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Finanzanalyse

Hypothese: Was würde es die EU kosten, wenn über Nacht alle Länder des Westbalkans beitreten?

Hypothese: Was würde es die EU kosten, wenn über Nacht alle Länder des Westbalkans beitreten?
(FOTO: iStock)
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Ein EU-Beitritt aller Westbalkanstaaten würde die Union jährlich weniger kosten als ein Kaffee pro Bürger. Die geopolitischen Vorteile überwiegen die überschaubaren Kosten.

Die finanziellen Auswirkungen eines EU-Beitritts aller Westbalkanstaaten würden die Union mit 46,6 Milliarden Euro belasten – umgerechnet 6,66 Milliarden Euro jährlich. Diese Summe stelle jedoch keineswegs eine Belastungsprobe für den EU-Haushalt dar, sondern vielmehr einen Test des politischen Willens zur Erweiterung. Dies geht aus der aktuellen Studie „Wie viel kostet mich der Westbalkan“ hervor.

Nach Abzug der erwarteten Beiträge der neuen Mitgliedstaaten in Höhe von 12,09 Milliarden Euro würden die Nettoausgaben bei 34,51 Milliarden Euro über sieben Jahre liegen – also 4,93 Milliarden Euro pro Jahr. Strahinja Subotic vom Zentrum für Europäische Politik, der die Studie gemeinsam mit Ana Milinkovic verfasst hat, veranschaulicht die Dimension: Die Bruttokosten entsprächen lediglich einer Erhöhung von 3,85 Prozent des aktuellen mehrjährigen Finanzrahmens, 0,0150 Prozent des jährlichen EU-Bruttonationaleinkommens und 5,29 Euro pro EU-Bürger – „der Preis für einen Kaffee mit Gebäck“.

Die Nettokosten würden sogar nur 3,23 Prozent des mehrjährigen Finanzrahmens, 0,0111 Prozent des jährlichen EU-Bruttonationaleinkommens und 3,92 Euro pro EU-Bürger und Jahr ausmachen. Subotic betont, dass diese Zahlen die geopolitische Notwendigkeit der Westbalkan-Erweiterung unterstreichen und deren finanzielle Machbarkeit für die EU und ihre Mitgliedstaaten belegen.

Wirtschaftliche Effekte

Während die Auswirkungen auf den EU-Haushalt begrenzt blieben, wären die positiven Effekte für die Beitrittsregion erheblich. Die Bruttozuwendungen würden eine Vervierfachung gegenüber den derzeitigen Ausgaben im Rahmen des Instruments für Heranführungshilfe (IPA III) von 12,2 Milliarden Euro bedeuten. Dies entspräche 4,48 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der Region.

Subotic unterstreicht das transformative Potenzial dieser Mittel, die die wirtschaftliche Konvergenz beschleunigen und langfristiges Wachstum fördern könnten. In seiner Analyse führt er weiter aus, dass unter Einbeziehung der Zuschüsse aus dem Next Generation EU-Instrument die Bruttozuweisungen für den Westbalkan nach dem Beitritt auf 63,58 Milliarden Euro steigen würden. Rechne man sowohl Zuschüsse als auch Darlehen ein, erhöhe sich dieser Betrag sogar auf 72,43 Milliarden Euro – das Szenario mit der größten fiskalischen Wirkung.

Serbiens Position

Der serbische Minister für europäische Integration, Nemanja Starovic, sieht in der Studie wichtige Argumente für alle Befürworter eines EU-Beitritts Serbiens und bekräftigt die Entschlossenheit seines Landes in dieser Frage. Zur Abwesenheit Serbiens beim EU-Westbalkan-Gipfel in Brüssel erklärt Starovic, dass die Haltung gegenüber den serbischen Reformergebnissen der letzten vier Jahre eine schlechte Botschaft an die Bürger Serbiens sende, antieuropäische Narrative befeuere und Reformkräfte in der Gesellschaft entmutige.

Er betont, nicht als Anwalt der EU zu agieren, sondern „serbische Interessen“ zu vertreten, und verweist auf fehlenden Konsens selbst innerhalb der Union. Der EU-Rat werde Anfang 2026 zur Entscheidung über Cluster 3 zurückkehren, so Starovic.

Er fügte hinzu, dass die Erweiterungsfrage nach längerer Zeit wieder an Aktualität gewinne und der EU-Beitritt auf tatsächlichen Verdiensten basieren müsse.

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