Verbrennung oder Erhitzung – dieser Unterschied rückt zunehmend in den Fokus von Behörden und Forschungsinstituten weltweit.
Einzelne Expertenstimmen aus verschiedenen Teilen der Welt deuten darauf hin, dass ein vollständiger Umstieg von der klassischen Zigarette auf IQOS für erwachsene Raucher, die dem Tabak nicht gänzlich abschwören wollen, möglicherweise eine günstigere Wahl hinsichtlich der Schadstoffbelastung darstellen könnte. Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Produkten liegt im Verbrennungsprozess – oder genauer gesagt: in dessen Fehlen. Beim herkömmlichen Rauchen verbrennt Tabak bei hohen Temperaturen und erzeugt dabei Rauch, der eine Vielzahl chemischer Verbindungen enthält.
IQOS hingegen erhitzt den Tabak laut Hersteller lediglich und erzeugt so ein Aerosol – was sich, der Theorie nach, auch in einer anderen Zusammensetzung der Emissionen niederschlagen sollte. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erneuerte am 17. April 2026 ihre Genehmigung für die Aussage, dass ein vollständiger Umstieg die Exposition gegenüber zahlreichen schädlichen und potenziell schädlichen Chemikalien reduzieren könnte. Nach neuerlicher wissenschaftlicher Prüfung billigte die Behörde für fünf konkrete IQOS-Produkte die Kommunikation, dass das System Tabak ohne Verbrennung erhitzt und dadurch die Entstehung zahlreicher schädlicher Chemikalien deutlich verringert.
Wissenschaftliche Befunde
Auch die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) halten fest, dass Emissionen erhitzter Tabakprodukte generell niedrigere Werte schädlicher Bestandteile aufweisen als der Rauch gewöhnlicher Zigaretten. Gleichzeitig enthält das Aerosol weiterhin Nikotin und andere Substanzen – weshalb ein möglicher Vorteil stets im Vergleich zum fortgesetzten Rauchen betrachtet werden muss, nicht als Freifahrtschein für einen risikolosen Konsum. Die FDA verweist zudem auf wissenschaftliche Untersuchungen, die eine signifikante Reduktion der Schadstoffbelastung im Körper zeigen, wenn ein erwachsener Raucher Zigaretten vollständig durch IQOS ersetzt.
Dr. Harry Tattan-Birch, leitender Forscher und Statistiker am Department für Verhaltenswissenschaften und Gesundheit des University College London, zeichnete als Hauptautor für den einschlägigen Cochrane-Review über erhitzten Tabak verantwortlich. Sein Team gelangte zu dem Schluss, dass die gemessenen Giftstoffwerte bei Nutzern erhitzter Tabakprodukte wahrscheinlich niedriger sind als bei jenen, die zur Zigarette greifen – wenngleich weitere unabhängige und langfristige Forschung unerlässlich bleibt. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt eine von Public Health England in Auftrag gegebene Evidenzanalyse: Verfügbare Daten legen nahe, dass erhitzte Tabakprodukte Nutzer wahrscheinlich geringeren Mengen an Partikeln und schädlichen Verbindungen aussetzen als Zigaretten.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin verglich die Emissionen erhitzter Tabakprodukte mit herkömmlichem Zigarettenrauch und stellte dabei 80 bis 95 Prozent weniger Aldehyde sowie 97 bis 99 Prozent weniger flüchtige organische Verbindungen fest. Japanische Forscher des Nationalen Instituts für öffentliche Gesundheit in Tokio untersuchten IQOS ebenfalls und stellten in den Emissionen niedrigere Werte mehrerer schädlicher Bestandteile fest, darunter Kohlenmonoxid und bestimmte tabakspezifische Nitrosamine. Ergänzend liefern Biomarkerstudien ein differenzierteres Bild: Der erwähnte Cochrane-Review umfasste zehn Studien mit insgesamt 1.959 Teilnehmern und bestätigte, dass die gemessenen Giftstoffwerte bei Nutzern erhitzter Tabakprodukte wahrscheinlich unter jenen von Zigarettenrauchern liegen.
Vollständiger Umstieg
Ein wesentlicher Vorbehalt betrifft den sogenannten Mischkonsum: Wer tagsüber IQOS verwendet, aber zwischendurch dennoch zur Zigarette greift, bleibt weiterhin dem Rauch und den Verbrennungsprodukten ausgesetzt. Jene Studien, die IQOS am günstigsten bewerten, beziehen ihre Ergebnisse ausnahmslos auf den vollständigen Umstieg – also auf eine Situation, in der die Zigarette endgültig aus dem Alltag verschwindet. Die CDC warnt ausdrücklich davor, dass die parallele Verwendung mehrerer Tabakprodukte die Nikotinabhängigkeit aufrechterhalten und die mit dem Rauchen verbundenen Gesundheitsrisiken nicht verringern kann.
An dieser Stelle ist eine begriffliche Unterscheidung wichtig: Reduzierte Exposition und reduziertes Gesundheitsrisiko sind nicht deckungsgleich. Ersteres lässt sich heute direkt messen – für Letzteres bedarf es Langzeitstudien, die große Nutzerzahlen über viele Jahre begleiten. Genau deshalb beschreiben Experten den möglichen Vorteil von IQOS derzeit präziser als das Ausbleiben von Verbrennung und eine potenziell geringere Exposition gegenüber zahlreichen Schadstoffen – nicht als bewiesene Risikoreduktion für konkrete Erkrankungen.
Eine im Mai 2023 veröffentlichte Zusammenfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu erhitzten Tabakprodukten hält fest, dass es zum damaligen Zeitpunkt keine ausreichenden Daten gibt, um das langfristige Gesundheitsrisiko – einschließlich Herz‑Kreislauf-Erkrankungen und Krebs – für Nutzer von Produkten wie IQOS im Vergleich zu Zigaretten verlässlich zu beurteilen. Ein im September 2025 publiziertes systematisches Review zu den kardiovaskulären Effekten erhitzter Tabakprodukte kommt nach Auswertung von fünf Studien mit insgesamt 460 Teilnehmern zu dem Ergebnis, dass die akute Exposition gegenüber erhitzten Tabakprodukten – einschließlich IQOS – hämodynamische und vaskuläre Veränderungen wie Blutdruck‑ und Gefäßreaktionen hervorruft, die vergleichbar mit jenen konventioneller Zigaretten sind, und dass bislang keine mittelfristigen oder langfristigen klinischen Endpunkte zu Herz‑Kreislauf-Erkrankungen untersucht wurden.
Die Weltgesundheitsorganisation hält dazu fest, dass bestimmte Giftstoffe im Aerosol erhitzter Tabakprodukte in niedrigeren Konzentrationen vorliegen als im Zigarettenrauch – wenngleich bei einzelnen Bestandteilen der Unterschied geringer ausfallen oder die Werte sogar höher sein können. IQOS ist nicht risikofrei und setzt Nikotin frei, das abhängig macht.
Einigkeit besteht in der Wissenschaft darüber, dass weitere Forschung unerlässlich bleibt.