150.000 Kraken als Waffe gegen einen Eindringling: Italiens neuester Plan zur Rettung der Adria ist so ungewöhnlich wie ehrgeizig.
Bis Ende August sollen insgesamt bis zu rund 150.000 junge Kraken in der Adria ausgesetzt werden, als biologische Waffe gegen die invasive Blaukrabbe – Zehntausende Tiere wurden bereits freigelassen. Hinter dem Vorhaben steckt das Projekt „Octo-Blu“, das von der norditalienischen Region Emilia-Romagna gefördert und finanziert sowie in Zusammenarbeit mit der Universität Bologna umgesetzt wird. Ziel ist es, zu erforschen, ob Kraken als natürliche Gegenspieler der Blaukrabbe deren Ausbreitung wirksam begrenzen können.
„Wir haben festgestellt, dass der Krake ein sehr starker Räuber von Krebstieren ist, insbesondere der blauen Krabbe“, sagte der Meeresbiologe Antonio Casalini, der an dem Projekt beteiligt ist, laut Medien. Im ersten Jahr lag der Fokus der Untersuchungen auf dem Fortpflanzungsverhalten und der Ernährungsweise der Blaukrabbe. Im darauf folgenden Projektjahr rückten die Forscher das Jagdverhalten der Kraken in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.
Projekt läuft seit zwei Jahren
Seit knapp zwei Jahren läuft das Projekt bereits – genug Zeit, um umfangreiche Daten über das Zusammenspiel beider Arten zu erheben und die Methoden zur Haltung der Kraken weiterzuentwickeln. Nach der geplanten Freisetzung der Tiere ist eine wissenschaftliche Beobachtungsphase vorgesehen, in der die Forscher verfolgen wollen, wie sich die ausgesetzten Kraken im Meer entwickeln und ob sie tatsächlich in der Lage sind, die Blaukrabbenpopulation spürbar zu reduzieren.
Die Blaukrabbe gilt als ernsthafte Bedrohung für das Ökosystem der Adria. Die invasive Art hat das marine Gleichgewicht nachhaltig gestört und der Fischereiwirtschaft in den vergangenen Jahren erhebliche wirtschaftliche Einbußen beschert. Die Kraken sollen dazu beitragen, die weitere Ausbreitung der Blaukrabbe einzudämmen und ihre Auswirkungen auf das Ökosystem zu reduzieren.
Kritik am Experiment
Dennoch stößt das Experiment nicht überall auf Zustimmung. Kritiker warnen davor, dass die massenhafte Freisetzung von Tieren das empfindliche Ökosystem der Adria in unvorhersehbarer Weise beeinflussen könnte. Die beteiligten Wissenschaftler halten diese Bedenken jedoch für unbegründet: Der Krake sei in den Gewässern der Emilia-Romagna bereits heimisch und werde dort auch in erheblichen Mengen befischt.
Aufgrund seiner vergleichsweise kurzen Lebenserwartung von durchschnittlich rund zwei Jahren sei eine dauerhafte Bestandszunahme nicht zu befürchten.