Kroatiens Wirtschaft zeigt ein paradoxes Bild: Rekordwachstum beim Konsum trifft auf Spitzeninflation, während ausländische Lebensmittelproduzenten die größten Profiteure sind.
Kroatien verzeichnet derzeit eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung mit zwei Gesichtern: Das Land führt die Eurozone sowohl beim Preisanstieg als auch beim realen Konsum an. Laut aktuellen Eurostat-Daten stieg der Einzelhandelsumsatz im Juni um beachtliche 3,6 Prozent gegenüber dem Vormonat – der höchste Wert innerhalb der Eurozone. Im Jahresvergleich legte der Konsum sogar um 7,4 Prozent zu, wobei unter allen EU-Staaten nur Zypern ein noch stärkeres Wachstum erzielte.
Parallel dazu beschleunigt sich die Inflation bereits den dritten Monat in Folge. Im Juli teilte sich Kroatien mit der Slowakei die unrühmliche Spitzenposition bei der Teuerungsrate von 4,5 Prozent, wobei besonders die steigenden Lebensmittelpreise ins Gewicht fielen. Diese legten im Jahresvergleich um 6,6 Prozent zu – ein deutlicher Indikator für die problematische Abhängigkeit von ausländischen Produzenten. Diese Entwicklung – der vom Tourismusboom getriebene Konsumzuwachs einerseits und die durch Lebensmittelpreise angeheizte Inflation andererseits – spiegelt sich auch in den jüngsten Außenhandelsdaten des kroatischen Statistikamtes wider.
Verbesserte Handelsbilanz
Die Gesamtbilanz des Außenhandels fällt für Kroatien zunächst positiver aus als im Vorjahr: Die Exporte wuchsen im ersten Halbjahr um 6,3 Prozent und damit deutlich stärker als die Importe mit zwei Prozent Zuwachs. Die Importdeckung durch Exporte verbesserte sich von 54,4 auf 55,9 Prozent.
Doch ein genauerer Blick auf die Lebensmittelindustrie trübt dieses Bild erheblich. In diesem wichtigen Wirtschaftszweig übersteigt das Importwachstum weiterhin die Exportentwicklung, was zu einer sinkenden Deckungsrate führt – der Wert der eingeführten Lebensmittel übersteigt also zunehmend den Wert der Ausfuhren.
Die vom Statistikamt für die ersten fünf Monate veröffentlichten Branchendaten zeigen, dass die Exporte der heimischen Lebensmittelindustrie um 5,6 Prozent zulegten, während die Importe um 9,4 Prozent anstiegen. In absoluten Zahlen exportierte die kroatische Lebensmittelbranche Waren im Wert von 861,5 Millionen Euro, importierte jedoch gleichzeitig Produkte für 1,809 Milliarden Euro.
Verschärfung der Importabhängigkeit
Die Zahlen dokumentieren eine besorgniserregende Entwicklung: Die kroatische Lebensmittelbranche wird zunehmend abhängiger von ausländischen Produzenten. Diese Abhängigkeit hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschärft und zeigt keine Anzeichen einer Trendwende.
Ausländische Profiteure
Das bedeutet: Die Lebensmittelimporte übersteigen die Exporte um mehr als das Doppelte. Die Exporterlöse decken nur noch 47,62 Prozent der Importausgaben – im Vorjahr waren es noch über 50 Prozent. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass ausländische Lebensmittelhersteller zunehmend von den steigenden Preisen und dem wachsenden Konsum in Kroatien profitieren.
Der vom Sommertourismus angetriebene Konsumboom basiert somit zu einem erheblichen Teil darauf, dass Kroaten deutschen, ungarischen, polnischen oder italienischen Urlaubern Produkte verkaufen, die von den Lebensmittelindustrien genau dieser Länder hergestellt wurden. Die ausländischen Hersteller verdienen so an ihren eigenen Landsleuten selbst dann, wenn diese ihren Urlaub in Kroatien verbringen.
Die steigenden Lebensmittelimporte führen gleichzeitig zu höheren Preisen für die einheimische Bevölkerung. Besonders deutlich wird dies bei der überdurchschnittlichen Preissteigerung von 6,6 Prozent im Lebensmittelsektor, die deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegt.
Den größten Nutzen aus dieser Entwicklung ziehen letztlich ausländische Produzenten und Importeure.