Zwischen Pflicht und Kür: Die ungeschriebenen Regeln des Trinkgelds sorgen bei Urlaubern für Kopfzerbrechen. In manchen Ländern erwartet, in anderen verpönt.
In beliebten Urlaubsländern sorgt die Frage nach dem angemessenen Trinkgeld häufig für Unsicherheit. Wer im Ausland in einem Restaurant speist, fragt sich oft, welche Summe als Anerkennung für den Service angebracht ist. Um Reisenden unangenehme Momente zu ersparen, bietet dieser Überblick Orientierung zu den Trinkgeldgepflogenheiten in verschiedenen Ländern.
Die Trinkgeldkultur variiert international erheblich. Während in manchen Regionen eine zusätzliche Gabe als Zeichen der Wertschätzung gilt, kann sie andernorts sogar als unangebracht empfunden werden. Dieser Leitfaden fasst die wesentlichen Regeln und Besonderheiten zusammen, damit Urlauber selbstbewusst mit dem Thema umgehen können.
Südeuropäische Besonderheiten
Auf italienischen Restaurantrechnungen tauchen häufig die Begriffe „Coperto“ (Gedeck-Gebühr) und „Servizio“ (Servicegebühr) auf. Diese Positionen stellen kein Trinkgeld dar und gehen typischerweise nicht an das Servicepersonal, sondern an den Restaurantbetreiber. Sind diese Posten bereits vermerkt, reicht eine kleine Aufmerksamkeit von ein bis zwei Euro aus. Fehlen solche Zusatzkosten, empfiehlt sich ein Trinkgeld zwischen fünf und zehn Prozent. Wie in allen südeuropäischen Ländern sollte das Trinkgeld stets in bar hinterlassen werden.
Interessanterweise hat sich in Italien in jüngster Zeit ein Wandel vollzogen: Seit einer Gesetzesänderung können Trinkgelder auch digital per Kreditkarte mit der Restaurant- oder Hotelrechnung abgerechnet werden. Servicekräfte erhalten diese Beträge dann über den Lohnstreifen, wobei innerhalb bestimmter Grenzen nur ein reduzierter Steuersatz von fünf Prozent anfällt. In der gehobenen Gastronomie wird diese Praxis inzwischen akzeptiert, während traditionell das Hinterlassen von Bargeld auf dem Tisch – besonders in der bürgerlichen Gastronomie – weiterhin die gängigste Form bleibt.
Die spanische „Propina“-Kultur (Trinkgeldkultur) hat sich nach der Wirtschaftskrise deutlich gewandelt. Einheimische geben inzwischen kaum noch Trinkgeld, während Urlauber tendenziell großzügiger sind. Eine Verpflichtung besteht nicht. Die Rechnung enthält keinen separaten Trinkgeldhinweis – die Höhe liegt vollständig im Ermessen des Gastes.
Lokale Gepflogenheiten
Üblich sind in Spanien fünf bis maximal zehn Prozent, je nach Qualität des Services. Die deutsche Wendung „Stimmt so“ sollte vermieden werden. Üblicherweise wird die Rechnung auf einem kleinen Teller serviert, auf den der Gast Bargeld oder Karte legt. Nach Erhalt des Wechselgelds kann ein Teil davon als Trinkgeld zurückgelassen werden.
In Griechenland gehört Trinkgeld zur guten Sitte. Das Personal ist aufgrund niedriger Grundgehälter oft auf diese Zusatzeinnahmen angewiesen. Zehn Prozent des Rechnungsbetrags gelten als Standard, bei herausragendem Service sind auch fünfzehn Prozent angemessen. Das Trinkgeld wird diskret auf dem Tisch platziert, nicht direkt überreicht.
In Kroatien wird eine kleine Anerkennung für guten Service geschätzt, obwohl Trinkgeld weniger verbreitet ist als in anderen Ländern. Bei kleineren Beträgen genügt ein Aufrunden der Summe.
Bei höheren Rechnungen hinterlassen zehn Prozent in bar einen positiven Eindruck.