Fremde Identität, bestandene Prüfung – ein bundesweites Netzwerk machte den Führerschein zur Fälschungssache.
Ein 27-jähriger Mann ist vom Landesgericht Heilbronn in Baden-Württemberg zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Der Angeklagte hatte sich bundesweit als Ersatzperson für Führerscheinbewerber ausgegeben und deren theoretische Prüfungen stellvertretend abgelegt.
Der 1996 geborene Mann legte im Verlauf des Verfahrens ein umfassendes Geständnis ab, das die Beweisaufnahme erheblich abkürzte. Eine Gerichtssprecherin teilte mit, dass die Verurteilung wegen banden- und gewerbsmäßiger Fälschung beweiserheblicher Daten in Tateinheit mit Missbrauch von Ausweispapieren erfolgte.
Das verhängte Strafmaß deckt sich mit dem Antrag der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen eine Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
31 Fälle dokumentiert
Den Anklagepunkten liegen insgesamt 31 Fälle zugrunde. In diesen Fällen trat entweder der Angeklagte selbst oder von ihm vermittelte Dritte als Stellvertreter bei den Theorieprüfungen auf. Bereits seit Juni befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Darüber hinaus verfügte das Gericht die Einziehung von knapp 18.000 Euro, die er durch die Straftaten erwirtschaftet hatte.
Weiteres Verfahren folgt
Wie das Gericht weiter mitteilte, beginnt am 9. April ein gesondertes Verfahren gegen fünf weitere führende Mitglieder der Bande – darunter auch zwei Fahrschulinhaber.
Ihnen wird vorgeworfen, durch das organisierte Stellvertretersystem Einnahmen von mehr als 179.000 Euro erzielt zu haben.