschätzen sind. Gerade das dauerhafte Fördern von bereits renommierten Universitäten wird dabei in Zukunft ein großer Streitpunkt bleiben.