„Im Ring geht es um alles“

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„Im Ring geht es um alles“

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FOTO: Alexander Schuppich/KOSMO

Saša Jovanović (31) ist einer der erfolgreichsten Kickboxer Österreichs. Wir besuchten den Austro-Serben beim Training im Kampfsportcenter Tosan in der Taborstraße in Wien.

KOSMO: Du hast kürzlich das goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich bekommen. Was bedeutet diese Auszeichnung für dich?

Saša Jovanović: Es bedeutet mir sehr viel. Ich bin in Österreich geboren und habe serbische Wurzeln. Ich bin froh, dass ich Österreich mit meinen Leistungen etwas zurückgeben kann. Ich hoffe auch, dass es den österreichischen Kampfsport ein bisschen voranbringt.

Im Kickboxen und auch im Boxen gibt es in Österreich besonders viele Migranten. Muss man sich als Kind von Zuwanderern im Leben mehr durchschlagen?

Wir als Zuwanderer haben uns alles selbst erarbeiten müssen. Unsere Eltern haben Tag und Nacht gearbeitet, wir haben nichts geschenkt bekommen. Wir mussten uns mit allem zufriedengeben und alles miteinander teilen. Das prägt einen auch und bleibt in einem drinnen. Deshalb sind wir, wie ich meine, auch viel zielstrebiger – insbesondere im Kampfsport.

Was bedeutet dieser Sport für dich?

Er ist einfach ein Teil meines Lebens. Er hat mich geprägt und mir viel mitgegeben. So wie ein anderer Brot und Wasser braucht, brauche ich das. Wenn ich ein paar Tage nicht zum Training gehe, fühle ich mich schlecht. Ich habe vor 14 Jahren angefangen und war von Anfang an meine große Leidenschaft. Bis heute ist meine Motivation kein Stück weniger geworden. Sich im Ring zu messen, ist immer wie eine kleine Geschichte. Man muss jeden Tag an sich selbst arbeiten.

Wie verdient man sich Respekt im Ring?

Man kann so gut sein, wie man will, wenn man keinen guten Charakter hat, ist das egal. Respekt verdient man sich, durch harte Arbeit. Durch Ziele, die man sich in den Kopf setzt und dann erreicht. Wenn das die Leute, die sich für den Sport interessieren, mitterleben, dann hast du den Respekt.

Kickbocken ist ein sehr harter Sport. Darf man überhaupt so etwas wie Mitleid mit dem Gegner haben?

Im Ring selbst nicht. Aber es gab sicher schon Situationen, wo einem der Gegner leidgetan hat, weil er privat ein ganz lieber Mensch ist – man lernt sich ja auch vor dem Kampf kennen. Aber im Ring selber gibt es nur „er oder ich“. Da gibt es keinen Rückzug. Man schaltet komplett auf den Überlebensmodus.

Du hattest schon 94 Kämpfe mit 70 Siegen hinter dir. Was war dein bisher härtester Kampf?

Es gab viele harte Kämpfe. Einer meiner härtesten Kämpfe war nicht im Ring. Im Jahr 2013 habe ich das Dengue-Fieber bekommen, da habe ich gesehen, was es bedeutet, wirklich krank zu sein. Ich war damals zweimal im Jahr im Trainings-Camp in Thailand. Ich hatte einen großen Kampf gegen einen tailändischen Gegner, auf den ich mich vorbereiten wollte. Nach einer Woche im Camp wurde ich schwer krank. Ich war in Thailand und in Österreich im Spital – ich war insgesamt ein Jahr außer Gefecht. Jede Woche war ich zu Bluttests im Krankenhaus, es war das schlimmste Jahr meines Lebens. Aber ich bin wieder herausgekommen.

Das ist ein gutes Stichwort: Wie geht man als Kämpfer mit Niederlagen um?

Das ist immer schwierig. Man sagt immer, man muss ein guter Verlierer sein. Aber innerlich fühlt man sich leer und zerfressen. Es ist wirklich schwer sich aufzurappeln. Nur die, die wirklich stark sind, schaffen es auch wieder hochzukommen. Wenn man so ein Team hat, wie bei uns, ist das eine Hilfe. Wir stehen immer hinter einander, egal ob jemand gewinnt oder verliert. Darum sind wir auch in letzter Zeit sehr, sehr stark. Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren wirklich aufgeräumt und alles gewonnen. Wer sich in der Kampfsportszene auskennt, weiß Bescheid, wenn er „Tosan“ hört.

Welche Ziele hast du noch?

Ich möchte noch einige ganz große Kämpfe gegen die größten der Welt, und noch ein paar Titel einstecken. Irgendwann möchte ich selber meine eigene Schule aufmachen und meine eigenen Leute trainieren. Aber das hat alles noch Zeit…