Digitale Markierungen im Gesundheitswesen bergen tückische Risiken: Wenn QR- und Barcodes versagen, steht mehr auf dem Spiel als verlorene Daten.
Fehlerhafte QR- und Barcodes im medizinischen Bereich können lebensgefährliche Konsequenzen nach sich ziehen. Diese digitalen Markierungen spielen eine zentrale Rolle bei der Erfassung von Informationen zu Medikamenten und medizinischen Geräten. Funktionieren sie nicht einwandfrei, drohen schwerwiegende Medikationsfehler und der Verlust wichtiger Patientendaten.
Wenn Informationen fehlen oder falsch übermittelt werden, steigt das Risiko von Medikamentenverwechslungen erheblich. Besonders in zeitkritischen Situationen wie in Notaufnahmen kann dies fatale Folgen haben. Das medizinische Personal gerät dadurch unter zusätzlichen Druck, vor allem in ohnehin schon stressbelasteten Arbeitssituationen.
Die größten Gefahren lauern bei der Dosierung und Verabreichung von Arzneimitteln, wenn fehlerhafte Daten im Spiel sind. Ein Präparat gegen Allergien und Schlafstörungen steht derzeit besonders in der Kritik, da es potenziell tödliche Nebenwirkungen verursachen kann. Parallel dazu wird aktuell ein wichtiges Medikament zurückgerufen, weil fehlerhafte Bruchlinien eine korrekte Dosierung unmöglich machen.
In den vergangenen Wochen wurden in österreichischen Notaufnahmen mehrere Beinahe-Zwischenfälle dokumentiert, bei denen fehlerhafte QR-Codes auf Medikamentenverpackungen fast zu falschen Dosierungen geführt hätten. Die betroffenen Kliniken haben daraufhin ihre internen Abläufe angepasst und setzen verstärkt auf zusätzliche manuelle Kontrollmechanismen, um die Risiken durch defekte Codes zu minimieren.
Sicherheitsrisiken
„Ein Code, der nicht gelesen wird, ist eine potenzielle Sicherheitslücke“, warnt Niklas Bauer, Geschäftsführer von Bauer PK, einem Unternehmen für industrielle Kennzeichnungslösungen, in einer Pressemitteilung. Der Experte sieht in unlesbaren oder defekten Codes eine unterschätzte Schwachstelle im Gesundheitswesen.
Die Problematik wird durch veraltete Scantechnologien und Softwareprobleme weiter verschärft. Besonders tückisch sind dabei Codes, die zwar intakt erscheinen, aber dennoch falsche oder unleserliche Daten enthalten. Diese trügerische Zuverlässigkeit stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
Gegensteuernde Maßnahmen
In mehreren österreichischen Gesundheitseinrichtungen werden derzeit verstärkt regelmäßige Prüfungen und Testscans von QR- und Barcodes eingeführt, um fehlerhafte oder unleserliche Codes frühzeitig zu erkennen. Dabei kommen modernisierte Scantechnologien und aktualisierte Softwarelösungen zum Einsatz, um die Zuverlässigkeit der digitalen Markierungen zu erhöhen und die Patientensicherheit zu verbessern.
QR-Code Technologie
Die japanische Firma Denso Wave entwickelte QR-Codes (Quick Response Codes) im Jahr 1994 ursprünglich für die Automobilindustrie, um Bauteile effizient zu verfolgen. Sie stellen eine Weiterentwicklung des klassischen Barcodes dar und können deutlich mehr Informationen speichern.
Ein einzelner QR-Code kann bis zu 7.089 numerische oder 4.296 alphanumerische Zeichen aufnehmen. Die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten reichen von URLs und Kontaktdaten bis hin zu Zahlungsinformationen und Produktdetails. Fast jedes moderne Smartphone kann diese Codes problemlos auslesen.
QR-Codes verfügen über eine integrierte Fehlerkorrektur, den sogenannten Reed-Solomon-Code (mathematisches Verfahren zur Datensicherung).
Diese Technologie ermöglicht es, bis zu 30 Prozent der Daten zu rekonstruieren, selbst wenn der Code teilweise beschädigt oder schwer lesbar ist.