Vier Jahre Chemotherapie gegen einen Krebs, den es nie gab. Eine dramatische Fehldiagnose kostet ein italienisches Krankenhaus nun eine halbe Million Euro.
Nach einer folgenschweren Fehldiagnose muss die Universitätsklinik Pisa einer Patientin eine Entschädigung von rund 500.000 Euro zahlen. Das Berufungsgericht in Florenz erhöhte damit die ursprüngliche Schadenersatzsumme deutlich. Der Fall reicht bis ins Jahr 2006 zurück, als Ärzte im Krankenhaus der toskanischen Stadt Volterra bei der Frau irrtümlich ein Darmlymphom im Endstadium diagnostizierten. Von Anfang 2007 bis Mai 2011 wurde die Patientin daraufhin mit intensiven Chemotherapien sowie hochdosierten Kortison- und Steroidbehandlungen therapiert. Erst eine Knochenmarkbiopsie in Genua brachte 2011 Gewissheit: Die Frau litt zu keinem Zeitpunkt an einer bösartigen lymphatischen Erkrankung.
Die vierjährige Krebsbehandlung ohne tatsächliche Krebserkrankung führte bei der Patientin zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgeschäden. Laut Gerichtsunterlagen entwickelte die Frau hormonelle Störungen, eine Osteoporose mit mehrfachen Knochenbrüchen sowie depressive und angstbedingte Symptome. Zudem litt sie an verschiedenen Erkrankungen infolge einer geschwächten Immunabwehr. Die unnötigen Therapien verursachten außerdem seltene Krankheitsbilder, die weitere medizinische Behandlungen notwendig machten.
Erhöhte Entschädigung
Die Universitätsklinik Pisa war bereits 2024 wegen ärztlichen Fehlverhaltens zu einer Entschädigungszahlung von etwa 300.000 Euro an die Betroffene verurteilt worden. Das Berufungsgericht bewertete den Fall nun neu und erhöhte die Summe erheblich. Bei der Urteilsfindung berücksichtigten die Richter besonders die außergewöhnliche psychische Belastung der Patientin, die jahrelang mit der vermeintlichen Diagnose einer tödlichen Krebserkrankung leben musste. Zusätzlich zum Schadenersatz werden der Frau noch Zinszahlungen zugesprochen.
Psychisches Leid
Die Entscheidung des Gerichts berücksichtigt insbesondere das jahrelange psychische Leid der Patientin, die permanent mit der Angst vor dem Tod durch eine vermeintlich unheilbare Krebserkrankung leben musste. Das Berufungsgericht in Florenz hat die Universitätsklinik Pisa zu einer Schadenersatzzahlung von rund 500.000 Euro an eine Patientin verurteilt.
Die Frau hatte über vier Jahre hinweg schwere Krebstherapien erhalten, obwohl sie tatsächlich nicht an Krebs erkrankt war.