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PUSHBACKS

Maskierte prügeln Migranten an bosnisch-kroatischer Grenze (FOTOS & VIDEOS)

(FOTO: Twitter-Screenshot)

Als Ergebnis einer langen internationalen journalistischen Untersuchung wurde kürzlich verstörendes Filmmaterial veröffentlicht, das maskierte Männer zeigt, die Migranten schlagen und sie an der bosnisch-kroatischen Grenze zurückdrängen.

Die Videos zeigen gewaltsame Pushbacks von Migranten über den Nebenfluss des Flusses Korana auf das Territorium von Bosnien und Herzegowina. Das gleiche Filmmaterial wurde vom niederländischen investigativen Journalismusnetzwerk Lighthouse Reports sowie einigen der bekannten europäischen Medien veröffentlicht, die ebenfalls an der Recherche beteiligt waren.

NGOs und Medien warnen schon seit langem
Die Aufnahme zeigt auch, wie einer der maskierten Männer “Go to Bosnia” ruft, nachdem er den Migranten mit einem Schlagstock geschlagen hat. Die Aufnahmen wurden im Juni im Rahmen einer achtmonatigen journalistischen Untersuchung gedreht. An der Investigation waren der RTL, Lighthouse Reports, SRF, ARD, Liberation, Dutch Pointer, Novosti und Spiegel beteiligt.

„Als wir in das Gebiet der sogenannten grünen Grenze, in der Nähe des Flusses Korana, nicht weit von Šturlić, kamen, mussten wir durch die Büsche kriechen und hörten dann auf der anderen Seite ein Auto auf Schotter fahren. Auf der kroatischen Seite der Grenze konnten wir die Schläge und Schreie der Leute hören, es war offensichtlich, dass eine Prügelei im Gange war. 20 Meter von uns entfernt sahen wir durch das Gebüsch vier maskierte Menschen, wie sie sie schlagen und in den Fluss zurückdrängen“, sagte der Aufdecker-Journalisten Klas van Dijken.

Verbindungen zur kroatischen Polizei?
Über Gewaltsame Abschiebungen, sogenannte Pushbacks, von kroatischem Boden berichteten bisher nicht nur Betroffene, sondern auch zahlreiche in- und ausländische Medien und alle nationalen und internationalen NGOs. Die maskierten Angreifer in diesem Video haben keine Markierungen auf ihren Uniformen. Allerdings handle es sich laut dem kroatischen Medium „Index“ um Teile jener Ausrüstung, über die die kroatische Einsatzpolizei verfügt.

„Wir haben das Filmmaterial sorgfältig überprüft und festgestellt, dass die Männer bestimmte Jacken trugen, die mit langen Ärmeln genäht waren. Wir kamen zum Schluss, dass es ungewöhnlich war, solche Jacken an einem warmen Sommertag zu tragen. Dann verglichen wir die Aufnahmen mit Fotos der offiziellen kroatischen Interventionspolizei. Es ist klar, dass es sich um genau die gleiche Art von Jacke handelt. Sie hat den gleichen Reißverschluss, die seitlichen Reißverschlüsse und das gleiche Nähmuster“, betonte van Dijken.

Der Journalist und seine Kollegen haben auch noch andere Details entdeckt, welche die Angreifer in Verbindung mit kroatischen Behörden bringen. Auch der Schlagstock, der bei den gewaltsamen Pushbacks verwendet wurde, sei der Interventionspolizei zuzuordnen.

Polizisten posten eindeutige Inhalte auf Social Media
„Einige von uns verfolgen seit Jahren die Instagram- und Facebook-Profile öffentlicher Polizisten, sodass wir sicher sein können, dass sie bei der Polizei arbeiten. Wir haben alle angeschrieben, die wir durch öffentlich zugängliche Quellen eindeutig identifizieren konnten”, sagte Nicole Vegel von der SRF Rundschau.

Die Suche nach Quellen bei der kroatischen Polizei sei anfangs sehr schwierig gewesen, fügte sie hinzu. Journalisten stießen auf eine “Mauer des Schweigens”, wie sie es nannte. Doch nach einiger Zeit gelang es ihnen, Kontakt aufzunehmen. Einer der Polizisten gab Einblicke in seine Arbeit an der Grenze:

Laut ihm gebe es keine offizielle behördliche Anordnung zu Pushbacks. Intern werde jedoch angeordnet, dass in Kroatien gefundene Migranten über die „grüne Grenze“ zurückgeführt werden müssen. „Alles kommt vom Innenministerium. Und Sie sehen an den zahlreichen Vergehen, die nicht strafrechtlich verfolgt werden, dass eine Vertuschung im Gange ist”, schrieb die Kontaktperson.

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