Politisch interessiert, aber kaum vertreten: Österreichs Jugend sendet ein klares Signal – und die Zahlen dahinter sind alarmierend.
Das Vertrauen junger Menschen zwischen 16 und 26 Jahren in die Politik verharrt auf einem niedrigen Niveau. Immer weniger Jugendliche haben das Gefühl, mit ihren Anliegen politisch gehört zu werden. Wie eine am Dienstag im Wiener Parlament präsentierte Zusatzbefragung zum „Demokratie Monitor 2025″ des Forschungsinstituts Foresight zeigt, sind dabei deutliche Unterschiede je nach Einkommen, Bildung und Geschlecht festzustellen.
44 Prozent der befragten Jugendlichen attestierten dem politischen System ein positives Zeugnis – damit liegt der Wert wie schon im Vorjahr unter der Hälfte. Zum Vergleich: Bei der ersten Erhebung im Jahr 2018 hatte noch fast jeder Zweite das politische System positiv bewertet, damals waren es 69 Prozent. Bemerkenswert ist jedoch, dass die über 1.000 im Herbst 2025 befragten jungen Menschen die Funktionsfähigkeit des politischen Systems häufiger als gegeben betrachteten als ältere Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer.
Sinkendes Institutionsvertrauen
Das Vertrauen in politische Vertretungsorgane ist rückläufig. Zwei Drittel der Befragten vertrauten ihrer Bürgermeisterin oder ihrem Bürgermeister, mehr als die Hälfte immerhin noch dem Bundespräsidenten. Das geringste Vertrauen entfiel auf die Bundesregierung, der lediglich 37 Prozent der Befragten positiv gegenüberstanden.
Auch das Parlament mit 41 Prozent und die Landtage mit 44 Prozent schnitten nur mäßig ab. EU-Institutionen lagen in der Wahrnehmung der Jugendlichen etwas besser. Studienautorin Zandonella führte die niedrigen Werte auf das Erleben von Krisen zurück – etwa die Pandemie oder internationale Konflikte, die sich unmittelbar auf die Lebenshaltungskosten auswirkten.
Darüber hinaus beschäftigten die junge Generation laut der Befragung vor allem die Themen leistbares Wohnen sowie Fragen rund um Schule, Bildung und Arbeit. Eine zusätzliche Rolle spiele die Repräsentationslücke im Parlament. Nur noch knapp ein Drittel der Befragten gab an, sich mit seinen Anliegen im Parlament vertreten zu fühlen – verglichen mit der ersten Erhebung 2018 hat sich dieser Wert halbiert.
Finanziell bessergestellte Jugendliche, höher Gebildete und junge Männer fühlten sich dabei jeweils deutlich stärker vertreten als Jugendliche aus einkommensschwachen Verhältnissen, niedriger Gebildete und junge Frauen. Die Differenz zwischen den jeweiligen Vergleichsgruppen betrug zwischen 12 und 13 Prozentpunkten. Aktuell sind nur fünf der 180 Nationalratsabgeordneten unter 30 Jahre alt, darunter eine Frau.
Politisches Interesse stabil
Positiv hebt sich das politische Interesse der Jugendlichen ab. Innerhalb eines Jahres waren neun von zehn Befragten zumindest einmal politisch aktiv – sei es durch Wahlbeteiligung, die Teilnahme an Demonstrationen oder das Engagement in Parteien und Interessenvertretungen. Fast ebenso viele gaben an, sich mindestens einmal pro Woche über politische Themen zu informieren.
69 Prozent der befragten Jugendlichen nutzten soziale Medien als politische Informationsquelle, allen voran Instagram – ein markanter Anstieg gegenüber 2018, als sich erst knapp ein Drittel der 16- bis 26-Jährigen über soziale Plattformen informierte. Daneben behaupteten sich auch klassische Medien als relevante Informationskanäle. Erstmals wurde in der Erhebung auch die Nutzung von KI-Chatbots wie ChatGPT erfasst: 27 Prozent der Befragten gaben an, solche Tools für politische Informationen zu nutzen.
Die Zustimmung zur Demokratie als Staatsform hat sich auf hohem Niveau stabilisiert: 89 Prozent der Befragten sprachen sich für die Demokratie aus, womit die Jugendlichen im Einklang mit der Gesamtbevölkerung liegen. Auch beim institutionellen Vertrauen unterschieden sich junge Menschen kaum vom Bevölkerungsdurchschnitt. Das höchste Vertrauen genossen Polizei und Gerichte mit jeweils 68 Prozent – ein laut Studienautorin Martina Zandonella stabiler Wert.
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Anschluss an die Ergebnispräsentation zeigten sich die Abgeordneten aller fünf im Parlament vertretenen Parteien in einem Punkt einig: Es brauche mehr Angebote, die Jugendlichen politische Teilhabe sowie den Zugang zu demokratischen Institutionen und verlässlichen Informationen ermöglichen. Weniger Konsens bestand hingegen bei der Frage einer möglichen Altersbeschränkung für soziale Medien. Einzig die FPÖ sprach sich dagegen aus, deren Vertreter Sebastian Schwaighofer sah in den Studienergebnissen einen weiteren Beleg für die ablehnende Haltung seiner Partei.