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RECHTS- UND FINANZLAGE

Warum Österreichs Pokercasinos dem Ende bevorstehen

Mit Beginn des neuen Jahres könnten die Optionen, um Poker zu spielen, in Österreich deutlich rarer werden. Dann nämlich schließen die CCC- Filialen und Poker gibt es noch in den Austria-Casinos oder im Internet. (FOTO: pixabay.com © ToNic-Pics (CC0 Public Domain)

„Mit Abschluss des Jahres könnten Österreichs Concord Card Casinos (CCC) endgültig vor dem Aus stehen. Grund ist die auslaufende Pokerlizenz, zudem ist das Unternehmen insolvent“, schreibt Ralf Schmidt von onlinecasinosdeutschland.com. Was hinter dieser jüngsten Meldung steckt, verrät dieser Beitrag.

Verunsicherung macht sich breit. Was passiert mit den 12 CCC-Unternehmen?

Es ist das, was kein Unternehmen braucht, aber das doch so viele überstehen müssen: die Unsicherheit. Einerseits wimmeln nur so die Meldungen durch die österreichische Presse, dass das Pokerparadies des Landes sich vor dem Aus befinden soll, andererseits will Chef Peter Zanoni eigentlich nicht die Segel streichen. Eigentlich heißt in diesem Fall aber auch: Angeblich soll er bereits mit Angestellten gesprochen haben, dass die Ära des CCC zum Jahresende zu Ende sei. Auf dem Spiel stehen dabei die Jobs von insgesamt 600 Mitarbeitern. Die Schließung dieses Casinos geht für viele einher mit dem Untergang der österreichischen Pokerszene – und das nicht zu unrecht.

Peter Zanoni betreibt nämlich nicht nur ein Casino. Elf Unternehmen firmieren unter dem Namen Concord Card Casino – in Klagenfurt, in Braunau, in Salzburg, in Gmunden, in Linz, in Kufstein, in Innsbruck, in Höfen/Reutte, in Ischgl, in Bregenz, in der Wiener Neustadt sowie drei weiteren Casinos in Wien. Auch das Montesino in Wien gehört Zanoni, auch wenn es einen anderen Namen trägt. Insbesondere die Filialen in Wien sind weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Bekannte internationale Gäste pilgern dorthin, zudem wurden dort bereits namhafte Poker-Turniere ausgetragen: die World Poker Tour und die European Poker Tour. Erst kürzlich fanden noch die Satellites sowie ein Teil der Concord-Million-Turniere dort statt.

Die Rechts- und die Finanzlage machen den CCC-Unternehmen das Leben schwer

Der Grund für das Aus der Casinokette sei die rechtliche Situation, die ab 2020 in Österreich gilt. Demnach darf Poker nur noch in Casinos mit Lizenz gespielt werden. Der Grund: Poker fiel lange Zeit nicht in die Kategorie des Glücksspiels. Zum Betrieb eines Casinos war nur ein Gewerbeschein nötig. Auf dem Weg zu einer neuen rechtlichen Regelung wurde viel getestet. Sogar die Ausgabe von Lizenzen wurde diskutiert. Doch umgesetzt wurde sie nicht. Stattdessen gibt es seit 2014 eine Novelle des Glücksspielgesetzes inkl. einer Übergangsfrist bis Ende 2019. Im März hieß es unter kurier.at: „Für die rund 400.000 Pokerspieler in Österreich heißt das, dass sie künftig nur noch im Internet oder in den konzessionierten Spielbanken ihrer Leidenschaft nachgehen können.“

Freunde des Pokerspiels müssen künftig in die Austria-Casinos gehen – oder online pokern. (FOTO: pixabay.com © MasterTux (CC0 Public Domain)

In der Folge bedeutet das auch: Die Lizenzen gibt es künftig in den Casinos unter der Marke Austria, in denen das Pokerspiel bis dato noch nicht richtig anlaufen wollte. In den 12 Casinos unter dem Markenlabel Austria soll künftig Poker gespielt werden dürfen – und zwar nur dort. Casinos der Kette gibt es in Baden, in Bregenz, in Graz, in Innsbruck, in Kitzbühel, im Kleinwalsertal, in Linz, in Salzburg, in Seefeld, in Velden, in Wien und in Zell am See.

Austria-Casinos erhalten Monopolstellung. Zanoni rebelliert

Aus den Reihen der Unternehmensführung heißt es unter casinos.at: Die 12 Casinos „haben sich über die Jahre als touristische Leitbetriebe mit einem hohen Maß an regionaler Wertschöpfung etabliert und ziehen BesucherInnen aus dem In- und Ausland an. Als Unterhaltungs- sowie Veranstaltungslocation sind sie nicht mehr wegzudenken.“ An 364 Tagen im Jahr sei der Glücksspielbetrieb eben dort in vollem Gange. Nur am Heiligen Abend gönnen sich Betriebe und Mitarbeiter eine Auszeit. Jährlich steuern rund drei Millionen Besucher die Casinos an. Mehr könnten es durch die Schließung der CCC-Unternehmen werden, denn in einigen Orten sind aktuell noch Filialen beider Unternehmen geöffnet. Künftig, ab 2020, sollen die Pokerfreunde nur noch in den Austria-Casinos zocken können.

Doch genau gegen diese Monopolstellung will Zanoni vorgehen, hieß es im November im Rahmen einer Pressekonferenz. Sein Ziel: Kurzfristig soll die Übergangsfrist verlängert werden. Das könnte dem Unternehmer Zeit verschaffen. Langfristig setzt Zanoni auf eine neue Glücksspielgesetzgebung im Land. Platziert hat er diese Planungen bereits beim Verfassungsgericht. Der nächste Schritt sieht den Einspruch beim Europäischen Gerichtshof vor. Zumindest vor dem Verwaltungsgerichtshof ist Zanoni kein unbeschriebenes Blatt, hat er doch die juristischen Auseinandersetzungen der jüngsten Vergangenheit ebendort verloren.

Zanoni chancenlos – nicht zuletzt auch wegen hoher Schulden

Und als wären die Rechtstreitigkeiten noch nicht genug, muss Zanoni auch noch mit finanziellen Hürden kämpfen, die de facto vom Unternehmer nicht zu stemmen sind. Bereits im Mai berichtete die Presse vom Konkursverfahren, das der Alpenländische Kreditorenverband eröffnet habe. Untilgbar sei die Steuerschuld von 203 Millionen Euro mit einem Bankguthaben, das lediglich einen Bruchteil dieser Schulden decken könnte. Finanzexperten sprechen in diesem Zusammenhang von einer negativen Eigenkapitalquote und einem Bilanzverlust von 131,23 Millionen Euro im Jahr 2017.

Auch die Insolvenz ist für Zanoni kein neues Gefühl. Auch die CBA Spielapparate- und Restaurationsbetriebs GmbH habe er finanziell an die Wand gefahren. In puncto Schuld hat Zanoni übrigens eine verschobene Wahrnehmung, denn der Unternehmer sieht sich als Opfer der Abgabenwirtschaft.