Wenn Teenager nachts durchstarten, während die Kleinen schlafen wollen: Die Herbstferien stellen Familien vor eine Zerreißprobe der unterschiedlichen Bedürfnisse.
Die Herbstferien stehen vor der Tür – kaum neun Wochen nach dem Ende der langen Sommerferien gönnt sich Österreich wieder eine kollektive Auszeit. Zumindest theoretisch soll diese Zeit der Erholung dienen, doch die Realität in vielen Familien sieht anders aus.
In der Praxis prallen unterschiedlichste Bedürfnisse aufeinander: Ein Familienmitglied verweigert konsequent das Aufstehen vor der Mittagszeit, während ein anderes bereits um sechs Uhr morgens voller Tatendrang den Tag planen will. Die Freizeitvorstellungen könnten kaum gegensätzlicher sein – während die eine Person sich nach Wassersport sehnt, zieht es die anderen in die Berge zum Klettern.
Familiäre Dynamik
Die abendliche Dynamik verschärft die Situation zusätzlich. Der Teenager entwickelt nach 21 Uhr plötzlich Höchstaktivität – telefoniert, nutzt soziale Medien wie Snapchat, durchforstet Kühlschrank und Vorratsschränke und hinterlässt dabei eine Spur aus Kleidungsstücken, benutztem Geschirr und emotionalen Hochs und Tiefs. Die jüngeren Kinder sind zu diesem Zeitpunkt längst erschöpft und schlafbereit.
Meine persönliche Strategie besteht darin, möglichst viele Bedürfnisse abzudecken, unvermeidliche Enttäuschungen auszuhalten und auf Zusammenarbeit zu bestehen – all das, während ich äußerlich Ruhe bewahre, auch wenn es innerlich manchmal heftig brodelt. Wer diese Balance meistert – mal besser, mal schlechter – hat eine Lebensschule durchlaufen, die gegen fast alle Widrigkeiten wappnet.
Eltern als Manager
Wenn Führungskräfte aus der Wirtschaft von ihren straff organisierten, anspruchsvollen Terminkalendern berichten, können Eltern – diese unbezahlten Familienmanager – nur nachsichtig lächeln. Wir kennen die wahre Bedeutung von Belastung. Ein Rollentausch für eine Woche wäre aufschlussreich – die Herbstferien böten dafür die perfekte Gelegenheit. Wer fühlt sich dieser Herausforderung gewachsen?
Die Planung gemeinsamer Freizeit oder eines Familienurlaubs erfordert schließlich ein komplexes Ausbalancieren zahlreicher individueller Empfindlichkeiten und Wünsche.