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Krumpir und Golatsche: warum alle Wiener “halbe Slawen” sind

Krompir - Golatsche Wiener halbe Slawen
(FOTO: iStockPhoto, Wikimedia Commons/Roberta F.)

Wer mit offenen Augen durch die Hauptstadt geht und den Wienern genau zuhört, der stößt auf Schritt und Tritt auf etwas Slawisches.

„Wien ist anders“ – nicht nur, was den Dialekt und den schwarzen Wiener Humor betrifft. Viele Wiener Ausdrücke und Redewendungen gelten im Rest Österreichs als unverständlich, allerdings wissen nur wenige Wiener woher diese Wörter in Wirklichkeit stammen. Neben großem jiddischem, ungarischem und italienisch-französischem Einfluss ist der Wiener Dialekt von zahlreichen Lehnwörtern aus den slawischen Sprachen geprägt, wovon vor allem das Slowenische und Tschechische großen Spuren hinterlassen haben.

Vielen ist vielleicht schon aufgefallen, dass Wiener gerne „auf Lepschi“ gehen und dass, das Wiener Leben generell etwas „pomali“ verläuft. Und all jene, die „kan Rosumisch net“ dafür haben, kann den echten Wiener mit Sicherheit „powidln“, denn ein „Dalli, dalli“ ist zwar in der Hauptstadt zu hören, allerdings kein wirklicher Teil der typischen Gemütlichkeit. Eine der wohl verbreitetsten Krankheiten in Wien ist die „Tachnitis“, denn „damend“ ist es wohl immer noch am schönsten.

Zum Würstelstand auf eine Bosna
Ähnliches ist in der Wiener Küche zu finden, denn die böhmische Suppe, Knödel, Powidltatschkerln, Kren, Bosnawürsteln, etc. gehören zu jeder guten Wiener Küche. Als Nicht-Wiener outet sich auch jeder der auf einem der vielen Märkte Stachelbeeren statt Agraseln, Sauerkirschen statt Weichseln, Aprikosen statt Marillen und Kartoffel statt Krumpir kauft. Und bei einem Besuch im Wiener Kaffeehause darf eine leckere Golatsche auf keinen Fall fehlen.

Es sind aber nicht nur die Wörter sondern auch andere Merkmale, welche eindeutig Beweise für einen großen slawischen Einfluss sind. Öffnet man zum Beispiel das Wiener Telefonbuch, so springen einem sofort Namen wie Czech,Morawec, Slovak, Horvath, Srb oder Nemec entgegen – hundertprozentig slawisch.

Die „slawische Mentalität“ der Wiener
Wie oben bereits angedeutet ist die Hauptstadt ohne die typische Gemütlichkeit und Kaffeehäuser einfach nicht vorstellbar, womit sich viele Slawen sehr gut identifizieren können. Während in vielen Metropolen der Welt das moderne hektische Leben überhand genommen hat, herrscht in Wien eine grundlegende „Nema problema“-Stimmung. Plauscherln mit Freunden, gutes Essen und ein stressfreier Alltag werden immer noch großgeschrieben und es vergeht wohl kaum ein Tag an welchem sich nicht über Gott und die Welt aufgeregt wird. Das alles ist auch gut so, denn wir sind schließlich in Wien!

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Legende:
Auf Lepschi gehen/sein: Tschechisch für unterwegs sein oder es sich gut gehen lassen
Pomali: Tschechisch für langsam
Rosumisch: Slawisch für „Verständnis“ (vgl. bos./kroat./serb. razum(ij)eš)
Powidl: Tschechisch für Zwetschkenmarmelade
Du kannst mich powidln: Du kannst mir den Buckel hinunterrutschen
Dalli: Polnisch für schnell
Tachinose/Tachnitis: Nichtsstun (Herkunft entweder slawisch oder jiddisch)
Damend: Slowenisch zu Hause
Agrasel: Slawische für Stachelbeere
Weichsel: Sauerkirsche (vgl. bos./kroat./serb. – višnja)
Marille: vgl. kroatisch marelica
Krumpir: vgl. bos./kroat./serb. krompir
Golatsche: vgl. bos./kroat./serb.  Kolač