Gut jeder fünfte Mensch in der EU ist von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Neue Eurostat-Daten zeigen große regionale Unterschiede. Auch in Österreich betrifft das Risiko rund 1,7 Millionen Menschen.
In der Europäischen Union waren 2025 insgesamt 92,7 Millionen Menschen beziehungsweise 20,9 Prozent der Bevölkerung armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das geht aus einer Auswertung der europäischen Statistikbehörde Eurostat hervor, die am 16. Oktober anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung der Armut veröffentlicht wurde.
Wie stark Menschen betroffen sind, unterscheidet sich innerhalb der EU erheblich. In einigen Regionen liegt die Quote unter 13 Prozent, in der französischen Überseeregion Französisch-Guayana ist hingegen mehr als die Hälfte der Bevölkerung gefährdet.
Armutsgefährdung in Österreich: Rund 1,7 Millionen Menschen betroffen
Auch Österreich ist von diesen sozialen Risiken betroffen: Nach den revidierten Ergebnissen von Statistik Austria waren 2025 18,6 Prozent der Bevölkerung in Privathaushalten armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Das entspricht rund 1,7 Millionen Menschen. Österreich liegt damit unter dem EU-Durchschnitt von 20,9 Prozent.
Eine wichtige Kennzahl ist die Armutsgefährdungsschwelle. Für einen Einpersonenhaushalt betrug sie 2025 1.827 Euro netto monatlich, berechnet als ein Zwölftel des verfügbaren Jahreseinkommens. Dazu zählen neben Erwerbseinkommen auch Pensionen und Sozialleistungen. Die Schwelle beschreibt die einkommensbezogene Armutsgefährdung, einen Teil des umfassenderen Armuts- oder Ausgrenzungsrisikos.
Große Unterschiede zwischen den EU-Regionen
Von den 243 Regionen, für die Eurostat Daten auswertete, verzeichneten 24 eine Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdungsquote von mindestens 31,5 Prozent. Hohe Werte finden sich insbesondere in Teilen Süd- und Osteuropas sowie in französischen Überseegebieten. Allerdings gehören auch die Hauptstadtregion Brüssel und das deutsche Bundesland Bremen zu dieser Gruppe.
Den höchsten Anteil meldete Französisch-Guayana mit 54,8 Prozent. Dahinter folgen die süditalienischen Regionen Kalabrien mit 45,3 Prozent und Sizilien mit 44,0 Prozent.
Am anderen Ende der Skala liegen ebenfalls 24 Regionen mit Quoten unter 13 Prozent. Dazu zählen die Regionen Bratislava, Prag und Budapest, die Hauptstadtregion Warschau sowie die Stadt Zagreb. Die Ergebnisse zeigen: Auch innerhalb einzelner EU-Staaten können die Lebensbedingungen deutlich auseinanderliegen.
Was „armuts- oder ausgrenzungsgefährdet“ bedeutet
Der EU-Indikator erfasst Menschen, auf die mindestens eines von drei Kriterien zutrifft: ein vergleichsweise niedriges Haushaltseinkommen, erhebliche materielle und soziale Entbehrungen oder das Leben in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsintensität. Wer mehrere Kriterien erfüllt, wird in der Gesamtzahl nur einmal gezählt.
Armutsgefährdung bedeutet daher nicht automatisch akute materielle Not. Die einkommensbezogene Grenze liegt bei 60 Prozent des mittleren, nach Haushaltsgröße gewichteten verfügbaren Einkommens des jeweiligen Landes. Sie ist somit von Staat zu Staat unterschiedlich.
Die Quoten zeigen soziale Risiken, erlauben aber keinen direkten Vergleich der verfügbaren Geldbeträge oder der Kaufkraft.