Eine Nacht, drei Einsätze, Dutzende Retter im Dauereinsatz – die Steiermark erlebte eine dramatische Bergnacht.
In der Nacht auf Mittwoch rückte die steirische Bergrettung gleich dreimal aus, um Wanderer aus Bergnot zu befreien. Den aufwendigsten Einsatz löste eine sechsköpfige Familie aus Deutschland aus, die am Kaiserschild bei Eisenerz in eine gefährliche Lage geraten war. Unter den Familienmitgliedern befanden sich vier Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren.
Familie sitzt am Berg fest
Die Familie war bereits am Dienstagvormittag von einem Alpinresort in Eisenerz zu ihrer Wanderung auf das Kaiserschild aufgebrochen. Im Bereich des Rotriegels saßen die Wanderer schließlich in unwegsamem Gelände fest und konnten aufgrund zunehmender Erschöpfung nicht mehr weiter. Gegen 21.00 Uhr setzten sie einen Notruf ab. Mithilfe ihrer Beschreibungen und von Handysignalen konnten die Einsatzkräfte den Standort der Familie bestimmen.
Rund 20 Einsatzkräfte der Bergrettung Eisenerz und der Alpinpolizei Hochsteiermark machten sich bei Dunkelheit zu Fuß auf den Weg. Kurz vor Mitternacht erreichten sie die Familie auf rund 1.860 Metern Seehöhe. Die beiden Erwachsenen und vier Kinder waren erschöpft und unterkühlt, eines der Kinder hatte zudem leichte Verletzungen erlitten.
Nacht in Notzelten
Die Retter versorgten die Familie mit Wärmepaketen und Notzelten, eine Bergrettungsärztin übernahm die medizinische Betreuung. Ein zunächst geplanter Abstieg musste jedoch kurz nach Mitternacht abgebrochen werden. Das steile Gelände, die Dunkelheit, starke Windböen und die zunehmende Erschöpfung machten einen sicheren Abstieg unmöglich.
Auch eine Bergung aus der Luft war zunächst nicht möglich. Mehrere Versuche eines Rettungshubschraubers scheiterten wegen des starken Windes. Die Familie und die Bergretter mussten deshalb die Nacht in mitgebrachten Notzelten auf dem Berg verbringen.
Bergung erst am Morgen
Erst mit Tagesanbruch konnte der Rettungseinsatz fortgesetzt werden. Dabei kamen Hubschrauber von Polizei, ÖAMTC und Bundesheer zum Einsatz. Die Familienmitglieder wurden schließlich nach und nach mittels Seil sicher vom Berg ins Tal geflogen.
Zwei weitere Einsätze
Fast zeitgleich war die Bergrettung in Schladming gefordert. Ein 21-jähriger Wanderer hatte bei einer Tour von der Planai-Bergstation in Richtung Riesachsee die Orientierung verloren und war in steiles, unwegsames Gelände geraten. Gegen 21.40 Uhr setzte er einen Notruf ab. Die Bergrettung konnte seinen Standort auf rund 1.600 Metern Seehöhe bestimmen, erreichte ihn noch vor Mitternacht und begleitete ihn unverletzt über felsiges Gelände ins Tal.
Auch im Gesäuse geriet ein 16-jähriger Deutscher in Bergnot. Der Jugendliche war gemeinsam mit seinen Eltern von Johnsbach aus aufgebrochen. Während die Eltern umkehrten, wollte der 16-Jährige über die Planspitze weiter nach Gstatterboden gehen. Offenbar unterschätzte er die Route und geriet schließlich in die Dunkelheit. Nach seinem Notruf konnte er unverletzt von einem Rettungshubschrauber ins Tal geflogen werden.
Damit endeten die beiden weiteren nächtlichen Bergrettungseinsätze ohne Verletzte.