Start NEWS PANORAMA Wiener Ökonom: „Man hätte Jugoslawien beibehalten sollen“
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Wiener Ökonom: „Man hätte Jugoslawien beibehalten sollen“

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Zwar sei der Zerfall Jugoslawiens politisch nicht zu verhindern gewesen, aber wirtschaftlich wäre es besser gewesen, Jugoslawien zu bewahren. Das sagt meint zumindest der Ökonom Mario Holzner vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche.

„Es wäre für alle Länder ein Vorteil gewesen, für Slowenien und Kroatien besonders“, so Holzner auf die Frage, wie sich ein reformiertes Jugoslawien in den vergangenen drei Jahrzehnten wirtschaftlich entwickelt hätte. So seien etwa slowenische Banken oder die kroatische Tankstellenkette INA im gesamten Jugoslawien tätig gewesen seien. „Innerjugoslawisch waren Slowenien und Kroatien die Technologieführer. Jetzt ist etwa Kroatien in der EU am anderen Ende angesiedelt.“ Doch ausgerechnet Slowenien und Kroatien hatten Jugoslawien vor 30 Jahren als erste den Rücken gekehrt.

30 Jahre nach dem Ende Jugoslawiens sind Slowenien und Kroatien weiterhin die wohlhabendsten früheren Teilrepubliken. Allerdings schrumpf ihr Vorsprung auf die restlichen Ex-YU-Staaten immer weiter. Auch die Finanz- und Coronakrise schlug sich bei den beiden Ländern sehr stark nieder. Demgegenüber kamen die anderen Ex-Yu-Staaten Serbien, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina und Kosovo vergleichsweise besser durch die Krise.

Aktuell liegen Slowenien und Kroatien bei 70 bzw. 51 Prozent des österreichischen Wirtschaftsniveaus. Montenegro, Serbien und Nordmazedonien erreichen rund ein Drittel, Bosnien-Herzegowina ein Viertel und der Kosovo ein Fünftel des österreichischen BIP pro Kopf. Den vergleichsweise größten Satz nach vorne hat in den vergangenen 20 Jahren Montenegro gemacht, das sich auf den Tourismus spezialisiert hat – von 21 auf 36 Prozent des österreichischen Wirtschaftsniveaus.

Während Montenegro auf den Tourismus setzt, haben andere Länder wie Serbien oder Nordmazedonien hingegen „nicht ganz unerfolgreich“ auf die Stärkung ihrer Industrie gesetzt. Aufgrund der Coronakrise könnte das der Region einen wirtschaftlichen Schub bescheren und die Abhängigkeit von Produzenten in Ostasien verringern, so Holzner.

Aber: „Von einem EU-Beitritt würden alle profitieren“, betonte Holzner. Schließlich seien die Heimmärkte der Staaten Ex-Jugoslawiens so klein, dass Produktivitätszuwächse nur bei Zugang zu einem größeren Markt möglich seien. Es wäre aber „verlorene Zeit“, wenn man die Staaten jetzt „bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag“ auf eine EU-Vollmitgliedschaft warten lasse. Vielmehr solle es einen „differenzierten Beitritt“ geben, sagt Holzner und meint damit die Teilnahme am gemeinsamen EU-Markt zu ermöglichen. Jugoslawien sei als „gemischte Wirtschaft“ mit einer offenen Migrationspolitik besser dran gewesen als die Länder des kommunistischen Ostblocks es heute sind.

Quellen und Links:

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