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Präventionsversagen

Studie warnt: Österreichs Gesundheitssystem ist EU-Schlusslicht – zu wenig Prävention

Studie warnt: Österreichs Gesundheitssystem ist EU-Schlusslicht – zu wenig Prävention
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Österreich fällt in einer aktuellen europäischen Vergleichsstudie zur Gesundheitspolitik deutlich ab. Besonders in den Bereichen Ernährung, Tabak, Alkohol und körperliche Aktivität zeigt sich erheblicher Nachholbedarf.

Eva Winzer vom Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien äußert ihren Unmut über die omnipräsente Werbung für ungesunde Nahrungsmittel, die ihr täglich auf dem Weg zum Kindergarten begegnet. Diese Alltagsbeobachtung deckt sich mit den Studienergebnissen, die Österreich im Bereich Ernährungspolitik auf die hinteren Plätze unter 18 untersuchten europäischen und skandinavischen Ländern verweisen. Grundlage der Bewertung ist der Public Health Index (PHI), der misst, inwieweit wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für gesündere Lebensgewohnheiten umgesetzt werden.

Trotz des zweitteuersten Gesundheitssystems in der EU – nur Deutschland gibt mehr aus – schneidet Österreich in allen vier untersuchten Kategorien mangelhaft ab. Im profil-Interview bemängelt der prominente Koch Jamie Oliver, dass Österreich im Gegensatz zu Großbritannien keine Steuern auf zuckerhaltige Getränke eingeführt hat, obwohl dies nachweislich den Zuckerkonsum reduzieren würde. Großbritannien führt die Rangliste an, gefolgt von Finnland und Irland. Der britische Erfolg basiert auf der konsequenten Implementierung von vier empfohlenen Maßnahmen für bessere Ernährung, darunter ein weitreichendes Verbot von Junkfood-Werbung.

In Österreich fehlt es hingegen an jeglicher verbindlichen politischen Initiative für eine gesündere Ernährung. Während der Nutri-Score in Frankreich verpflichtend eingeführt wurde, bleibt er in Österreich freiwillig. Das Gesundheitsministerium steht dem schlechten Abschneiden gelassen gegenüber und kritisiert den Fokus der Studie auf verpflichtende Maßnahmen. Auffällig ist, dass nur 4,2 Prozent der österreichischen Gesundheitsausgaben in die Prävention fließen. Die Folge sind hohe Behandlungskosten für vermeidbare Erkrankungen wie Fettleibigkeit und Diabetes.

Tabak und Alkohol

Die zögerliche Einführung des Rauchverbots in Gaststätten im Jahr 2019 verdeutlicht die Unentschlossenheit der österreichischen Gesundheitspolitik. Im Bereich Tabakpolitik landet Österreich auf Platz 14 von 18, mit zu günstigen Zigarettenpreisen und unzureichenden Werbeeinschränkungen. Irland demonstriert dagegen, wie eine konsequente Tabakgesetzgebung den Anteil der Raucher auf 14 Prozent senken kann.

Bei der Alkoholpolitik nehmen die nordischen Länder Norwegen, Finnland und Schweden die Spitzenpositionen ein. Österreich hingegen fördert den Alkoholkonsum durch niedrige Preise und ständige Verfügbarkeit. ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick betont die Wichtigkeit, körperliche Aktivität fest im Alltag zu verankern. Dennoch bieten nur 15 Prozent der österreichischen Schulen die von der WHO empfohlene tägliche Bewegungsstunde an.

Bewegungsmangel bekämpfen

In der Bewegungspolitik erreicht Österreich immerhin den zehnten Platz, wobei die Ergebnisse größtenteils auf Selbstauskünften der Regierungen beruhen. Der Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger sowie spezielle Programme für Kinder und Jugendliche könnten dem Bewegungsmangel entgegenwirken. Trotz vielversprechender Pilotprojekte mangelt es an politischer Entschlossenheit für nachhaltige Präventionsmaßnahmen.

Ein Beispiel aus Baden-Württemberg zeigt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse allein nicht ausreichen. Dort wurde ein erfolgreiches Nachtverkaufsverbot für Alkohol wieder aufgehoben.

Was Österreich benötigt, sind politische Führungspersönlichkeiten mit dem Mut, gesundheitsfördernde Maßnahmen auch gegen Widerstände durchzusetzen.

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KO KOSMO-Redaktion
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