Österreichs Jugend greift seltener zum Handy – die tägliche Nutzungsdauer sank um 31 Minuten. Parallel dazu gehen auch Depressionssymptome zurück.
Die aktuelle Studie zur Smartphone-Nutzung unter österreichischen Jugendlichen verzeichnet erfreuliche Entwicklungen. Wie die Studienautoren Paul Plener und Tobias Dienlin mitteilen, sank die tägliche Handynutzung der untersuchten Personen durchschnittlich um 31 Minuten. Dennoch warnen die Experten vor voreiligen Schlussfolgerungen, da sich aus diesen Daten noch kein eindeutiger Langzeittrend ableiten lässt.
Konkret verbrachten die Jugendlichen 2025 täglich etwa 190 Minuten am Smartphone, während es im Vorjahr noch 221 Minuten waren. Auch bei sozialen Medien zeigt sich ein deutlicher Rückgang von 96 auf 80 Minuten pro Tag. Als möglicher Einflussfaktor wird das seit Mai 2025 geltende Handyverbot an österreichischen Schulen genannt.
Die Untersuchung umfasste 8177 Schüler und Lehrlinge mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren, die am Präventionsprogramm Mental Health Days teilnahmen. Beteiligt waren Bildungseinrichtungen aus allen Bundesländern mit Ausnahme von Niederösterreich. Die nun zum dritten Mal durchgeführte Erhebung dokumentiert eine komplexe Entwicklung: Während sich die Lebenszufriedenheit der jungen Menschen zwischen 2023 und 2024 verschlechtert hatte, ging gleichzeitig der Anteil der Jugendlichen mit Depressionssymptomen zurück.
Im Jahr 2024 berichteten 15 Prozent der Befragten von solchen Symptomen, im aktuellen Erhebungsjahr waren es nur noch zwölf Prozent. Plener, der die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni/AKH Wien leitet, verweist auf ähnliche vorsichtig positive Trends in anderen Ländern.
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Soziale Unterschiede
Der Forscher Dienlin weist auf die möglicherweise negativen Auswirkungen der Smartphone-Nutzung hin, besonders im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken. Obwohl ein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang wissenschaftlich nicht belegt ist, zeigte die Studie, dass intensivere Nutzung sozialer Medien mit geringerer Lebenszufriedenheit korreliert.
Die Daten offenbaren zudem soziale Unterschiede: Mädchen, divers-identifizierte Jugendliche sowie junge Menschen aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen berichteten über stärkere psychische Belastungen.
Golli Marboe, der die Mental Health Days ins Leben gerufen hat, unterstreicht die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen und plädiert für handyfreie Oberstufen und Berufsschulen sowie mehr soziale Gerechtigkeit im Bereich der psychischen Gesundheitsversorgung. Angesichts der etwa 600 Schulen auf der Warteliste für eine Projektteilnahme bittet er um finanzielle Unterstützung.
Künftige Maßnahmen
Dienlin betont die weltweite Einzigartigkeit der begleitenden Gesundheitsstudie, die Präventionsarbeit und schulische Interventionen miteinander verknüpft. Plener bemängelt, dass Österreich keine öffentlich finanzierte, repräsentative Studie zu diesem Thema durchführt.
Plener äußert die Hoffnung auf eine Fortsetzung des positiven Trends aus der aktuellen Mental-Health-Days-Studie, gibt jedoch zu bedenken, dass externe Faktoren die Situation der Jugendlichen beeinflussen könnten.
Dienlin erwägt weitergehende Maßnahmen wie ein Smartphone-Verbot auch in Oberstufen oder Altersbeschränkungen für soziale Netzwerke nach australischem Vorbild.