„Richtiger Österreicher“: Geburtsort unwichtig, „hiesig sein“ erforderlich

WERTESTUDIE

„Richtiger Österreicher“: Geburtsort unwichtig, „hiesig sein“ erforderlich

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Wertestudie-Österreich
(FOTO: iStockphoto)

Die Ergebnisse der Europäischen Wertestudie 2018 unter der Leitung von Univ.-Prof. Mag. Dr. Sylvia Kritzinger zeigen, dass man heute schneller als Österreicher akzeptiert wird, als das noch vor 30 Jahren der Fall war.

Noch rund um 1990 hätte man einen Österreicher wie folgt beschreiben können: Er möchte keine Homosexuellen als Nachbarn, akzeptiert nur Menschen mit österreichischen Vorfahren als richtige Österreicher und Arbeit stellt das zentralste Thema des Lebens dar. Heute sieht man diese Dinge etwas anders. Die LGBT-Community wird nicht mal als unerwünschter Nachbar gesehen, die Freizeit hat einen viel größeren Stellenwert und ein Österreicher muss nicht zwingend hier geboren sein.

„Den typischen Österreicher gibt es nicht“, erklärte Sylvia Kritzinger und fügte hinzu, dass die Ergebnisse der Studie darauf schließen lassen, dass Österreich im Denken der Bewohner immer mehr ein Einwanderungsland wird.

Ab wann wird man Österreicher?
Auch bei der diesjährigen Studie wurde danach gefragt, welche Kriterien entscheidend seien, um wirklich Österreich zu sein. Vor rund 10 Jahren war es drei Viertel der Teilnehmer wichtig, in Österreich geboren zu sein. Heute gaben dies nur noch 50 Prozent der Befragten an. Auch österreichische Vorfahren sind heute diesbezüglich viel weniger wichtig, als dies noch 2008 der Fall war.
„Wir sind im Prinzip ein inklusiveres Land geworden. Wer gewisse Spielregeln einhält, kann als echter Österreicher gelten“, erklärte der Co-Autor Julian Aichholzer gegenüber dem „Kurier“.

Druck auf Migranten groß
Trotz der positiven und weltoffenen Tendenzen zeigte die Wertestudie, dass 75 Prozent der Befragten in der Migration eine Belastung für das Sozialsystem sehen. Auch die Angst vor Kriminalität in Verbindung mit Migration ist weiterhin sehr hoch.

„Der Wunsch, dass sie sich an die Gesetze halten, unsere Institutionen, Bräuche und Werte akzeptieren sowie die Sprache lernen, ist im Vergleich zu den Vorjahren sogar gestiegen“, so Aichholzer weiter. Nichtsdestotrotz steigt der Druck auf Zuwanderer, sich anzupassen immer mehr. Die ethnischen Aspekte, wie Geburtsland, Herkunft der Vorfahren und ähnliches werden immer unwichtiger. Gleichzeitig sorgten die politischen Diskussionen über Wertekurse und Sprachkurse für höhere Anforderungen in diesem Bereich.

Kurz gesagt könnte man zusammenfassen, dass laut Studienergebnissen der Durchschnittsösterreicher der Meinung ist, dass jeder, der wie die Hiesigen denkt und spricht ein Österreicher ist.

Ökonomischer Aspekt
Auch die Wirtschaft spielt eine große Rolle, wenn es die Akzeptanz von Zuwanderern in Österreich geht. Die Studienautoren sind sich sicher, dass sich immer mehr Österreicher nun im Klaren darüber seien, dass „das Land ohne Migranten stillstehen würde“. „Wer keinen ökonomischen Beitrag zur Gesellschaft leistet, wird weniger akzeptiert“, erklärte Sylvia Kritzinger.

Mehr Informationen zur Studie findet ihr hier: Europäische Wertestudie (EVS)