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Datenskandal

421.000 AfD-Mails geleakt: Das steckt in den veröffentlichten Daten

421.000 AfD-Mails geleakt: Das steckt in den veröffentlichten Daten
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Hunderttausende E-Mails, interne Unterlagen und sensible persönliche Daten sind nach einem Hackerangriff im Umfeld der AfD im Internet aufgetaucht. Die Partei bestätigt den Angriff – die vollständige Echtheit des veröffentlichten Datenbestands ist allerdings noch nicht unabhängig geprüft.

Ein umfangreicher Datenleak beschäftigt derzeit die deutsche AfD. Auf der Website hexane.cc wurde ein Datensatz veröffentlicht, der nach Angaben der Betreiber rund 421.000 E-Mails mit einem Gesamtvolumen von 281 Gigabyte umfasst. Die Nachrichten reichen offenbar bis ins Jahr 2014 zurück, die jüngsten Dokumente stammen aus dem September 2026.

Nach Angaben der Plattform befinden sich in dem Datensatz außerdem rund 39.000 Anhänge und 49.000 Dokumente. Dazu zählen laut Medienberichten unter anderem Ausweiskopien, Rechnungen, Kontoauszüge, Zeugnisse, Mitgliedsanträge und Mitgliederlisten. Damit sind neben interner Parteikommunikation auch zahlreiche persönliche und sensible Daten betroffen.

Zehntausende Mails ausgewertet

Auf der Website werden derzeit mehr als 57.000 E-Mails in einer durchsuchbaren Übersicht dargestellt. Teile davon wurden mithilfe künstlicher Intelligenz zusammengefasst und nach verschiedenen Themen und vermeintlichen Schweregraden kategorisiert. 611 Nachrichten werden von den Plattformbetreibern als „kritisch“, weitere 10.450 als „hoch“ eingestuft. Diese Bewertungen stammen allerdings von den unbekannten Betreibern der Website und stellen keine unabhängige journalistische oder juristische Beurteilung dar.

Die größte Kategorie bilden laut dieser Übersicht interne Machtkämpfe mit mehr als 14.000 Einträgen. Mehr als 10.000 Nachrichten werden von der Plattform dem Bereich „Rassismus/Xenophobie“ zugeordnet. Weitere Kategorien betreffen unter anderem Antisemitismus, Extremismus, Desinformation und Gewaltandrohungen.

Brisante Vorwürfe

Unter den bislang ausgewerteten Nachrichten finden sich zahlreiche problematische Formulierungen und parteiinterne Vorwürfe. Dabei ist allerdings entscheidend, zwischen Aussagen von Parteifunktionären, internen Beschwerden und Nachrichten externer Absender zu unterscheiden. Nicht jeder Inhalt, der in einem AfD-Postfach gefunden wurde, kann automatisch der Partei oder ihrer Führung zugerechnet werden.

Besondere Aufmerksamkeit erhält ein Schriftwechsel zwischen zwei AfD-Mitgliedern aus Nordrhein-Westfalen. Der Betreff lautet laut ntv: „Verkauf von Hakenkreuzfahnen und Drogen am Infostand in Bottrop durch Kreisvorstandsmitglied“. Ob die darin erhobenen Anschuldigungen tatsächlich zutreffen, ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Andere Einträge enthalten bereits in den Betreffzeilen beziehungsweise Zusammenfassungen abwertende Formulierungen. Genannt werden unter anderem Begriffe wie „Muselmanen“ oder die Bezeichnung „dreckiges Monster Merkel“. Auch Berichte über eine Weihnachtskarte mit Hakenkreuz und der Aufschrift „Heil Hitler“ sowie rassistische Witze und rechtsextreme Einstellungen innerhalb eines Kreisverbands tauchen in den Unterlagen auf. Auch hier gilt: Die zugrunde liegenden Vorwürfe und der jeweilige Kontext müssen anhand der Originaldateien geprüft werden.

Internes Dossier über Helferich

In den veröffentlichten Unterlagen findet sich auch eine mutmaßliche E-Mail des AfD-Landesschiedsgerichts Nordrhein-Westfalen zur „Causa Helferich“. Darin soll es um antisemitische und die NS-Zeit verherrlichende Chatnachrichten des heutigen Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich gehen.

Öffentlich bekannt ist bereits seit Jahren, dass Helferich sich 2021 in Chatnachrichten als „freundliches Gesicht des NS“ und als „demokratischen Freisler“ bezeichnet hatte. Er erklärte später, die Aussagen seien ironisch gemeint gewesen. Das AfD-Bundesschiedsgericht hob im Juni 2026 seinen zuvor beschlossenen Parteiausschluss auf und verhängte stattdessen eine sechsmonatige Ämtersperre. Helferich blieb Mitglied der AfD-Bundestagsfraktion.

AfD bestätigt Hackerangriff

Die AfD bestätigte, dass es im September 2026 zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister der Partei gekommen war. Dabei seien nach Angaben der Partei „Teile einiger weniger Mail-Postfächer“ widerrechtlich kopiert worden. Die meisten dieser Postfächer seien seit Jahren nicht mehr genutzt worden. Aktuelle E-Mail-Konten des AfD-Bundesverbands seien laut Partei nicht betroffen gewesen.

Der Angriff sei rasch erkannt und beendet worden, die betroffenen Nutzer seien informiert worden. Die Partei erklärte außerdem, die Veröffentlichung mutmaßlich gestohlener Daten derzeit zu prüfen. Aus AfD-Kreisen hieß es gegenüber der Tagesschau zugleich, die veröffentlichten Inhalte wirkten grundsätzlich authentisch. Kritisiert wurden allerdings die mithilfe künstlicher Intelligenz erstellten Zusammenfassungen, da diese teilweise falsche Zusammenhänge herstellen könnten.

Echtheit noch nicht vollständig geprüft

Auch die IT-Sicherheitsexpertin und Journalistin Lilith Wittmann erklärte nach einer ersten Sichtung, sie halte den Datensatz für authentisch. Eine vollständige unabhängige Überprüfung der mehr als 421.000 E-Mails und der zahlreichen Dokumente liegt bislang jedoch nicht vor.

Wer hinter dem Hackerangriff und der Veröffentlichung steckt, ist weiterhin unklar. Nach Angaben der Betreiber stammen die Daten aus insgesamt zehn Postfächern. In der veröffentlichten Übersicht finden sich E-Mails von und an zahlreiche prominente AfD-Politiker, darunter Alice Weidel, Beatrix von Storch sowie die früheren Parteivorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland.

Die anonym betriebene Website hexane.cc bezeichnet sich selbst als unabhängiges Dokumentenarchiv. Aufgrund des enormen Umfangs des Materials dürfte die vollständige journalistische und technische Prüfung der veröffentlichten Daten noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

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KO KOSMO-Redaktion
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