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Lebensmittelstreit

Veggie-Burger vor dem Aus: Trilog-Verhandlung heute 5. März

Veggie-Burger vor dem Aus: Trilog-Verhandlung heute 5. März
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4 Min. Lesezeit |

Ein Wort entscheidet über Millionen – und Europa streitet: Darf ein Veggie-Burger noch Burger heißen? Die Verhandlungen spitzen sich zu.

Die Auseinandersetzung um ein mögliches Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Lebensmittel in der EU gewinnt an Schärfe. Am Donnerstag, dem 5. März, kommen Vertreter der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten zur dritten Runde der sogenannten Trilog-Verhandlungen zusammen – jenem Format, in dem die drei zentralen EU-Institutionen abseits der Öffentlichkeit um einen gemeinsamen Kompromiss ringen.

Der Trilog gilt als wesentliches Element des europäischen Gesetzgebungsprozesses. In diesem Verfahren verhandeln Repräsentanten des Europäischen Parlaments, der EU-Kommission und des Rates der Mitgliedstaaten gemeinsam den endgültigen Wortlaut eines Rechtsakts – in der Regel informell und ohne Öffentlichkeit. Kommt eine Einigung zustande, wird der ausgehandelte Text in einem zweiten Schritt von Parlament und Rat formell verabschiedet, bevor das Gesetz in Kraft treten kann.

Streit um Begriffe

Im Zentrum der Debatte steht eine scheinbar schlichte, in ihrer Tragweite aber beachtliche Frage: Dürfen pflanzliche Fleischalternativen künftig noch Bezeichnungen wie „Burger“, „Schnitzel“, „Steak“ oder „Wurst“ tragen? Das Europäische Parlament hat sich bereits Anfang Oktober 2025 mit 355 zu 247 Stimmen bei 30 Enthaltungen dafür ausgesprochen, solche Begriffe ausschließlich Produkten tierischen Ursprungs vorzubehalten. Eine endgültige Entscheidung steht jedoch noch aus – erst eine Einigung im Trilog würde der Regelung EU-weite Geltung verschaffen.

In Österreich entfaltet die Debatte eine spürbare politische Sprengkraft. Das ÖVP-geführte Landwirtschaftsministerium signalisiert Unterstützung für schärfere Vorschriften: Agrarminister Norbert Totschnig plädiert dafür, traditionelle Fleischbegriffe zu schützen und Konsumenten eine eindeutige Erkennbarkeit des tatsächlichen Produktinhalts zu ermöglichen. Auch die FPÖ steht dem möglichen Verbot aufgeschlossen gegenüber – freiheitliche EU-Abgeordnete stimmten im Europäischen Parlament für entsprechende Einschränkungen bei der Verwendung von Begriffen wie „Burger“, „Schnitzel“ oder „Würstel“ für pflanzliche Erzeugnisse.

Grüne und NEOS hingegen sehen die Entwicklung mit deutlicher Skepsis. Sie warnen vor überflüssiger Bürokratie und politischer Symbolpolitik ohne praktischen Mehrwert. Der grüne EU-Abgeordnete Thomas Waitz hält fest, dass Konsumenten sehr wohl in der Lage seien zu erkennen, dass ein „Veggie-Burger“ kein Fleischprodukt ist – ein Verbot würde daher wenig bewirken, aber zusätzliche Kosten für Unternehmen nach sich ziehen. Auch die SPÖ zeigt sich ablehnend gegenüber weitreichenden Einschränkungen und sieht in der Diskussion vorrangig eine Ablenkung von den eigentlichen Herausforderungen der Landwirtschaft.

Wirtschaft warnt

Aus der Wirtschaft kommt entschiedener Widerstand. Ein breites Bündnis aus Herstellern pflanzlicher Alternativen, Branchenverbänden und Handelsketten hat sich bereits an die Bundesregierung gewandt und eindringlich vor den Folgen möglicher Einschränkungen gewarnt. Zu den Unterzeichnern zählen namhafte Handelsunternehmen wie Billa, Hofer, Lidl und Spar. Ihre Argumentation: Vertraute Begriffe erleichtern Konsumenten die Orientierung im Supermarktregal, während Verbote erhebliche Kosten verursachen würden – von der Überarbeitung von Verpackungen über die Entwicklung neuer Produktnamen bis hin zu weiteren betrieblichen Mehraufwendungen.

Auch der Thinktank Good Food Institute Europe warnt vor negativen Auswirkungen auf Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit. Dessen DACH-Leiter Ivo Rzegotta erklärt: „Das Verbot solcher alltagsnahen Begriffe wäre eine Beleidigung für die europäischen Verbraucher, die in Umfragen immer wieder deutlich gemacht haben, dass sie durch bekannte Begriffe wie ‚pflanzliches Huhn‘ oder ‚veganer Speck‘ nicht verwirrt werden.“ Derartige Bezeichnungen seien wichtige Orientierungshilfen, weil sie Erwartungen an Geschmack, Textur und Verwendung in der Küche vermitteln.

Kritische Stimmen kommen zudem aus dem Umwelt- und Tierschutzbereich. Der WWF bezeichnet die diskutierten Maßnahmen als „Augenauswischerei“ und fordert stattdessen eine aktive Förderung pflanzenbasierter Ernährungsweisen. Greenpeace und Vier Pfoten schließen sich dieser Einschätzung an und warnen davor, dass ein Verbot geläufiger Begriffe wie „Veggie-Burger“ den gesellschaftlichen Wandel hin zu nachhaltigeren Ernährungssystemen hemmen könnte.

Auf der Gegenseite verweisen Befürworter strengerer Regelungen auf den Schutz traditioneller Fleischprodukte und der Landwirtschaft.

Begriffe wie „Steak“ oder „Schnitzel“ seien historisch untrennbar mit Fleisch verbunden und sollten daher ausschließlich tierischen Erzeugnissen vorbehalten bleiben.

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KO KOSMO-Redaktion
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