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Brauchtum

Laternenzauber im November: Warum wir dem heiligen Martin folgen

Mädchen mit Laterne in Hand
(Symbolbild FOTO: iStock)

Bunte Laternen, singende Kinder und ein geteilter Mantel – der Martinstag am 11. November verbindet uralte Traditionen mit einer Geschichte von Mitgefühl und Nächstenliebe.

Wenn am 11. November bunte Laternen die Straßen erhellen und Kinderlieder durch die Abendluft klingen, feiert man den Martinstag – ein jahrhundertealtes Fest, das die Werte des Teilens und der Nächstenliebe in den Mittelpunkt stellt. Die Tradition geht zurück auf Martin von Tours, einen römischen Soldaten des 4. Jahrhunderts. Der Überlieferung nach begegnete Martin an einem eisigen Wintertag einem frierenden, hungernden Bettler. Von Mitgefühl ergriffen, zog er sein Schwert und teilte seinen warmen Umhang, um dem Notleidenden die Hälfte zu überlassen. In der folgenden Nacht soll ihm Christus erschienen sein, gekleidet in genau jenes geschenkte Mantelstück – eine Begegnung, die Martin zum Sinnbild christlicher Barmherzigkeit werden ließ.

Diese prägende Erfahrung führte laut Überlieferungen zu Martins Taufe und christlicher Unterweisung. Als er später zum Bischof ernannt werden sollte, hielt sich der bescheidene Mann des Amtes für unwürdig und versteckte sich der Legende nach in einem Gänsestall. Die laut schnatternden Tiere verrieten jedoch sein Versteck, woraufhin er doch zum Bischof geweiht wurde. Der Volksmund erzählt, dass Martin die Gänse zur Strafe braten ließ – was den Ursprung der Martinsgans erklären soll.

Ursprung der Martinsgans

Geschichtsforscher bieten allerdings pragmatischere Erklärungen für den Gänsebraten im November. Einerseits war der 11. November traditionell der Stichtag für Steuern und Lehnsabgaben, die häufig in Form von Naturalien wie eben einer Gans entrichtet wurden. Andererseits begann nach diesem Datum eine strenge vorweihnachtliche Fastenzeit. Die Menschen nutzten daher die letzte Gelegenheit für ein üppiges Mahl und verzehrten Lebensmittel, die während der kommenden Fastenperiode verboten waren.

Doch warum der Brauch der Laternenumzüge? Martin wirkte rund drei Jahrzehnte als Bischof von Tours und soll zahlreiche Wundertaten vollbracht haben. Nach seinem Tod am 8. November 397 wurde er heiliggesprochen. Die frühen Christen kannten bereits Lichterprozessionen, und so wurde vermutlich auch der Heilige Martin am 11. November unter dem Schein vieler Lichter zu Grabe getragen. Zudem symbolisiert sein Wirken metaphorisch das Bringen von Licht in die Dunkelheit.

Lichter und Laternen

Ein weiterer Aspekt verbindet den Martinstag mit dem Ende des Erntejahres. Im November entzündeten die Menschen traditionell Feuer auf den abgeernteten Feldern – als Dankesritual für die Ernte und symbolischen Abschluss des landwirtschaftlichen Jahres. Überlieferungen zufolge bastelten sich Kinder bei diesen Anlässen Laternen aus ausgehöhlten Rüben oder Kürbissen.

Das wohl bekannteste Lied rund um das Laternenfest:

Ich geh mit meiner Laterne
und meine Laterne mit mir.
Dort oben leuchten die Sterne,
und unten leuchten wir.
Mein Licht ist aus,
ich geh nach Haus,
rabimmel, rabammel, rabumm.
Mein Licht ist aus,
ich geh nach Haus,
rabimmel, rabammel, rabumm.