Eine Stunde mehr am Wochenende, früher dunkle Abende und eine ungelöste Streitfrage: Am 25. Oktober endet in Österreich die Sommerzeit. Warum die Uhren weiterhin umgestellt werden, was Schlafforscher empfehlen und worauf ihr im Alltag achten solltet.
In einer Woche ist es wieder so weit: In der Nacht von Samstag, 24. Oktober, auf Sonntag, 25. Oktober 2026 werden die Uhren um 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Damit endet die Mitteleuropäische Sommerzeit. Es gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit, auch Normalzeit oder umgangssprachlich „Winterzeit“ genannt.
Die Stunde zwischen 2 und 3 Uhr gibt es in dieser Nacht zweimal. Wer am Sonntag keine frühen Verpflichtungen hat, kann dadurch eine Stunde länger schlafen. Eine Garantie für mehr Erholung ist das allerdings nicht: Die innere Uhr richtet sich wesentlich nach dem Tageslicht und folgt einer veränderten Uhrzeit nicht automatisch.
Was ändert sich durch die Zeitumstellung?
Nach der Rückstellung wird es gemessen an der Uhrzeit morgens früher hell und abends früher dunkel. Die tatsächliche Dauer des Tageslichts verändert sich durch das Drehen an der Uhr nicht. Die ohnehin kürzer werdenden Herbsttage und die Umstellung sind zwei unterschiedliche Vorgänge.
Für den Alltag ist der Unterschied dennoch spürbar: Wer bisher nach der Arbeit noch bei Tageslicht unterwegs war, muss sich auf frühere Dunkelheit einstellen. Dafür steht morgens nach der Uhr früher Tageslicht zur Verfügung.
Was macht die Zeitumstellung mit dem Schlaf?
Licht ist ein wichtiger Taktgeber für den Schlaf-Wach-Rhythmus. Der österreichische Schlafforscher Gerhard Klösch von der MedUni Wien brachte es bereits in einer veröffentlichten Stellungnahme aus dem Jahr 2017 auf den Punkt: „Licht ist ein optimaler Zeitgeber.“ Aus Sicht der Schlafforschung sprach er sich grundsätzlich dafür aus, bei einer Zeit zu bleiben.
Wie stark Menschen eine Umstellung bemerken, ist unterschiedlich. Wichtig ist dabei die Richtung: Die Rückkehr zur Normalzeit im Herbst ist für die meisten Menschen leichter zu bewältigen als die Umstellung auf Sommerzeit im Frühjahr. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) hin. Im März fällt eine Stunde weg, im Oktober kommt sie hinzu.
Beschwerden und Studienergebnisse zur Frühjahrsumstellung lassen sich deshalb nicht einfach auf die bevorstehende Herbstumstellung übertragen. Auch eine zusätzliche Stunde auf der Uhr bedeutet nicht, dass jeder Mensch tatsächlich eine Stunde länger schläft.
Sommerzeit oder Normalzeit: Warum die Entscheidung umstritten ist
Die DGSM empfiehlt eine dauerhaft geltende Normalzeit. Ein wesentliches Argument ist das morgendliche Tageslicht, das die innere Uhr unterstützt. Bei dauerhafter Sommerzeit würde es im Winter nach der Uhr eine Stunde später hell werden als bei Normalzeit. Dafür bliebe es abends eine Stunde länger hell.
Gerade für Menschen mit frühem Arbeits- oder Schulbeginn ist dieser Unterschied relevant. Jugendliche haben zudem häufig einen nach hinten verschobenen Schlafrhythmus. Die Fachgesellschaft bewertet deshalb die Abstimmung zwischen gesellschaftlichen Zeitplänen und dem natürlichen Hell-Dunkel-Wechsel als besonders wichtig.
In Österreich gibt es zugleich dokumentierten Zuspruch für die andere Variante: 168.705 Menschen unterstützten 2023 das Volksbegehren „Beibehaltung Sommerzeit“. Es forderte, die Sommerzeit dauerhaft zu verankern. Daraus lässt sich zwar keine Mehrheit in der Bevölkerung ableiten, es zeigt aber den unterschiedlichen Blick auf die Frage.
Entscheidend ist die Unterscheidung: Die halbjährliche Umstellung abzuschaffen beantwortet noch nicht, welche Uhrzeit anschließend das ganze Jahr gelten soll.
Wann wird die Zeitumstellung abgeschafft?
Einen verbindlichen Termin für die Abschaffung gibt es weiterhin nicht. Die EU-Kommission legte bereits 2018 einen entsprechenden Vorschlag vor. Das Europäische Parlament unterstützte 2019 ein Ende der halbjährlichen Umstellung. Eine abschließende Einigung mit den Mitgliedstaaten im Rat blieb jedoch aus.
Bei der öffentlichen EU-Onlinekonsultation 2018 hatten sich 84 Prozent der rund 4,6 Millionen Teilnehmenden für die Abschaffung ausgesprochen. Die Befragung war allerdings weder repräsentativ noch eine Volksabstimmung.
2026 wird das Thema erneut wissenschaftlich untersucht: Eine von der EU-Kommission beauftragte Studie betrachtet verschiedene Szenarien für ein Ende der Zeitumstellung. Dazu gehören Auswirkungen auf Gesundheit, Verkehr, Energie und den europäischen Binnenmarkt sowie mögliche Zeitunterschiede zwischen Nachbarstaaten. Die Untersuchung ist noch kein Beschluss zur Abschaffung.
Frühere Dunkelheit: Worauf Verkehrsteilnehmer achten sollten
Im Herbst überschneidet sich die Dämmerung zunehmend mit dem Berufsverkehr. Der ÖAMTC mahnt deshalb zu besonderer Vorsicht auf Freilandstraßen und in Gebieten mit Wildwechsel. Für 2025 nennt der Mobilitätsclub österreichweit 283 Wildunfälle mit Personenschaden und 322 verletzte Menschen.
Diese Jahreszahlen belegen keinen durch die Zeitumstellung verursachten Unfallanstieg. Sie zeigen jedoch, warum angepasste Geschwindigkeit und Aufmerksamkeit in der Dämmerung wichtig sind. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, sollte außerdem auf gute Sichtbarkeit achten.
Was hilft beim neuen Rhythmus?
Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt für einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus regelmäßige Schlafens- und Aufstehzeiten sowie Tageslicht am Morgen. Eine ruhige Abendroutine und weniger Bildschirmnutzung vor dem Zubettgehen können den Schlaf ebenfalls unterstützen.
Für Familien ist vor allem hilfreich, den Tagesablauf möglichst verlässlich zu gestalten. Die zusätzliche Stunde muss nicht durch spätes Aufbleiben aufgebraucht werden.
Wer nach der Umstellung vorübergehend früher müde wird oder früher aufwacht, sollte sich Zeit geben, sich an den veränderten Zeitplan zu gewöhnen.