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Handelsrevolution

Amazon unter Druck: Neuer MediaMarkt-Besitzer JD.com startet Joybuy in Europa

Amazon unter Druck: Neuer MediaMarkt-Besitzer JD.com startet Joybuy in Europa
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3 Min. Lesezeit |

Ein chinesischer Handelsriese, tausende Filialen, ein neuer Marktplatz – Europas Einzelhandel steht vor einer Zäsur.

Der chinesische Online-Handelskonzern JD.com drängt mit seiner Plattform „Joybuy“ in den europäischen Markt – und verfügt dabei über einen Trumpf, den kaum ein Mitbewerber vorweisen kann: eine Mehrheitsbeteiligung an Ceconomy, dem Mutterkonzern von MediaMarkt und Saturn. Aus dieser Konstellation entsteht ein Handelsmodell, das den Wettbewerb auf dem Kontinent neu ordnen könnte.

Joybuy ist als Online-Marktplatz konzipiert, der auf Geschwindigkeit und Preisaggressivität setzt. Das Sortiment umfasst mehr als 100.000 Artikel aus den Bereichen Elektronik, Haushaltsgeräte und Kosmetik; Same-Day- sowie Next-Day-Lieferungen sollen für Millionen Haushalte verfügbar sein. Was JD.com von anderen chinesischen Plattformen abhebt: Der Konzern betreibt nicht nur den digitalen Shop, sondern steuert Lagerung, Logistik und Auslieferung vollständig in Eigenregie.

Ceconomy-Übernahme

Zeitgleich mit dem Joybuy-Start hat JD.com die Mehrheit an Ceconomy übernommen. JD.com hatte im Juli 2025 angekündigt, Ceconomy für 2,2 Milliarden Euro zu kaufen. Damit gehen mehr als 1.000 Filialen in ganz Europa, ein breiter Kundenstamm sowie bestehende Online-Strukturen und Lieferketten in den Einflussbereich des Konzerns über. Die strategische Logik dahinter ist eindeutig: JD.com verknüpft seinen digitalen Marktplatz mit einem etablierten europäischen Handelsnetz – ein Ansatz, der klassischen E-Commerce weit hinter sich lässt.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher ändert sich zunächst wenig Sichtbares: MediaMarkt und Saturn bleiben unter ihren gewohnten Markennamen präsent, spürbare Veränderungen im Alltag sind kurzfristig nicht zu erwarten. Im Verborgenen läuft jedoch bereits die Neuausrichtung. JD.com überträgt seine Logistikinfrastruktur nach Europa und integriert sie schrittweise in die vorhandenen Systeme – mit dem Ziel, Lieferzeiten zu verkürzen und das Produktangebot auszuweiten.

Die Kombination aus Direktvertrieb, eigener Zustellung und Marktplatz-Struktur erlaubt es dem Konzern, Preise schärfer zu kalkulieren – ein direkter Angriff auf Amazon und andere Marktteilnehmer. Auch das stationäre Netz wird umgebaut: Saturn-Standorte sollen teilweise zusammengelegt oder in MediaMarkt-Filialen überführt werden, um Doppelstrukturen abzubauen und die Effizienz zu steigern.

Neues Handelsökosystem

Die eigentliche Tragweite dieser Entwicklung erschließt sich nicht allein aus dem Launch von Joybuy. JD.com verfolgt ein Konzept, das in Europa in dieser Form bislang nicht existiert: die Verbindung von Online-Marktplatz, stationärem Einzelhandel, eigener Logistik und direkter Kontrolle über die gesamte Lieferkette. Während Amazon seine Stärke primär im digitalen Raum ausspielt, errichtet JD.com ein integriertes Handelsökosystem – mit MediaMarkt als zentralem Pfeiler.

Die Expansion fällt in eine Phase, in der europäische Händler ohnehin unter erheblichem Druck stehen – nicht zuletzt durch das Wachstum von Plattformen wie Temu oder Shein. JD.com geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter: Der Anspruch lautet nicht nur günstig und digital, sondern vollständig kontrolliert – von der Bestellung bis zur Haustür.

Genau darin liegt die strukturelle Herausforderung für die Konkurrenz.

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KO KOSMO-Redaktion
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