Wer zahlt, kommt früher dran – eine neue Studie aus Oberösterreich belegt, wie Geld den Zugang zur Operation entscheidet.
Eine vom Institut für Höhere Studien im Auftrag der Arbeiterkammer Oberösterreich durchgeführte Erhebung legt offen, dass private Zahlungen im oberösterreichischen Gesundheitssystem die Wartezeiten auf Operationen spürbar beeinflussen. Unter den 810 befragten Personen gaben 13,1 Prozent an, das Angebot erhalten zu haben, durch den Besuch einer Privatordination schneller an einen OP-Termin zu gelangen. Weitere 9,1 Prozent wurden mit der Möglichkeit konfrontiert, durch eine direkte private Zuzahlung die Wartezeit zu verkürzen.
Von jenen, denen entsprechende Angebote unterbreitet wurden, machten 6,1 Prozent von der Option eines rascheren Termins über eine Privatordination Gebrauch. Auf direkte private Zuzahlungen griffen 2,8 Prozent der Befragten zurück – mit Beträgen, die zwischen 200 und 8.600 Euro lagen. Wer auf derartige Zugangswege verzichtete oder keinen Zugang dazu hatte, wartete im Median 20 Wochen auf den Eingriff.
Soziale Ungleichheit
Die Studie macht darüber hinaus deutlich, dass sozioökonomische Faktoren die Wartezeiten zusätzlich beeinflussen. Befragte mit höherem Bildungsabschluss warteten im Median 16 Wochen auf ihre Operation, während Personen mit Pflichtschulabschluss im Schnitt 25 Wochen auf sich warten ließen. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Haushaltseinkommen: Wer monatlich über mehr als 2.100 Euro verfügte, wartete 18,5 Wochen – gegenüber 24 Wochen bei Haushalten mit geringerem Einkommen.
Stangl fordert Maßnahmen
AK-Präsident Andreas Stangl sieht in der festgestellten Praxis einen klaren Verstoß gegen grundlegende Prinzipien des Gesundheitssystems und verlangt ein entschlossenes Gegensteuern. „Diese Praxis widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz im solidarischen Gesundheitssystem und ist abzuschaffen.“ Die oberösterreichische Landespolitik sei gefordert, wirksame Maßnahmen zu setzen, um Vorreihungen zu unterbinden und mehr Transparenz im System herzustellen.