Volle Betten, leere Tische: Während Makarska Rekordübernachtungen feiert, erleben Gastronomen einen Sommer der Enttäuschung mit dramatischen Folgen.
Bereits vor zwei Monaten deutete sich an, was nun zur bitteren Realität geworden ist: Die diesjährige Tourismussaison in Makarska entwickelt sich für die Gastronomie zu einer herben Enttäuschung. Obwohl die Tourismusgemeinschaft des beliebten kroatischen Küstenortes Anfang August stolz die millionste Übernachtung verkündete und von positiven Trends sprach, zeichnen die Gastronomen vor Ort ein völlig anderes Bild.
Im Gespräch mit der Zeitung Slobodna Dalmacija berichten sie von Umsatzeinbrüchen von mindestens 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Als Hauptgrund sehen sie die Inflation, die in allen Herkunftsländern der Urlauber die Kaufkraft deutlich geschwächt hat. Die Wirte betonen, dass sie ihre Preise nur moderat angehoben hätten – meist nur um 50 Cent beim Kaffee oder höchstens einen Euro bei Speisen.
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Ein Mitarbeiter des Lokals „Tramuntana“ bringt die Situation auf den Punkt: „Diese Saison ist um 20 Prozent schlechter als die letzte. Die Hochsaison dauerte diesen Sommer gerade einmal zwei Tage.“ Er weist auf ein weiteres Phänomen hin: „Gehen Sie nachts durch Makarska – überall finden Sie freie Parkplätze. Die Stadt ist zwar überbaut, die Strände mit Liegestühlen vollgestellt, aber es fehlt an zahlungskräftigen Gästen.“
Besonders problematisch sei die Entwicklung des Immobilienmarktes: „Die Wohnungen in den Neubauten werden im Sommer von ausländischen Eigentümern und deren Verwandten genutzt, die hauptsächlich selbst kochen statt essen zu gehen. Wir haben einerseits Gäste, die 50 Euro pro Nacht zahlen und selbst kochen, andererseits jene, die 1000 Euro für ein Hotelzimmer ausgeben – und alle liegen nebeneinander am Strand.“
Veränderte Gästestruktur
Hrvoje Kapulica, Inhaber der Restaurants „Berlin“ und „Dinner’s Delight“, bestätigt den Trend. „Die Stammgäste von früher haben offensichtlich günstigere Urlaubsziele gewählt.“ Ein deutscher Gast, der seit fünf Jahren zu uns kommt, hat dieses Jahr storniert, als er die aktuellen Preise sah – er war regelrecht schockiert.
Selbst die einst kaufkräftigen deutschen Urlauber spüren den wirtschaftlichen Druck: „Sie sagen uns offen, dass sie nicht mehr jeden Abend im Restaurant essen können, sondern lieber selbst kochen. Alle fragen nach dem Weg zu Lidl und Kaufland.“ Kapulica hat seine Preise nur minimal angehoben, da auch seine Einkaufskosten gestiegen sind.
Besonders auffällig sei das Fehlen junger Gäste. „In den Vorjahren war der Außenbereich vor den Diskotheken immer voll. Diese jungen Leute gibt es jetzt praktisch nicht mehr“, bedauert Kapulica. Ein Lichtblick seien für ihn die treuen Stammgäste, die Jahr für Jahr wiederkommen – ein Zeichen für die Qualität seines Angebots.
Manuel Erceg, Kellner im Restaurant „Ankora“, schätzt die Einbußen auf 15 bis 20 Prozent. „Gäste sind zwar da, aber sie essen seltener auswärts. Die langen Schlangen in den Supermärkten sprechen Bände.“ Der Kontrast zu den Vorjahren sei frappierend: „Früher hatten wir mindestens drei Schichten beim Abendessen, die Küche arbeitete bis nach Mitternacht. Jetzt haben wir nur eine Schicht, die spätestens um 22 Uhr endet – dann ist es plötzlich leer, als hätte jemand den Strom abgedreht.“
Preisdebatte
Das Verhalten der Gäste habe sich grundlegend geändert: „Sie studieren eine halbe Stunde lang die Preisliste, fotografieren sie, rechnen zusammen – und bestellen zum Essen nicht einmal ein Getränk.“
Ähnliches berichtet Ivan Jezidic, Besitzer des Restaurants „Nocturno“. Seine Lebensmittelpreise seien zwar gleich geblieben wie im Vorjahr, aber die Gäste geben trotzdem weniger aus. „Letztes Jahr kam ein Gast an vier von fünf Urlaubstagen zum Abendessen, jetzt kommt er nur einmal und klagt, dass alles zu teuer sei. Jedes Jahr ist anders, aber dieses ist wirklich schlecht.“ Seiner Meinung nach profitieren in dieser Saison vor allem die Supermärkte.
Eine Ausnahme in der allgemeinen Tristesse bildet Marko Roso, Einheimischer und Inhaber der „Skywalk Cabrio Tour“. Sein Unternehmen, das exklusive Halbtagestouren mit Cabrio- oder Panoramabussen auf den Berg Biokovo anbietet, läuft im vierten Jahr in Folge hervorragend. „Für mich ist diese Saison perfekt, weil ich den ganzen Tag ohne Pause arbeite.“ Ich fahre täglich ein bis zwei Touren von Makarska und Podgora zum Biokovo und zurück.
Roso hat eine klare Meinung zur Preisdebatte: „Die Gäste beschweren sich im Gespräch über die hohen Preise an den Stränden – von Liegestühlen und Eis bis zu Speisen und Getränken. Aber es waren nicht die einheimischen Gastronomen, die die Preise in die Höhe getrieben haben, sondern Ausländer – von österreichischen Hotelbesitzern bis zu Saisonbetrieben, deren Eigentümer aus Bosnien und Herzegowina stammen.
Nicht die Einheimischen aus Makarska haben die Preise hochgeschraubt, sondern jene, die hier nicht leben – und wir bekommen die Schuld zugeschoben.“