Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Baustellenunglück

Nach Baustellen-Unfall: Sicherheitsmängel rücken in Fokus

Nach Baustellen-Unfall: Sicherheitsmängel rücken in Fokus
(Symbolbild FOTO: iStock)
2 Min. Lesezeit |

Vier Tote, ein eingestürztes Gerüst – und ein Sicherheitsplan, der oft nur auf dem Papier existiert.

Nach dem tödlichen Einsturz eines Baugerüsts auf einer Baustelle in Wien-Alsergrund, bei dem vier Arbeiter ihr Leben verloren, sind die Ermittlungen zur genauen Unfallursache noch im Gange – Ergebnisse liegen bislang nicht vor. Bekannt ist, dass im Innenhof eines Gebäudes ein Gerüst in sich zusammenbrach. Laut Dietmar Haslinger, stellvertretender Leiter des Arbeitsinspektorats, war geplant, dass auf der Baustelle Laubengänge errichtet werden sollten, berichtete der ORF.

„Das heißt, es ist ein Schalungsgerüst aufzustellen. Da gibt es fünf Ebenen, wo diese Stahlbetondecken dann errichtet werden. Und diese Tragkonstruktion für die Schalungen, die ist in sich zusammengebrochen.“

Mängel auf dem Papier

Gesetzlich ist für derartige Bauvorhaben eine umfassende Sicherheitsplanung vorgeschrieben – geregelt durch das Bauarbeitenkoordinationsgesetz. „Da gibt es dann den Baustellenkoordinator, der diese Sachen, gemeinsame Schutzeinrichtungen, dann entsprechend vorsieht in dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan.“ In der Realität existiere dieser Plan jedoch häufig nur auf dem Papier.

Das Arbeitsinspektorat führt in Wien jährlich tausende Baustellenkontrollen durch – die Unglücksstelle in Wien-Alsergrund war jedoch nicht darunter. Die Gesamtzahl der Überprüfungen hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen: Waren es 2021 noch 1.452 kontrollierte Baustellen mit 2.522 Beanstandungen, stieg die Zahl der Kontrollen bis 2025 auf 2.769, die Beanstandungen auf 3.571.

Zu den am häufigsten festgestellten Mängeln zählen laut Haslinger fehlende Absturzsicherungen – etwa nicht vorhandene Dachfanggerüste – sowie das Fehlen von Aufsichtspersonen. Diese sind eigentlich dafür zuständig, im Auftrag des Arbeitgebers für sichere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Dass diese Funktion oft unbesetzt bleibt, führt Haslinger auf die typische Struktur der Baubranche zurück: Unternehmen lagern Teilleistungen wie Gerüstbau oder Sanierungsarbeiten regelmäßig an Subfirmen aus.

Finanzpolizei aktiv

Neben dem Arbeitsinspektorat ist auch die Finanzpolizei auf Wiener Baustellen aktiv. Im vergangenen Jahr wurden 857 Einsätze verzeichnet, bei denen 817 Betriebe und 1.677 Beschäftigte überprüft wurden. Die Kontrollen mündeten in 187 Strafanträge – überwiegend wegen fehlender Versicherung oder illegaler Beschäftigung.

Weitere Anzeigen betrafen Verstöße gegen Arbeitszeitregelungen sowie die Gewerbeordnung. Insgesamt standen 341 Personen im Verdacht, illegal beschäftigt zu sein.

Die beantragten Geldstrafen beliefen sich im Jahr 2025 auf rund 610.000 Euro.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen