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Studie enthüllt: So viel würde ein russischer Sieg Europa kosten und so viel ein ukrainischer

Studie enthüllt: So viel würde ein russischer Sieg Europa kosten und so viel ein ukrainischer
(FOTO: iStock)
5 Min. Lesezeit |

Ein ukrainischer Sieg wäre für Europa deutlich günstiger als ein russischer Erfolg im Ukrainekrieg. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des norwegischen Think Tanks Corisk (Forschungsinstitut) in Zusammenarbeit mit dem Norwegischen Institut für Internationale Beziehungen. Die Experten haben zwei mögliche Kriegsausgänge und deren wirtschaftliche Folgen für Europa analysiert.

Sollte Russland die ukrainischen Streitkräfte bis zum Dnjepr zurückdrängen und vorteilhafte Friedensbedingungen erzwingen, würden Europa im Zeitraum 2026 bis 2029 Kosten zwischen 1.250 und 1.633 Milliarden Euro entstehen. Dies entspräche etwa 1,8 Prozent des erwarteten europäischen BIP in diesem Zeitraum. Bei der gegenwärtigen westlichen Unterstützung für Kiew halten die Studienautoren dieses Szenario für wahrscheinlicher.

Ein russischer Sieg hätte für die Ukraine weitreichende Konsequenzen: Gebietsverluste, keine Chance auf EU- und NATO-Beitritt sowie die Wiederherstellung erheblichen russischen Einflusses in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – besonders durch Energieabhängigkeit. Die Forscher warnen vor einer möglichen Verlängerung des Ausnahmezustands mit dem Risiko von Machtkonzentration und Demokratieerosion. Ausländische Investitionen würden zurückgehen, während Kreditkosten steigen würden. Im schlimmsten Fall drohe eine Rückkehr zu Oligarchie und Korruption oder gar ein gescheiterter Staat.

Massive Fluchtbewegung

Die Studie prognostiziert bei einem teilweisen russischen Sieg eine massive Fluchtbewegung: Zwischen sechs und elf Millionen weitere Ukrainer könnten als Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftsmigranten nach Europa kommen. Die Kosten dieses Zustroms beziffert Corisk auf 150 bis 275 Milliarden Euro jährlich – über vier Jahre gerechnet 524 bis 952 Milliarden Euro. In der Ukraine würde die Abwanderung zu höheren Arbeitskosten und einer Schwächung der Innovationskraft führen, während Europa mit Haushaltsdefiziten, Druck auf die Sozialsysteme, einer Stärkung populistischer Parteien und zunehmender politischer Polarisierung konfrontiert wäre.

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Zudem müssten die baltischen und nordischen Staaten ihre militärischen Kapazitäten erheblich ausbauen, um Russland von weiteren Angriffen abzuhalten. Im ersten Jahr wären dafür 88 Milliarden Euro erforderlich, wobei sich dieser Betrag im vierten Jahr auf 39 Milliarden Euro verringern würde. Die zusätzliche Bewaffnung ganz Europas würde bis 2029 etwa 256 Milliarden Euro kosten. Weitere 425 Milliarden Euro müsste Europa in diesem Szenario für die Unterstützung der Ukraine aufbringen.

Ukrainischer Sieg

Im Gegensatz dazu stellt die Studie ein zweites Szenario vor: Erhält die Ukraine von ihren Verbündeten stärkere Waffen und kann besetzte Gebiete im Osten zurückerobern, könnte sie günstige Friedensbedingungen für sich sichern. In diesem Fall würden die Kosten für Europa zwischen 522 und 838 Milliarden Euro im Zeitraum 2026-2029 betragen – also nur etwa 0,9 Prozent des BIP in diesem Zeitraum.

Ein teilweiser ukrainischer Sieg würde bedeuten, dass Kiew den Ausnahmezustand aufheben, Wahlen abhalten und das politische Leben normalisieren könnte. Das Land könnte sich wieder mit der EU verbinden und Wirtschaftswachstum durch ausländische Investitionen, höhere Steuereinnahmen und eine Stärkung der Verteidigungsindustrie erzielen.

Zwar müsste Europa die Ukraine weiterhin mit ziviler und militärischer Hilfe unterstützen, jedoch zu geringeren Kosten. Laut Corisk würden bis zu 1,5 Millionen ukrainische Flüchtlinge aus der EU in die Ukraine zurückkehren, anstatt dass mehrere Millionen neue kommen. Europa müsste dennoch in den Wiederaufbau der ukrainischen Infrastruktur und Wohnungen für Rückkehrer in befreiten Gebieten investieren, Sanktionen gegen Russland fortsetzen und möglicherweise Vermögenswerte der russischen Zentralbank beschlagnahmen.

Für eine solche Beschlagnahme sehen die Forscher eine ausreichende Rechtsgrundlage, da Russland die Mittel für eine völkerrechtswidrige Kriegsaggression mit Elementen von Kriegsverbrechen verwendet. Die Beschlagnahme könnte bis zur Hälfte der für den militärischen Fortschritt der Ukraine benötigten Mittel sichern.

Auch im zweiten Szenario sieht der Bericht eine Stärkung der östlichen NATO-Grenze vor, allerdings hätte Europa dafür mehr Zeit als im ersten Szenario. In beiden Fällen schätzen die Autoren, dass Europa den Großteil der Verbündeten-Unterstützung für die Ukraine finanzieren muss, während Verbündete wie Kanada und Japan einen Teil beitragen werden.

„Es ist wahrscheinlich, dass die USA die ukrainische und europäische Verteidigung nicht mehr unterstützen werden, aber wahrscheinlich bereit sein werden, Waffen zu verkaufen und wichtige Sanktionen gegen Russland fortzusetzen“, schreiben die Experten.

Für einen Sieg auf dem Schlachtfeld müsste die Ukraine nach Ansicht der Autoren um Corisk-Gründer Erlend B. Bjortvedt in den nächsten vier Jahren 95 Brigaden vollständig ausrüsten, acht Millionen Drohnen, 1.500 bis 2.500 Kampfpanzer, 2.000 bis 3.000 Artilleriegeschütze, 10.000 bis 20.000 Schützenpanzer und Raketen mit einer Reichweite von mehr als 300 Kilometern beschaffen sowie eine Abdeckung der gesamten Westukraine mit dem Luftabwehrsystem Sky Shield erreichen.

Die Studie appelliert an die europäischen Staaten, die Ukraine weiterhin zu unterstützen und eine führende Rolle in Friedensverhandlungen zu übernehmen.

Besonders angesichts des Friedensplans des US-Präsidenten Donald Trump, der nach Einschätzung der Autoren „wenig Aussicht auf Erfolg hat“.

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KO KOSMO-Redaktion
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