Oberösterreich rutscht bei der medizinischen Versorgung auf den letzten Platz. Mit nur 67 Kassenärzten pro 100.000 Einwohner wächst die Versorgungslücke dramatisch.
Ein neues Daten-Tool der Arbeiterkammer Oberösterreich bringt alarmierende Zahlen zur Gesundheitsversorgung ans Licht. Das kürzlich vorgestellte Dashboard ermöglicht erstmals einen transparenten Blick auf die Versorgungslage im Bundesland. „Die Menschen haben ein subjektives Empfinden unser Gesundheitssystem betreffend. Nun gibt es die objektive Basis dazu“, erklärt AK-Präsident Andreas Stangl bei der Präsentation.
Die Auswertung der Daten zeichnet ein besorgniserregendes Bild: Mit nur 67 Kassenärztinnen und -ärzten pro 100.000 Einwohner belegt Oberösterreich den letzten Platz im Bundesländervergleich. Der österreichische Durchschnitt liegt bei 75 Medizinern. Besonders alarmierend ist der Negativtrend – noch 2017 verfügte das Bundesland über 76 Kassenärzte pro 100.000 Menschen.
Die Versorgungslücke wächst kontinuierlich. Zum 1. Juli 2025 verzeichnet Oberösterreich 47 unbesetzte Kassenarztstellen – mehr als doppelt so viele wie noch 2018, als lediglich 19 Positionen vakant waren. Auch bei der stationären und ambulanten Krankenhausversorgung rangiert das Bundesland laut den Dashboard-Daten im unteren Drittel.
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Wachsende Unzufriedenheit
Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung nimmt zu. Aktuell äußern sich nur noch 44 Prozent der befragten AK-Mitglieder positiv über die Gesundheitsversorgung – ein Rückgang um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. „Von der Champions League sind wir im Gesundheitssystem weit entfernt“, konstatiert Stangl. Die häufigsten Beschwerden betreffen den Mangel an Hausärzten und die langen Wartezeiten für operative Eingriffe.
Der AK-Präsident findet deutliche Worte zur aktuellen Situation: „Das ist untragbar. Menschen zahlen ihre Versicherungsbeiträge und finden dann keinen Hausarzt oder müssen monate- oder sogar jahrelang auf Operationen warten.“ Stangl verweist auf konkrete Fälle von Patienten, die aufgrund verzögerter Knieoperationen ihre Arbeitsstelle verloren haben, da sie nicht voll einsatzfähig waren.
Konkrete Forderungen
Als Lichtblick wertet die Arbeiterkammer die Entwicklung bei den Primärversorgungseinheiten. Mit Oktober sind bereits 19 PVE-Modelle in Oberösterreich in Betrieb, bis 2030 sollen 14 weitere folgen.
Die Arbeiterkammer richtet klare Forderungen an Landespolitik und Österreichische Gesundheitskasse: dringende Nachbesetzung offener Kassenarztstellen, Einführung eines Rechtsanspruchs auf allgemeinmedizinische Versorgung, Verkürzung der OP-Wartezeiten sowie verbesserte Arbeitsbedingungen im Gesundheits- und Pflegebereich.
Kritisch äußert sich Stangl zur Expertenkommission, die den Fall einer verstorbenen Patientin aus Rohrbach in Oberösterreich untersuchen soll.
„Wer in dieser Kommission vertritt die Interessen der Patienten und Patientinnen? Ich bin nicht zuversichtlich, dass da was Sinnvolles rauskommt.“