170 Millionen betroffene Kinder und Jugendliche weltweit – die WHO zieht nun klare Grenzen bei der Behandlung von Adipositas.
Die Weltgesundheitsorganisation hat klare Grenzen gezogen: Medikamentöse Behandlungen und chirurgische Eingriffe zur Bekämpfung von Adipositas sind bei Kindern unter zehn Jahren nicht angezeigt. Stattdessen sollen in dieser Altersgruppe andere therapeutische Wege verfolgt werden, wie die WHO in Genf bekannt gab. Konkret empfiehlt die Organisation strukturierte Maßnahmen zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Verhaltensänderung; Geräte zur Gewichtsabnahme sind in dieser Altersgruppe ebenfalls nicht vorgesehen.
Leitlinien für Jugendliche
Für Jugendliche zwischen zehn und 19 Jahren hingegen können Medikamente als Option in Betracht kommen – allerdings erst dann, wenn begleitete Maßnahmen zur Lebensstiländerung keine ausreichende Wirkung gezeigt haben. Präsent in der öffentlichen Debatte sind vor allem die Präparate Ozempic und Mounjaro, die das körpereigene Hormon GLP-1 nachahmen und ursprünglich für die Behandlung von Diabetes entwickelt wurden, mittlerweile aber zunehmend zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden.
Nachdem die WHO im Dezember deren Anwendung bei Erwachsenen mit Adipositas befürwortet hatte, legt sie nun auch Leitlinien für den Umgang mit Jugendlichen vor. Demnach soll eine medikamentöse Therapie bei unter 20-Jährigen nur dann erwogen werden, wenn strukturierte Programme mit Fokus auf Verhaltens- und Lebensstilanpassungen zuvor ohne Erfolg geblieben sind. Bariatrische Eingriffe, bei denen Magen oder Darm operativ verändert werden, können bei schwerer Adipositas unter klar definierten Voraussetzungen ebenfalls in Erwägung gezogen werden.
Alarmierende Zahlen
Den Empfehlungen liegen besorgniserregende Zahlen zugrunde: Für das Jahr 2024 schätzt die WHO, dass weltweit rund 70 Millionen Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren von Fettleibigkeit betroffen sind.
In der Altersgruppe der Zehn- bis 19-Jährigen liegt die Zahl sogar bei etwa 100 Millionen.