„Wichtig ist die Kultur, die Politik & die Sprache des Staates zu...

INTEGRATIONSBOTSCHAFTER

„Wichtig ist die Kultur, die Politik & die Sprache des Staates zu kennen.“

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FOTO: KOSMO/Radule Božinović

INTEGRATION. Dass eine ausländische Herkunft bei der Eingliederung in die Gesellschaft kein Hindernis, sondern ein Vorteil ist, beweisen unsere Integrationsbotschafter. Ihre Wege nach und in Österreich waren steinig, aber heute sind sie Beispiele für den Erfolg, die diese Auszeichnung verdient haben.

In unserer fünf-teiligen Serie stellen wir Ihnen unsere Integrationsbotschafter vor. Last but not least: Indira Hrapović – Sportwissenschaftlerin und Inhaberin des ersten authentischen Pilates-Studios im westlichen Österreich.

Der Begriff „Integration“ ist vielen nicht ganz klar. Sind Sie integriert, wenn Sie perfekt Deutsch sprechen, Karriere machen und die hiesigen Gebräuche übernehmen, auch wenn Ihre Wurzeln außerhalb Österreichs liegen? Oder bedeutet Integration etwas anderes? Die Praxis war schon immer klarer als die Theorie. Darum geben Menschen, die hier geboren wurden oder vom fernen Balkan zugewandert sind, mit ihren eigenen Beispielen die beste Antwort auf diese Frage. Einige kamen einst als Kinder mit ihren Eltern, andere wurden schon hier geboren. Die Gründe sind unterschiedlich, aber was sie heute verbindet, ist Österreich, das zu ihrer neuen Heimat geworden ist.

Sie sprechen ihre Muttersprache mit der gleichen Leichtigkeit wie Deutsch, mögen Ćevapi ebenso gerne wie Wiener Schnitzel und verstehen den balkanischen Humor genauso gut wie den österreichischen Schmäh. Sie ziert ein temperamentvoller, balkanischer Geist, aber sie sind doch genau das, als was sie sich fühlen – Teil der österreichischen Gesellschaft. Darum sind Sie auch Botschafter der Integration. Dieses Projekt wurde 2011 im Zuge von „Zusammen Österreich“ von dem damaligen Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz gegründet, um Vorurteile gegenüber Migranten zu bekämpfen und Motivation zu entwickeln. Seitdem arbeitet ein Team des Integrationsfonds (ÖIF) daran, vorbildlich integrierte und erfolgreiche Menschen mit Migrationshintergrund zu finden und ihnen den Titel „Integrations-Botschafter“ zu verleihen. Diese klangvolle Auszeichnung bringt auch Verantwortung und Pflichten mit sich, und zwar Besuche in Schulen und Vereinen und bei verschiedenen Veranstaltungen, wo die Botschafter ihre Lebenserfahrung teilen und damit zeigen, dass alles möglich ist, auch wenn jemand Migrationshintergrund hat, solange er nur an sich arbeitet und an sich glaubt.

Bisher gibt es über 360 Integrationsbotschafter aus 67 Ländern, die aktiv an diesem Projekt mitarbeiten. Sie haben mit über 50.000 Schülern in ganz Österreich über die Themen Integration, Migration und Vorurteile diskutiert. Auf diese Weise überwinden sie Vorurteile gegenüber Migranten, aber sie zeigen den jungen Menschen auch deutlich, welche Bildungs- und Karrierechancen sie haben. Die Integrationsbotschafter beweisen mit ihrer Persönlichkeit und ihrer Leistung, dass eine andere, ausländische Herkunft für die gesellschaftliche Inklusion kein Hindernis sein muss, sondern auch ein Vorteil sein kann. Diese so vorbildlich integrierten und erfolgreichen Menschen sind nicht nur unsere Botschafter und unser Stolz, sondern auch ein Modell, an dem man sich orientieren sollte. KOSMO hatte die Ehre, mit ihren Exzellenzen zu reden und sie einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.

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Die ganze Welt sprach in den vergangenen Monaten über die zahlreichen Flüchtlingswanderungen. Wie der jetzige Stand der Dinge ist und warum wir uns von einer Krise weit entfernt befinden, erzählte uns der Wiener Flüchtlingskoordinator und Geschäftsführer des Fonds Soziales Wien Peter Hacker im Interview.

 

Indira Hrapović
Sportwissenschaftlerin und Inhaberin des ersten authentischen Pilates-Studios im westlichen Österreich

Auf die Frage nach ihrer Herkunft erwidert die geborene Montenegrinerin lachend, dass sie Jugoslawin sei. Indira (46) brachte tatsächlich die Liebe nach Österreich. Einerseits die zu ihrem Mann und andererseits die zu den Alpen, denn sie war Skirennprofi, d.h. sie fuhr für das montenegrinische Nationalteam. Als sie hierherkam, sprach sie die Sprache nicht und spürte bald, wie unangenehm es ist, sich nicht ausdrücken zu können. Darum gab sie Gas: sich selbst und ihren Kindern zuliebe. Obwohl sie das Staatliche Institut für Leibeserziehung in Sarajevo abgeschlossen hatte, absolvierte sie, nachdem sie genügend Deutsch konnte, neben ihren beiden Kindern noch ein Magisterstudium der Naturwissenschaften an der Universität Salzburg. Und parallel dazu verlief ihre erfolgreiche Integration. Was also ist ihr Rezept? „An sich selbst zu glauben. Keine Angst vor Veränderungen zu haben“, verrät uns Indira.

„Integration bedeutet für uns Zuwanderer, dass wir die Kultur, ein wenig auch die Politik und die Sprache des Staates kennenlernen, in dem wir leben. Und wenn wir das alles kennen, dann fühlen wir uns wie zu Hause.“

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