Vom Klassenzimmer direkt in den Rettungswagen: Eine Innsbrucker Schule revolutioniert den Unterricht mit einer vollwertigen Sanitäter-Ausbildung für ihre Oberstufenschüler.
Am BG/BRG Sillgasse in Innsbruck wurde eine österreichische Bildungspremiere gestartet: Als erste Schule Westösterreichs integriert die Einrichtung eine vollwertige Rettungssanitäter-Ausbildung in den regulären Unterricht. Bei der Präsentation des Pilotprojekts am Freitag betonten die Verantwortlichen die doppelte Zielsetzung: Jugendliche sollen frühzeitig an Gesundheitsberufe herangeführt und gleichzeitig das Ehrenamt gestärkt werden.
Schulleiter Harald Pittl unterstrich den gesellschaftlichen Bildungsauftrag: „Die Aufgabe einer Schule ist es, junge Menschen zu verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft zu formen.“ Das neue Ausbildungsangebot baut auf dem existierenden Schulsanitätsteam auf und ermöglicht erstmals, den kompletten theoretischen Teil direkt im Schulalltag als Wahlpflichtfach zu absolvieren. Pittl erläuterte, dass bereits bisher alle Schülerinnen und Schüler zu Beginn der 6. Klasse einen 16-stündigen Erste-Hilfe-Kurs durchlaufen haben.
Mit der Erweiterung können besonders interessierte Jugendliche in der 7. Klasse neben ihrer Tätigkeit im Schulsanitätsteam die zusätzliche Berufsqualifikation erwerben und diese noch vor ihrem Schulabschluss abschließen.
Praktische Ausbildung
Der praktische Ausbildungsteil beginnt im Jänner im Bildungszentrum des Roten Kreuzes. Dort erhalten die Teilnehmenden Geräteeinschulungen sowie Einblicke in Notfallrettung und Krankentransport. Matthias Stark, Leiter des Bildungszentrums des Roten Kreuzes Innsbruck, erklärte: „Wir schlagen eine Brücke zwischen Schule und Beruf, indem wir unser Standardprojekt erfolgreich in den Schulalltag integrieren“.
Die Tiroler Gesundheits- und Bildungslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) verwies auf den steigenden Bedarf an qualifizierten Nachwuchskräften im Gesundheitssystem und im Ehrenamt. „Wir brauchen Menschen, die sich engagieren und gut ausgebildet sind – und das passiert hier bereits in der Schule“, hob die Landesrätin hervor. Das Projekt biete eine wichtige Grundlage, um Schülerinnen und Schüler frühzeitig einzubinden und stelle eine solide Basis für weiterführende medizinische Ausbildungen dar.
Wachsendes Interesse
Bettina Ellinger, Landesleiterin des Jugendrotkreuz Tirol, beschrieb das Vorhaben als „Ergänzung zum Unterricht mit einem praxisnahen, werteorientierten Bezug zum echten Leben“. Die Jugendlichen erhielten dadurch professionelle Einblicke in medizinische Berufsfelder. Laut Ellinger haben bereits Schulen in Kufstein, Kitzbühel und Lienz Interesse bekundet, das Modell zu übernehmen.
Das Projekt, das in ähnlicher Form bereits in Niederösterreich und Wien existiert, wird vom Jugendrotkreuz Tirol selbständig finanziert.
Für das kommende Schuljahr liegen bereits etwa 20 Interessensbekundungen für das Schulsanitätsteam vor, aus dessen Reihen künftige Teilnehmende rekrutiert werden sollen.
Im Rahmen der Pressekonferenz berichteten ein Schüler und eine Schülerin übereinstimmend, dass sie sich für das Projekt angemeldet hätten, weil sie Interesse an Biologie und Medizin haben und Menschen in Notlagen gerne helfen möchten.
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